Seit 2008 ist es niemandem mehr gelungen, den zweithöchsten Berg der Erde zu besteigen. Vor wenigen Wochen vermeldeten wir den Erfolg von Christian Stangl am K2. Wir freuten uns mit dem Steirer. Und nun das: Christian Stangl gab zu, den Gipfel des K2 nie erreicht zu haben!

Eine Fälschung: Dieses Foto wurde verbreitet und sollte Christian Stangl am Gipfel des K2 zeigen.

2008 hatte er es versucht. Und kam bis auf 8.100 Meter. 2009 ein weiterer Versuch. Wieder das Scheitern. Dieses Mal auf 8.300 Metern. 2010 versuchte er es wieder, kehrte zwei Mal um und probierte es nochmals.

Am Freitag, den 13. August erreichte unsere Redaktion dann eine Mail des Pressprechers von Christian Stangl. Betreff: "K2 - Stangl war oben!!!!" Darin hieß es, der "Skyrunner" habe am 12. August um 10:00 Uhr als erster Bergsteiger seit über zwei Jahren den Gipfel des zweithöchsten Berges der Welt erreicht: "Die Sicht war nicht besonders gut, aber brauchbar. Ich hatte gar keine Freude am Gipfel - es war komisch. Wahrscheinlich realisiere ich das erst in ein paar Tagen! Der Berg ist so saugefährlich! Technisch nicht so schwierig, nicht der höchste aber mit Sicherheit der gefährlichste Berg den ich je versucht oder geschafft habe!", so ließ sich Christian Stangl zitieren.

Von Anfang an Zweifel an Stangls K2-Besteigung

Einige in der Szene zweifelten am Gipfelsieg des Steirers, schließlich waren viele Alpinisten in den vergangenen beiden Jahren an dem Berg gescheitert, die verglichen zu Stangl als versiertere und erfahrenere Höhenbergsteiger gelten.

Auf bergsteigen.at wurden die Argumente des Rumänen Török Zsolt dargestellt, der gleichzeitig mit Christian Stangl den K2 versucht hat. Demzufolge konnte Stangl nicht auf dem Gipfel gewesen sein. Unter anderem seien keine Begehungsspuren Stangls gefunden worden, dessen Ausrüstung sei dagegen angeblich unter einem Stein versteckt im Advanced Basecamp aufgetaucht. Zudem sei Stangl hektisch aus dem Lager abgereist, um so "kritischen Fragen zu entgehen". Auch der kasachische Bergsteiger Masksut Zhumayev behauptet das. An der Echtheit des Gipfelfotos wurde ebenso massive Zweifel laut. In einer Stellungnahme wies Stangl diese Behauptungen zunächst als Unterstellungen zurück: "Die Vorwürfe sind absurd", sagte er mehrfach.

Für eine Fotogalerie zu Christian Stangl klicken Sie auf diesen Link. Stangl in Pressekonferenz: "War der Überzeugung, auf dem höchsten Punkt zu stehen"

Nun aber der Skandal: Christian Stangl gab zu, den Gipfel des K2 nie erreicht zu haben! "Erst in der Heimat ist es Christian bewusstgeworden", sagte Stangls Pressesprecher Willi Pichler. "Er ist nicht dort gewesen, wo er hätte sein sollen."

Zerknirscht: Christian Stangl auf der Pressekonferenz in Wien. Bild: apa.

In einer am 07. September anberaumten Pressekonferenz im Hotel Bristol in Wien betonte Stangl, dass er niemanden bewusst habe täuschen wollen, sondern tatsächlich gedacht habe, auf dem Gipfel gewesen zu sein: "Es tut mir alles sehr Leid. Ich wollte niemanden täuschen. Beim letzten Versuch erreichte ich einen tranceartigen Bewusstseinszustand, an dem ich der Überzeugung war, auf dem höchsten Punkt zu stehen. Ich war mir sicher, ganz oben gewesen zu sein." Das angebliche Gipfelfoto wurde aber rund 1.000 Meter unterhalb des höchsten Punktes des K2 aufgenommen.

Stangl verwies auf den extremen Druck, unter dem er sich gefühlt habe: "Leistung und Erfolg waren und sind in meinem Sport bestimmende Faktoren und ich denke, dass ich meinen persönlichen Misserfolg nach drei Sommern und insgesamt sieben Versuchen an diesem Berg zu unterdrücken versuchte. Von Seiten meiner Sponsoren und Förderer wurde zu keiner Zeit Leistungsdruck auf mich ausgeübt. Diesen Druck machte ich mir selbst. Eine bedrohte körperliche Existenz ist schlimm genug, die Angst vor dem Versagen in einer leistungsorientierten Gesellschaft noch viel schlimmer."

Sind Stangls Fabel-Speed-Besteigungsrekorde auch ein Fake?

Nun stellen sich bereits einige die Frage, ob sich Stangl vielleicht einige seine Fabel-Speed-Besteigungsrekorde auch nur eingebildet haben könnte. Sicher kann man sich nicht mehr sein. Auch Stangl, der mit dem Bergsteigen weiter machen will, weiß, dass viele nun an seinen Taten zweifeln: "Es wird jetzt schwer, wieder an Glaubwürdigkeit zu gewinnen," sagte er in der Pressekonferenz.

Stangls Sponsor, die Mammut Sports Group, bedauerte die Täuschung ausdrücklich auf ihrer Website und distanzierte sich davon in aller Form . Doch noch lässt das schweizer Unternehmen Stangl nicht fallen: "Trotz allem schätzen wir Christian Stangls nachträgliche Ehrlichkeit. Seine bisher erbrachten Leistungen sind beachtlich und gut dokumentiert, es besteht somit kein Zweifel an ihrer Authentizität. Wir sind (...) von Stangls außerordentlichen alpinistischen Fähigkeiten überzeugt. Die weitere Zusammenarbeit (...) hängt von seinen zukünftigen Plänen ab und wird in den nächsten Wochen besprochen."

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