Vier Personen überleben unverletzt

Lawinenunglück im Murtal: Drei Skitourengeher sterben

Bei einem Lawinenabgang im Gemeindegebiet Pusterwald im Bezirk Murtal (Steiermark) sind am vergangenen Samstag (17. Januar 2026) drei Skitourengeher ums Leben gekommen. Vier Personen konnten gerettet werden. Die Bergung der Opfer wurde unter schwierigen Witterungsbedingungen abgeschlossen.

Lawinenunglück im Murtal: Drei Skitourengeher sterben (Symbolbild)
© IMAGO / Michael Kristen

Lawinenunglück am Schönfeldspitz

Gegen 16.24 Uhr wurde die Alpine Einsatzgruppe Murtal zu einem Lawinenabgang am Schönfeldspitz alarmiert. Insgesamt waren sieben Skitourengeher auf etwa 2200 Metern im Gelände unterwegs. Drei von ihnen wurden während der Abfahrt von den Schneemassen erfasst und vollständig begraben. Einsatzkräfte konnten die Verschütteten lokalisieren und teilweise freilegen, jedoch nur noch den Tod der drei Personen feststellen. Die vier übrigen Mitglieder der Gruppe wurden nicht von der Lawine erfasst. Sie wurden von Einsatzkräften aus dem alpinen Gelände gebracht und notfallmedizinisch erstversorgt.

Die Bergung der Opfer konnte am Tag des Unglücks nicht mehr durchgeführt werden, weil Wind, Nebel und Dunkelheit den Einsatz behinderten. Am 18. Januar setzten Polizei, Bergrettung und weitere Einsatzteams die Bergung der Verstorbenen fort. Trotz widriger Wetterbedingungen und schwierigem Gelände konnten die drei Leichen am Nachmittag ins Tal gebracht werden.

Unter den Opfern befanden sich laut Polizei zwei Männer im Alter von 46 und 50 Jahren sowie eine 35-jährige Frau. An der mehrstündigen Such- und Bergungsaktion waren rund 150 Einsatzkräfte der Bergrettung aus den Bezirken Murtal und Liezen, Lawinen- und Suchhundestaffeln, die Alpinpolizei, weitere Polizeikräfte sowie mehrere Notarzthubschrauber der ÖAMTC-Flugrettung beteiligt. Unterstützt wurde der Einsatz von Freiwilligen Feuerwehren und einem Kriseninterventionsteam.

Gefahrenstufe 2 am Unfalltag

Die Polizei führt derzeit Ermittlungen zum genauen Hergang des Unglücks durch. Wie es zu dem Lawinenabgang kommen konnte und ob weitere Faktoren eine Rolle spielten, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen. In den Hochlagen herrschte am Unfalltag Lawinenwarnstufe 2, wobei besonders Gefahrenstellen hinter Kämmen, Geländekanten und steilen Rinnen als kritisch beschrieben wurden. Schneebrettlawinen konnten dort durch geringe Zusatzbelastung ausgelöst werden.

Im selben Einsatzzeitraum kam es auch in Tirol und Salzburg zu Lawinenabgängen mit mehreren Toten. Das macht den zurückliegenden Samstag zu einem der bisher tödlichsten Tage in dieser aktuellen Wintersaison.

Hier findet ihr die fünf Lawinenprobleme in der Übersicht:

Die fünf "Lawinenprobleme" in der Übersicht
Neuschnee, Altschnee, Triebschnee, Nassschnee, Gleitschnee
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Altschnee, Triebschnee, Neuschnee, Nassschnee, Gleitschnee - was ist was?! Wir zeigen es euch!

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Lawinensicherheit: Das müsst ihr aktuell bei der Tourenplanung beachten!

Diese Tipps solltet ihr unbedingt bei der Tourenplanung berücksichtigen:

  • 1. Lawinenlagebericht vollständig lesen

    Nicht nur die Gefahrenstufe zählt: Besonders der Textteil des Lawinenlageberichts liefert entscheidende Hinweise zu Expositionen, Höhenlagen und typischen Gefahrenstellen. Auch bei Stufe 2 können Lawinen groß und tödlich sein.

  • 2. Alarmzeichen ernst nehmen

    Setzungsgeräusche ("Wumm"-Geräusche), Rissbildung im Schnee oder frische Lawinen sind klare Warnsignale. Treten sie auf, sollte steiles Gelände konsequent gemieden werden, unabhängig von Tourenziel oder Gruppendruck.

  • 3. Triebschnee meiden

    Frischer Triebschnee ist oft extrem störanfällig. Gefährlich sind vor allem Bereiche hinter Geländekanten, in Rinnen, Mulden und unter Graten. Triebschnee ist nicht immer leicht zu erkennen, besonders bei diffusem Licht.

  • 4. Vorsicht nahe der Waldgrenze

    Kritische Lawinensituationen beginnen aktuell oft bereits knapp oberhalb oder sogar innerhalb der Waldgrenze, da massive Verfrachtungen stattgefunden haben. Der vermeintlich "sichere Bereich" trügt.

  • 5. Steilheit bewusst reduzieren

    In hochaktiven Lawinenphasen gilt: unter 30 Grad bleiben, besonders bei ungünstigen Expositionen. 

  • 6. Altschneeproblem nicht unterschätzen

    Schwachschichten aus kantigen Kristallen und eingeschneitem Oberflächenreif reagieren oft verzögert, brechen aber dann großflächig. Solche Lawinen lassen sich häufig bereits mit geringer Zusatzbelastung auslösen.

  • 7. Defensive Spuranlage und Abfahrt

    Abstände einhalten, steile Passagen einzeln begehen oder befahren, Sammelpunkte nur an sicheren Stellen wählen. Hänge nie "auf gut Glück" queren.

  • 8. Notfallausrüstung und -wissen ist Pflicht

    LVS-Gerät, Schaufel und Sonde gehören zur Standardausrüstung, ebenso regelmäßiges Training im Umgang damit. Airbags erhöhen die Überlebenschance, ersetzen aber keine fundierte Tourenplanung.

  • 9. Ziel anpassen

    Die derzeitige Schneelage verführt zu Touren in eingewehten Hängen. Besser sind waldnahe, flache oder bekannte Routen, die auch bei ungünstigen Bedingungen sicher machbar sind.

  • 10. Im Zweifel umkehren

    Die wichtigste Regel bleibt: Umkehren ist Erfolg, wenn die Bedingungen nicht passen. Der Berg läuft nicht davon, das Risiko hingegen bleibt.

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