Ohne Lawinenausrüstung im freien Gelände: Skifahrer stirbt in Lawine
Am 16. Januar 2026 gegen 08:40 Uhr meldete ein Gastwirt in Kappl das Ausbleiben eines als verlässlich bekannten Gastes. Auffällig war, dass sich dessen Skiausrüstung nicht mehr im Skikeller befand, während das Mobiltelefon im Zimmer zurückgelassen worden war. Abklärungen bei Krankenanstalten, Pistenrettungen und Ärzten verliefen zunächst ohne Ergebnis.
Erhebungen über die Silvretta Seilbahn AG ergaben, dass der Mann am Vortag um 09:50 Uhr letztmalig das Drehkreuz der Pardatschgratbahn passiert hatte. In weiterer Folge wurde von einer Abgängigkeit im freien Gelände ausgegangen und eine Suchaktion unter Beteiligung der Alpinpolizei, der Pistenrettung Ischgl, der Bergrettung Ischgl sowie der Lawinenkommission eingeleitet.
Über einen Meter tief verschüttet
Im Variantenbereich westlich des Bürkelkopfes entdeckten die Einsatzkräfte schließlich eine Schneebrettlawine, in deren Kegel ein Teil eines Skistockes sichtbar war. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Mann gegen 10 Uhr den organisierten Skiraum verlassen, in einem steilen Nord-Nord-West-Hang eine Lawine ausgelöst und wurde dabei rund 65 Meter mitgerissen. Der Skifahrer war etwa 110 Zentimeter tief verschüttet.
Wie die zuständige Polizei mitteilt, war der Mann nicht mit Lawinennotfallausrüstung ausgestattet. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Die Leichenbergung erfolgte durch die Pistenrettung Ischgl. Die Ermittlungen zum genauen Unfallhergang dauern an.
Am vergangenen Wochenende kam es zu zahlreichen, teils tödlichen Lawinenunglücken. Bergrettung und Lawinenexperten warnen vor exponierten Touren im freien Gelände.
Lawinensicherheit: Das müsst ihr aktuell bei der Tourenplanung beachten!
Diese Tipps solltet ihr unbedingt bei der Tourenplanung berücksichtigen:
1. Lawinenlagebericht vollständig lesen
Nicht nur die Gefahrenstufe zählt: Besonders der Textteil des Lawinenlageberichts liefert entscheidende Hinweise zu Expositionen, Höhenlagen und typischen Gefahrenstellen. Auch bei Stufe 2 können Lawinen groß und tödlich sein.
2. Alarmzeichen ernst nehmen – immer
Setzungsgeräusche ("Wumm"-Geräusche), Rissbildung im Schnee oder frische Lawinen sind klare Warnsignale. Treten sie auf, sollte steiles Gelände konsequent gemieden werden, unabhängig von Tourenziel oder Gruppendruck.
3. Triebschnee meiden
Frischer Triebschnee ist oft extrem störanfällig. Gefährlich sind vor allem Bereiche hinter Geländekanten, in Rinnen, Mulden und unter Graten. Triebschnee ist nicht immer leicht zu erkennen, besonders bei diffusem Licht.
4. Vorsicht nahe der Waldgrenze
Kritische Lawinensituationen beginnen aktuell oft bereits knapp oberhalb oder sogar innerhalb der Waldgrenze, da massive Verfrachtungen stattgefunden haben. Der vermeintlich "sichere Bereich" trügt.
5. Steilheit bewusst reduzieren
In hochaktiven Lawinenphasen gilt: unter 30 Grad bleiben, besonders bei ungünstigen Expositionen. Der Verzicht auf steile Abfahrten ist kein Sicherheitsverlust, sondern eine bewusste Entscheidung.
6. Altschneeproblem nicht unterschätzen
Schwachschichten aus kantigen Kristallen und eingeschneitem Oberflächenreif reagieren oft verzögert, brechen aber dann großflächig. Solche Lawinen lassen sich häufig bereits mit geringer Zusatzbelastung auslösen.
7. Defensive Spuranlage und Abfahrt
Abstände einhalten, steile Passagen einzeln begehen oder befahren, Sammelpunkte nur an sicheren Stellen wählen. Hänge nie "auf gut Glück" queren.
8. Notfallausrüstung und -wissen ist Pflicht
LVS-Gerät, Schaufel und Sonde gehören zur Standardausrüstung, ebenso regelmäßiges Training im Umgang damit. Airbags erhöhen die Überlebenschance, ersetzen aber keine fundierte Tourenplanung.
9. Ziel anpassen
Die derzeitige Schneelage verführt zu Touren in eingewehten Hängen. Besser sind waldnahe, flache oder bekannte Routen, die auch bei ungünstigen Bedingungen sicher machbar sind.
10. Im Zweifel umkehren
Die wichtigste Regel bleibt: Umkehren ist Erfolg, wenn die Bedingungen nicht passen. Der Berg läuft nicht davon, das Risiko hingegen bleibt.

