Know-how für Einsteiger

Pistentouren: Alles was ihr über Skitouren auf der Piste wissen müsst

Skitouren in Skigebieten und auf Pisten erfreuen sich großer Beliebtheit. Für Pistentouren braucht man nur wenig Know-how und kann mit geringem Risiko starten. Wir zeigen euch, was ihr zum Einstieg braucht und worauf ihr achten solltet.

Pistentour am Patscherkofel bei Innsbruck.
© IMAGO / Michael Kristen

Was ist eine Pistentour?

Bei einer Pistentour oder Pistenskitour erfolgt der Aufstieg im Skigebiet auf der Skipiste oder einer vom Skigebiet oder Tourismusverband ausgewiesenen Aufstiegsroute. DIe Abfahrt erfolgt über die Skipiste.

Warum sollte ich auf Pistentour gehen statt ins freie Gelände?

Pistentouren sind ideal:

  • für Einsteiger:innen ins Skitourengehen.

  • für fortgeschrittene, aufstiegsorientierte Skitourengeher:innen zum Training.

  • durch die Beschneiung gerade tiefer Lagen bei wenig Schnee.

  • bei kritischen Lawinenlagen, bei denen ein Aufenthalt im freien Skiraum zu gefährlich wäre.

Pistentouren: Wie gefährlich sind sie?

Pistentouren in Skigebieten und auf ausgewiesenen Aufstiegsrouten im Skigebiet sind normalerweise nicht gefährlicher als das Skifahren auf der Piste selbst. Die Hauptgefahr geht von anderen, entgegenkommenden Skifahrern aus. 

Vorsicht gilt in der Nacht: Bei der Präparierung der Pisten mit der Pistenraupe werden oftmals Winden eingesetzt. Hier verbindet sich die Pistenraupe über ein bis zu einem Kilometer langes Stahlseil mit einem Fixpunkt und zieht sich an diesem bergauf- und ab. Das Stahlseil läuft hierzu teilweise unterhalb der Schneedecke und schnellt bei Bewegungen in alle Richtungen. Tourengeher sehen diese Gefahr häufig nicht kommen. Deshalb sollte man die Skipisten auch nur begehen/befahren, wenn diese offiziell geöffnet sind.

Was ist ein Skitourenlehrpfad?

Viele Skigebiete weisen mittlerweile einfache, pistennahe Skitouren als Skitourenlehrpfade aus. Hier steigt man auf einer ausgewiesenen Route auf und fährt über die Piste ab. Auf Infotafel wird wichtiges Wissen zu den Themen Skitourengehen, Lawinengefahr und Verhalten bei einer Verschüttung vermittelt. 

Skitourenlehrpfade gibt es zum Beispiel am Hochkeil bei Mühlbach am Hochkönig, am Obersalzberg bei Berchtesgaden, am Unternberg bei Ruhpolding, am Kranzberg bei Mittenwald, am Tegelberg bei Schwangau oder am Kolbensattel bei Oberammergau.

<p>Pistennahe Skitouren müsen nicht direkt auf der Piste sein, ausgewiesene Aufstiegsrouten gibt es teilweise auch neben den Pisten.</p>

Pistennahe Skitouren müsen nicht direkt auf der Piste sein, ausgewiesene Aufstiegsrouten gibt es teilweise auch neben den Pisten.

© IMAGO / Cavan Images

Sind Pistentouren rechtlich erlaubt?

Während in Deutschland der Zugang zur Piste nur bei konkreter Gefahrenlage gesperrt werden darf (Pistenpräparierung, Lawinensprengung oder Vereisung), hat man in Österreich kein unbeschränktes Recht, über Pisten aufzusteigen. Nur in Vorarlberg haben Tourengeher bei geschlossener Schneedecke ein allgemeines Recht zur Benutzung von Skipisten. In der Schweiz ist der Zugang frei gestaltet, nach dem Skibetrieb sind jedoch alle Pisten zur Präparierung gesperrt. Dafür sind nach dem italienischen Skipistengesetz Skitouren auf Pisten grundsätzlich verboten.

Was kostet eine Pistenskitour?

Die Kosten für die Pistenskitour variieren von kostenlos über Parkgebühren bis hin zum kostenpflichtigen Tourenticket. 

In den Bayerischen Skigebieten werden keine kostenpflichtigen Tourentickets verkauft, sondern in den meisten Fällen Parkgebühren verlangt. Diese variieren von 3 bis 15 Euro pro Tag. Eine gute Übersicht zu den örtlichen Regelungen für Skitourengeher:innen bietet der Alpenverein.

In Österreich haben Tourengeher kein unbeschränktes Recht, über Skipisten aufzusteigen. VIele Skigebiete bieten daher für Tourengeher kostenpflichtige Tourentickets, die die Parkgebühren und die Nutzung der Piste und Infrastruktur, teilweise sogar einzelne Liftfahrten beinhalten. Erhältlich sind die Tourentickets je nach Skigebiet für 9-15 Euro pro Tag. Der Österreichische Alpenverein bietet eine Übersicht über die Regelungen der Skigebiete rund um Innsbruck.

Nach dem italienischen Skipistengesetz sind Skitouren in Italien und Süditrol auf Pisten grundsätzlich verboten, was örtlich durch die Pistenpolizei kontrolliert wird. Skigebiete können aber nach eigenem Ermessen Pistentouren erlauben oder Aufstiegsrouten ausweisen. Eine gute Übersicht über die aktuellen Regelungen der Skigebiete bietet der Alpenverein Südtirol.

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Welche Ausrüstung benötige ich für eine Pistentour?

Für die Skitour essentiell sind Tourenski samt Tourenbindung, Skitourensiefel, Felle und Stöcke. Dazu ein kleiner Rucksack für Wasser, Müsliriegel, Wechselbekleidung und 

Bleibt man auf der Piste, kann man sich die Lawinenausrüstung sparen. Sobal man ins freie Gelände abseits der Piste quert, gehören LVS-Gerät, Schaufel und Sonde ins Gepäck. 

Am Körper empfiehlt sich, auf die dicke Wärmeschicht zu verzichten, denn auf Skitour fließt der Schweiß zumeist im Strömen. Eine wind- und wasserabweisende Softshell-Ausstattung aus Hose und Jacke ist für den Aufstieg ideal. Für Wetteränderungen sollten auf längeren Touren auf jeden Fall eine Hardshell-Jacke und -Hose mit ins Gepäck. Wer es am Gipfel gerne warm hat, packt eine dünne Daunen- oder Kunstfaserjacke mit ein – und idealerweise noch ein Shirt zum Wechseln.

Packliste Pistentour

Wann kann ich auf Pistentour gehen? Kann ich auch nachts starten?

Die Öffnungszeiten der Pisten hängen vom Skigebiet ab und sind zumeist auf deren Internetseiten einzusehen – auch wann die örtlichen Tourenabende auf den Hütten stattfinden. Eine Übersicht über Pistentouren und Tourenabende findet ihr auch in unseren Beiträgen, siehe unter "Wo kann ich auf Pistentour gehen?".

Kann ich auf Pistentour einkehren?

Auf Pistentouren kann man in den Hütten des Skigebiets einkehren. Oftmals gibt es auch Tourenabende, zu denen Hütten am Berg explizit länger geöffnet haben und die auch die entsprechenden Pisten länger befahren werden können.

<p>Pistentour am Patscherkofel bei Innsbruck</p>

Pistentour am Patscherkofel bei Innsbruck

© IMAGO / Michael Kristen

Wo kann ich auf Pistentour gehen?

Die Ziele für Pistentouren werden immer zahlreicher. Wir haben die besten Touren für Bayern, Tirol, Südtirol und das Salzburger Land für euch recherchiert und in übersichtlichen Beiträgen für euch gesammelt:

<p>Tourengeher auf einer Piste bei Nesselwang.</p>

Tourengeher auf einer Piste bei Nesselwang.

© IMAGO / ActionPictures

Worauf muss ich bei Pistentouren achten?

Für Pistentouren gibt es einge Regeln, mit denen ihr sicher unterwegs seid:

  • Skipisten stehen in erster Linie den Nutzern der Seilbahnen und Lifte zur Verfügung.

  • Aufstieg und Abfahrt erfolgen auf eigenes Risiko und eigene Verantwortung.

  • Nur am Pistenrand aufsteigen (FIS-Regel Nr. 7). Dabei hintereinander, nicht nebeneinander gehen.

  • Besondere Vorsicht an Kuppen, in Engpassagen, Steilhängen und bei Vereisung der Piste. Bei Pistenquerung möglichst einzeln gehen bzw. Abstände zueinander halten. Keine Querung in unübersichtlichen Bereichen.

  • Pistensperrungen, Warnhinweise und lokale Regelungen immer beachten.

  • Bei Pistenarbeiten sind die Pisten aus Sicherheitsgründen gesperrt. Insbesondere bei Einsatz von Seilwinden besteht Lebensgefahr.

  • Frisch präparierte Skipisten nur in den Randbereichen befahren. Bei Dunkelheit stets mit eingeschalteter Stirnlampe gehen, reflektierende Kleidung tragen.

  • Auf alpine Gefahren, insbesondere auf die Lawinengefahr, achten. Keine Skitouren durchführen, wenn Lawinensprengungen zu erwarten sind. Nur geöffnete Pisten sind vor Lawinen gesichert.

  • Skitouren nur bei genügend Schnee unternehmen. Schäden an der Pflanzen- und Bodendecke vermeiden.

  • Rücksicht auf Wildtiere nehmen. Bei Dämmerung und Dunkelheit werden Tiere empfindlich gestört. Hunde nicht auf Skipisten mitnehmen.

  • Regelungen an den Parkplätzen beachten, Parkgebühren bezahlen, umweltfreundlich anreisen.

Wir mache ich den Schritt von der Piste ins freie Gelände?

Nach den ersten Gehversuchen auf der Piste steht meistens der Wunsch nach Touren im freien Skigelände an. Hierfür ist allerdings erheblich mehr Know-how notwendig: Sowohl was die Bedienung von LVS-Gerät bei der Verschüttetensuche angeht, als auch bezüglich der Einschätzung der Lawinengefährdung der Aufstiegwege und der Abfahrt.

Das Know-how sammelt man am besten bei einem Lawinenkurs wie ihn Alpenvereinssektionen, die Naturfreunde, Bergführer und Bergschulen anbieten. 

Eintägige Kurse vermiteln dabei die Handhabung des LVS-Geräts bei der Suche. Bei mehrtägigen Kursen ist man mit einem Guide im freien Gelände auf Tour und überträgt das Theorie-Wissen auch in die Praxis. Wichtig ist natürlich, dass man sein Wissen auch jährlich auffrischt und regelmäßig mit dem LVS-Gerät übt.

Mit Augenzwinkern in die Berge: Mit den Cartoons von Georg Sojer:

Text von Thomas Harrer

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