Großes Eis am Ötztaler Hauptkamm

Bergporträt: Hintere Schwärze (3.628 m)

Wie jeder Schatz liegt auch die Hintere Schwärze gut verborgen. Der vierthöchste Gipfel der Ötztaler Berge lockt mit noch halbwegs intakten Eisverhältnissen und weniger Besuchern als seine prominenten Nachbarn Wildspitze, Similaun oder Ramolkogel.

Großes Eis am Ötztaler Hauptkamm.
© IMAGO / Rainer Mirau

Die Hintere Schwärze: Lage

Wie jeder Schatz liegt auch die Hintere Schwärze gut verborgen. Sie steht zwar mittendrin im Ötztaler Hauptkamm, doch ist ihre fein geschnittene Gestalt, anders als Wildspitze, Similaun oder Ramolkogel, nirgendwo aus dem Tal sichtbar. Das mag der Grund sein, warum dieser superschöne Gipfel – er ist übrigens der vierthöchste der Ötztaler Berge – nicht ganz so häufig besucht wird wie mancher seiner Nachbarn.

<p>Der Gipfelaufbau der Hinteren Schwärze ist mit dem Klima­wandel nicht einfacher geworden, besonders wenn die Felsen eisverkrustet sind. </p>

Der Gipfelaufbau der Hinteren Schwärze ist mit dem Klima­wandel nicht einfacher geworden, besonders wenn die Felsen eisverkrustet sind.

© Bernd Ritschel

Dabei lockt die Hintere Schwärze mit Reizen, die jeden passionierten Hochtourengeher verzaubern werden. Von Westen – etwa vom Gipfel des Similauns – betrachtet, überragt sie als Eis- und Felspyramide die drei Marzellspitzen um ein gutes Stück. Nach Norden glänzt bis in den Juni hinein der nahezu makellose Firnschild der Nordwand, der bislang, im Gegensatz zu den Eiswänden in der Nachbarschaft, erstaunlich wenig unter der Klimaerwärmung zu leiden hatte. Von Osten gesehen, schwingt sich der Gipfelaufbau als spitze Felsnadel empor – mit atemberaubend steilen Flanken nach links und rechts. Seinen Namen scheint der Berg von der Südtiroler Seite her erhalten zu haben: Mit düsteren, schwarzen Wänden bricht der Gipfel zum Pfossental hin ab.

Historisches

Ein Berg – zwei Gesichter: Ihren Namen erhielt die Hintere Schwärze wohl von den düsteren Südwänden über dem Pfossental. Aber auch vom Schalfkogel erscheint sie als schwarze Nadel inmitten weißer Gletscher.

Die Erstbesteigung fiel Ernst Pfeiffer mit den beiden Ötztaler Führern Benedict Klotz und Josef Scheiber zu, die den höchsten Punkt am 10. September 1867 nach neunstündigem Aufstieg von Vent her erreichten. Von den letzten Metern am Westgrat zum Gipfel berichtet Pfeiffer im zweiten Venter Fremdenbuch: "Endlich erreichten wir den Felsgrat – weit wilder und kolossaler als die Nase der Wildspitze (Urkundgrat), und ich kann wohl mit aller Wahrheit und Berechtigung sagen, dass die noch zurückzulegende Strecke … stets lebensgefährlich ist."

<p>Wenn es derzeit irgendwo in den Ötztaler Bergen noch halbwegs intakte Eisverhältnisse gibt, so ist das am Marzellferner und an der Hintere Schwärze. Aber selbst hier sind die ­Gipfelflanken von Similaun und Marzellspitzen im Spätsommer meist ausgeschmolzen. </p>

Wenn es derzeit irgendwo in den Ötztaler Bergen noch halbwegs intakte Eisverhältnisse gibt, so ist das am Marzellferner und an der Hintere Schwärze. Aber selbst hier sind die ­Gipfelflanken von Similaun und Marzellspitzen im Spätsommer meist ausgeschmolzen.

© Bernd Ritschel

Die Hintere Schwärze: Hochalpine Gletschertour über den Marzellferner

Trotz der dramatischen Schilderung hat sich die von den Erstbesteigern eingeschlagene Route über den Marzellferner als Normalweg auf die Hintere Schwärze etabliert. Der Gletscher hat seither zwar einiges an Mächtigkeit eingebüßt, aber die Route ist heute noch eine klassische Hochtour mit großartigem Gletscherambiente: durch Spaltenzonen, vorbei an einem Gletscherbruch und mit all der Faszination, die das Hochtourengehen ausmacht. 

<p>Auf der Westseite der Hinteren Schwärze zieht sich eine Eisrampe bis direkt an den Gipfelgrat hinauf.</p>

Auf der Westseite der Hinteren Schwärze zieht sich eine Eisrampe bis direkt an den Gipfelgrat hinauf.

© Bernd Ritschel

Einzig der Zustieg ist infolge erhöhter Steinschlaggefahr und des vielen losen Schotters ein bisschen heikel zu begehen – dank der Markierungen ist der Einstieg auf den Gletscher aber problemlos zu finden. Dann heißt es nur noch: Stirnlampe aus und die herrliche Gletscherlandschaft genießen.

Die Hintere Schwärze: Elegant, hoch & steil

<p>Hintere Schwärze: Die Tour in der Übersicht</p>

Hintere Schwärze: Die Tour in der Übersicht

© Tyrolia Verlag
  • Schwierigkeit: Hochalpine Gletschertour über den stellenweise ganz schön spaltenreichen Marzellferner. Firn oder Eis bis 30 Grad. Infolge der umfassenden Ausaperung ist am Gipfelaufbau mittlerweile um einiges mehr an Fels zutage getreten. Das macht diese letzte Etappe deutlich anspruchsvoller, besonders dann, wenn die Felsen vereist sind, was nicht selten vorkommt. Erfahrung im Umgang mit den Spaltenbergungstechniken und gutes Gespür für das Begehen von Gletschern sind Grundvoraussetzung, sonst schließt man sich besser einem Bergführer an.

  • Höhenunterschied/Länge: Von der Martin-Busch-Hütte 1170 Hm, 4,5 Std. Aufstieg, 2,5 Std. Abstieg.

  • Material: Hochtourenausrüstung mit Seil, Pickel, Steigeisen.

  • Talort: Vent, 1896 m.

  • Ausgangspunkt: Gebührenpflichtige Parkmöglichkeit am Ortseingang von Vent. Nach Südwesten durch den Ort, über die Venter und Niedertaler Ache hinweg zum Eingang ins Niedertal, dort beginnt der Hüttenaufstieg.

  • Hütte: Martin-Busch-Hütte, 2501 m, DAV Berlin, bewirtschaftet Ende Juni bis Ende September sowie in der Skitourensaison von Anfang März bis Mitte Mai, sonst offener Winterraum, 2,5 Std. von Vent, hotel-vent.at

  • Route: Von der Martin-Busch-Hütte kurz südwestlich das Niedertal einwärts, bis eine Brücke den Bach überqueren hilft. Jenseits um die Ausläufer des Marzellkamms herum, bis links ein markierter Steig auf den Marzellferner hinabführt. Dort bieten sich zwei Möglichkeiten an: Entweder geradewegs nach Süden auf die Nordwand des Similauns zu und so rechts um den Gletscherbruch herum – dies ist die spaltenreichere Variante. Dann im Bogen unter dem Nordwestsporn der Westlichen Marzellspitze vorbei und auf die Gletscherrampe, die zum Gipfelaufbau leitet. Auf die Rampe gelangt man auch, indem man den Gletscher zwischen 2700 und 2800 m Höhe auf die Mutmalspitze zu überquert, am orografisch rechten Gletschersaum oder in den Blockhängen darüber aufsteigt und später nach Süden zur Rampe quert. Vom oberen Ende der Rampe links haltend auf einen Firn- oder Eisrücken, über ihn zum Gipfelgrat und weiter zum höchsten Punkt.

  • Abstieg: Wie Aufstieg über den Marzellferner.

  • Tipp: Rund um die Martin-Busch-Hütte finden sich Hochtourenziele, die locker für eine komplette Tourenwoche reichen. Zusammen mit dem Similaun bietet die Hintere Schwärze eine perfekte Wochenendtour. Der Marzellferner birgt im Frühling auch einen ausgesucht schönen Skitourenanstieg.

  • Weitere Routen: Die Nordwand ist bis in den Frühsommer hinein eistechnisch meist bestens in Schuss: zwei Varianten mit 45 bis 50 oder 50 bis 55 Grad, beide etwa 6 Std. von der Hütte.

<p>Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs.</p>

Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs.

© Tyrolia Verlag

Mit freundlicher Genehmigung aus:

Text von Robert Demmel

1 Kommentar

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Weisshorn

Stellt das erste Foto wirklich die Hintere Schwärze dar? Ich habe da große Zweifel ....
Wäre für weitere Beweisfotos dankbar, wenn sie das wirklich ist.
Ich war vor 54 (!) und 44 Jahren dort oben und sie war immer mein Top-Gipfel, nachdem ich sie von Osten gesehen habe.