Blaues Wunder

Trekking extrem auf Sardinien: Der Selvaggio Blu

Der Sentiero Selvaggio Blu an Sardiniens Ostküste zählt zu den schönsten, aber auch extremsten Trekkingrouten der Welt. Mit Boot- und Shuttle-Unterstützung lässt sich das Abenteuer mit schwindelerregenden Abseilstellen über türkisblauem Meer mittlerweile auch auf Tagestouren erleben. Wir stellen euch die Klettertour in sechs Etappen und mit allen notwendigen Infos vor.

Selvaggio Blu: Typische Kletterstelle
© Christan Penning

Selvaggio Blu: Trekking Extrem

Die Steilküste prägt den Mittelteil der Ostküste Sardiniens. Im Hinterland ragt das Gennargentu-Massiv bis zu 1834 Meter auf. Die Küstenberge erreichen gute 900 Meter Höhe. Steile Auf- und Abstiege, teils mit Kletterpassagen bis IV+, prägen das Terrain und auch den Selvaggio Blu. 

Durch genau dieses Küstengebirge führt der Selvagio Blu in einer 5-6 tägigen Klettertour. Auf schmalen Pfaden, die in früheren Zeiten nur von Schäfern und Schmugglern begangen wuden, und über steile, ausgesetzte und teilweise recht spannende Kletter- und Abseilstellen führt eine der spektakulärsten Trekkingrouten der Welt.

Eine 6-seitige Tourenreportage zum Selvaggio Blu von Christian Penning findet ihr auch in der ALPIN 11/22. Das Einzelheft gibt es hier inklusive kostenlosem Versand beim ALPIN Leserservice. Für Christian Penning war die Tour an der sardischen Küste ein unvergleichliches Erlebnis.

<p>Titelstory "Blaues Wunder" zum Selvaggio Blu in ALPIN 11/22</p>

Titelstory "Blaues Wunder" zum Selvaggio Blu in ALPIN 11/22

© ALPIN

Selvaggio Blu in Sardinien: Die Etappen

Der Selvaggio Blu führt als 5-6-tägige Klettertour entlang des Golfs von Orosèi. Wir haben euch die Infos zur Tour in sechs Etappen zusammengestellt. Eine Begehung einzelner Etappen mit anschließendem Bootstransfer zurück zum Ausgangspunkt ist ebenso möglich, verschiedene Bergschulen und Bergführer bieten hier Angebote vor Ort. Ausgangsorte für den Selvaggio Blu sind Santa Maria Navarrese oder Cala Gonone.

<p>Kontrastprogramm: Die schroff-zerklüfteten Wände machen die Wegfindung zur Herausforderung.</p>

Kontrastprogramm: Die schroff-zerklüfteten Wände machen die Wegfindung zur Herausforderung.

© Chrisitan Penning

Etappe 1 des Selvaggio Blu in Sardinien: Traumhafte Panoramablicke

Mit einem halbwegs entspannten Auftakt und vergleichsweise guten Pfaden mit traumhaften Panoramablicken aufs Meer und die beeindruckende Felsnadel Pedra Longa beginnt die erste Etappe des Selvaggio Blu. Ein Stück hinter der Pedra Longa beginnt ein längerer Aufstieg an den Flanken der Punta Giradili. Nach einem Abstieg endet die Tour im Hinterland der Küste.

Toureninfo zur ersten Etappe des Selvaggio Blu:

Etappe 2 des Selvaggio Blu in Sardinien: Aussichtsreiches Pfad-Labyrinth

War die erste Etappe noch vergleichsweise harmlos, geht's am zweiten Tag auf dem Selvaggio Blu zur Sache: Orientierungsmäßig ist die zweite Etappe eine der schwierigsten. Dafür warten ein weiteres Mal grandiose Ausblicke. Vom Hinterland führt die Route wieder ans Meer. Auch erste Klettereinlagen warten bei dem abenteuerlichen Trip auf schmalen Steigen entlang der Küste. 

<p>Touristenattraktion: Die Höhlen und Grotten entlang der Küste sind häufig das Ziel von Tagesgästen.</p>

Touristenattraktion: Die Höhlen und Grotten entlang der Küste sind häufig das Ziel von Tagesgästen.

© Christian Penning

Etappe 3 des Selvaggio Blu in Sardinien: Panoramatour überm Meer

Mit der Serra d'Àrgius und der gefeierten Punta Salinas warten auf der dritten Etappe zwei der beeindruckendsten Panoramaspots mit Meerblick auf dem Selvaggio Blu. Die Tour führt von Potu Cuàu auf die Panoramaterrasse Serra d'Àrgius mit traumhaften Blicken auf den Golf von Orosèi.

Weiter geht es durch Karstlandschaft, in der Felspassagen, mediterrane Wälder, felsige Abschnitte und erdige Pfade einander abwechseln. Highlight ist gegen Ende der Etappe der Blick vom Belvedere an der Punta Salinas auf den Strand Cala Goloritzè – an einer der faszinierendesten Aussichtspunkte Sardiniens.

Etappe 4 des Selvaggio Blu in Sardinien: Die wilde Seite

Auf der vierten Etappe zeigt sich der Selvaggio Blu von seiner wilden Seite. Weitab der Zivilisation, mächtige Felswände und die beeindruckenden Höhlen von Mudalòru zählen zu den Höhepunkten. Alpine Kletterpassagen wechseln mit traumhaften mediterranen Aussichtspunkten mit Meerblick. So anspruchsvoll die vierte Etappe des Selvaggion Blu ist, so schön ist sie auch. Eine Etappe für Könner. Der Traumstrand Cala Goloritzè lockt zum Baden – und Kletterasse zur Besteigung der Felsnadel Aguglia Goloritzè. Die Schwierigkeitsgrade der dortigen Kletterrouten bewegen sich zwischen 6b und 7a.

<p>Kraxeln mit Meerblick: Immer wieder muss man das Kletterseil auspacken.</p>

Kraxeln mit Meerblick: Immer wieder muss man das Kletterseil auspacken.

© Christian Penning

Etappe 5 des Selvaggio Blu: Spektakuläre Kletterei

Es ist nicht die Streckenlänge, die die fünfte Etappe des Selvaggio Blu so anspruchsvoll macht. Diesmal kommen Seil und Klettergurt intensiv zum Einsatz. Die Streckenlänge von nur etwa 2,5 Kilometer Länge sollte nicht täuschen. Auch diese Etappe ist wieder ein tagesfüllendes Erlebnis – großartige Blicke aufs Meer von exponierten Felsformationen und anspruchsvolle Abseilpassagen inklusive.

<p>Klettern hoch über dem Mittelmeer: Der Selvaggio Blu</p>

Klettern hoch über dem Mittelmeer: Der Selvaggio Blu

© Christian Penning

Etappe 6 des Selvaggio Blu: Finale Grande

Die letzte Etappe der Originalroute bietet nochmals eine komplette Essenz des Selvaggio Blu: umwerfende Panorama-Spots, technische Passagen mit Klettern und Abseilen sowie dichte Wälder und imposante Kalksteinwände. Die Cala Sisine wartet zum Finale mit einen weißen Traumstrand - perfekt für einen chilligen Abschluss. In der Bar ein Stück hinterm Strand lässt es sich bei gekühlten Getränken prächtig auf das Abenteuer anstoßen.

 Von Cala Sisine ist eine Rückfahrt mit dem Schiff oder Shuttle-Motorboot nach Santa Maria Navarrese möglich oder ein Schiffstransfer nach Cala Gonone. 

Zur Originalroute von Ololbissi bis zum Strand Cala Sisine haben wir in unserer Tourenbeschreibung eine weitere Tagesroute bis in das Touristenörtchen und Sportletter-Mekka Cala Gonone hinzugefügt.

<p>Geschafft!</p>

Geschafft!

© Christian Penning

Infos zum Selvaggio Blu

Selvaggio Blu: Sicher unterwegs

Um die Natur an Sardiniens Ostküste so wild wie möglich zu erhalten, hat die Regionsverwaltung einige strikte Regeln erlassen.

  • Biwaks und Übernachtungen im Freien sind nur mit Genehmigung an offiziellen Camp-Spots erlaubt. Campieren am Strand ist untersagt. Pflicht zur Registrierung vor Ort.

  • Die Zufahrt zu vielen Zugangs- und Versorgungspunkten mit Privatfahrzeugen ist nicht gestattet. Shuttles sind eine Lösung.

  • Lagerfeuer, Müll zurücklassen und Steine mitnehmen ist untersagt.

  • Wasserstellen gibt es in der gesamten Supramonte-Region so gut wie keine. Deshalb immer ausreichend Trinkwasser mitführen.

  • Die Wege sind, wenn überhaupt, nur notdürftig markiert und nicht offiziell beschildert. Auch sind die meisten Wege niht bfestigt, wilde Natursteige sind die Regel.

  • Solides Schuhwerk mit griffger Profilsohle ist unverzichtbar. Ebenso robuste Kleidung für heiße Tage und Sonnenschutz.

  • Mobilfunk- und GPS-Signale sind oft gestört, deshalb unbedingt ein Erste-Hilfe-Set für Notfälle ind den Rucksack.

<p>Kurz durchschnaufen vor der nächsten Kletterstelle: Am Selvaggio Blu.</p>

Kurz durchschnaufen vor der nächsten Kletterstelle: Am Selvaggio Blu.

© Christian Penning

Fragen & Antworten zum Selvaggio Blu

Wie unterscheidet sich der Selvaggio Blu von Bergtouren in den Alpen?

Hier ist alles noch freier, wilder. Jeder muss sich eigenverantwortlich im unwegsamen Gelände bewegen können und entspechende Kenntnisse was Klettern und Abseilen angeht mitbringen. Das Terrain ist schwierig. In größeren Gruppen kann nicht jeden einzeln gesichert werden, da würde man zu langsam vorwärtskommen.

Auch ist keine Infrastruktur vorhanden: Es gibt keine Berghütten, auf der Tour wird an offiziell ausgewiesenen Plätzen biwakiert. Wasser ist im Gennargentu Gebirge praktisch nicht vorhanden, muss selbst organisiert werden oder wird durch den Bergführer organisiert.

Worin liegt die Schwierigkeit des Selvaggio Blu?

Die Schwierigkeit des Selvaggio Blu liegt einerseits in der (Wasser-)Versorgung für mehrere Tage, dem Terrain und in der Wegfindung. Entweder man trägt Wasser und Versorgung für 5-6 Tage mit sich, legt sich vorab Wasserdepots an oder lässt sich durch Dienstleister vor Ort versorgen. Die Wegfindung ist durch die Navigation entlang riesiger Felswände schwierig. GPS-Signale sind oftmals gestört und eine Navigation per GPS-Gerät oder Smartphone nicht möglich. Auch die macchia-artigen Wälder und die zerklüfteten Felslandschaften erleichtern die Navigation nicht. Für den Selvaggio Blu sollte man sich einem Bergführer oder einer geführten Gruppe anschließen.

Noch mehr Impressionen vom Trekking-Abenteuer "Selvaggio Blu" in der Bildergalerie:

Welche Fähigkeiten benötige ich für den Selvaggio Blu?

Das Terrain an der sardischen Küste hat seine Tücken. Die Wege sind kleine, steile Steige, oft geht es durch dichtes Gebüsch, es kann recht rutschig sein nach Regen oder auf steilen Geröllpfaden. Solide Grundkenntnisse im Klettern und Abseilen sollte man für die Kletter- und Abseilstellen mitbringen: den Umgang mit dem Klettergurt, die entsprechenden Knoten, Sicherungs- und Abseiltechniken.

Kann man den Selvaggio Blu komplett auf eigene Faust machen?

Den Selvaggio Blu kann man bei entspechender (Orts-)Kenntnis auch ohne fremde Hilfe begehen, wenn man sich den Kletterschwierigkeiten gewachsen fühlt und die Probleme mit der Wasserversorgung, und Navigation selbst lösen kann.

Gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade des Selvaggio Blu?

Die Bergschule Explorando Supramonte bietet eine Selvaggio Blu Light Variante ohne Seilklettern an, aber trotzdem ist die Tour keine leichte Wanderung. Noch schwieriger ist Selvaggio Blu in Richtung Norden-Süd.

<p>Selvaggio Blu: Kletterstelle mit Aussicht</p>

Selvaggio Blu: Kletterstelle mit Aussicht

© Christian Penning

Kletterparadies Sardinien

Sardiniens Ostküste ist ein Klettereldorado. Von einfach zugänglichen Sportkletterrouten mit Meerblick bis zu ambitionierten Big-Wall-Projekten ist alles möglich. Alexander Huber verewigte sich 2021 mit einer Erstbegehung an der Punta Giradili an einem Monsterüberhang im oberen X. Schwierigkeitsgrad (8b+). „Hotel Supramonte“ (8b) an einer 400-Meter-Wand in der Gorroppu-Schlucht zählt seit 25 Jahren zu den Big-Wall-Klassikern.

Beliebt ist auch das Gebiet Cala Gonone (wahlweise Start oder Zielort des Selvaggio Blu) mit 907 offiziellen Routen. 34 Traumrouten direkt am Meer bietet auch die Felsnadel Pedra Longa. Nebenan gibt’s sogar eine Bar.

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