Sinnvolle Verbindung oder unnötige Neuerschließung? Wie ist Eure Meinung zur "Tiroler Gletscherehe"?

Die Pitztaler und Ötztaler Gletscherbahnen planen den Zusammenschluss ihrer Skigebiete. Im Zuge des 130 Millionen Euro schweren Bauvorhabens sollen unter anderem drei Seilbahnen, ein Speichersee und neue Pisten auf rund 64 Hektar Fläche entstehen. Etwa 58 Hektar davon liegen auf Gletschergebiet.

Diese Eingriffe in die Landschaft sorgen für länderübergreifenden Widerstand seitens der Alpenvereine sowie verschiedenster Umweltverbände. Die Bürgerinitiative Feldring hat sogar eine Online-Petition mit auf den Weg gebracht, die bis Mitte November bereits mehr als 140.000 Menschen unterzeichnet hatten.

© Bergbahnen Sölden / Rudi Wyhlidal

Die Gegner dieser „Tiroler Gletscherehe“ erheben schwere Vorwürfe gegen das Projekt und seine Initiatoren, weil die geplanten Baumaßnahmen weit über einen reinen Zusammenschluss der beiden bestehenden Skigebiete hinausgingen. Vielmehr handele es sich um die Neuerschließung dreier bisher unberührter Gletscher.

Haben viele Tiroler das Bauvorhaben aufgrund seiner angeblich überschaubaren Auswirkungen auf die Natur anfangs noch als "vernünftiges" Projekt wahrgenommen, sehen sich die Initiatoren inzwischen mit einer "regelrechten Hetzkampagne" konfrontiert, so deren Wahrnehmung.

Eine Entwicklung, die bei den Befürwortern auf großes Unverständnis stößt. Denn als strukturschwache Destination könne vor allem das Pitztal vom "bestgeprüften Seilbahnprojekt der Alpen" profitieren. Die Region ist seit Jahren massiv von Abwanderung bedroht und weist als einzige Tourismusregion Tirols eine negative Nächtigungsbilanz auf.

"Mit dem Zusammenschluss können wir ein neues Angebot schaffen, das große Chancen bietet und zu einer touristischen und wirtschaftlichen Aufwertung beider Täler führen wird", betonen Eberhard Schultes, Geschäftsführer der Pitztaler Gletscherbahn, und Jakob Falkner, Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden. Eine Meinung, die viele der knapp 7500 Bewohner im Planungsverband Pitztal unterstützen – vom Hotelier bis hin zum Bergführer.

Die Fronten sind inwischen mehr als verhärtet. Wohl auch, weil beide Seiten die zugrundeliegenden Fakten im eigenen Sinne interpretieren. Letztlich bleiben nur zwei entscheidende Fragen: Braucht es den Zusammenschluss der beiden Skigebiete in Zeiten des Klimawandels? Und wenn ja: Ist eine naturverträgliche und für alle akzeptable Lösung überhaupt denkbar?

Den ungekürzten Artikel von Veit Schumacher mit Pro- und Contra-Stimmen von Bergführer Raphael Eiter sowie der Grünenpolitikerin Barbara Nessler findet Ihr in ALPIN 01/2020.

Sämtliche User-Stimmen findet Ihr in den Kommentaren, das Ergebnis unserer Kontrovers-Umfrage präsentieren wir Euch hier.

63 Kommentare

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der.ramsenthaler.de

Es ist leider noch nicht bei den meisten Menschen angekommen, daß es bereits
5vor 12 Uhr mit dem Untergang der Natur ist. Habe vor über 20 Jahren dem Großklockner-Verein in Salzburg eine DVD zukommen lassen, mit Bildern von 1938(Pasterce war damals 500 Meter höher!!!)(Digitale Aufbereitung hat mich 1000 Euro ca. gekostet. Bilder sind im Museum-Großklockner zu sehen.
Ramsenthaler

GC

Das ist völlig unwichtig und mehr als überflüssig. Gibt es nicht bereits genügend Skigebiete? Nur weil sich einige Gastronomen Sorgen um ihre Existenz machen, soll hier massiv in die Natur eingegriffen werden? Was soll denn der Harz sagen? Wollen wir den künftig auf 2.000 m aufbetonieren? Ich denke, die Welt hat andere Sorgen, als neue Skigebiete!

Heizmann Wolfgang

Es ist unverantwortlich, für eine Sportart ohne Zukunft noch mehr Natur zu zerstören! Grenzenloses Wachstum ist illusorisch, besonders im Skisport aufgrund der Klimaveränderung. Dieses Projekt ist unverantwortlich und überflüssig!

Markus Schäfer

Ich fahre seit mehr als 40 Jahren ins Pitztal.
Der Zusammenschluss mit dem Ötztal ist für die Pitztaler wichtig, damit ein Überleben möglich ist.
Es wird hier immer nur über die "Geldgeilheit" der Hotelbesitzer geredet, was absoluter Schwachsinn ist.
Viele Hotelbesitzer betreiben Ihre Familienbetriebe schon in der x-ten Generation und brauchen die Verbindung um mit den großen Skigebieten konkurrenzfähig zu bleiben.
Stillstand ist der Tod in allen Branchen.
Ich wünsche den Pitztalern, dass ihrem Wunsch entsprochen wird und die Verbindung kommt.
Ich freue mich schon jetzt auf ein Wiedersehen im Februar.....

Silvia

Die Gletscher sind ein einzigartiges Naturerbe. Die wegen Skitourismus kaputt zu machen ist ein Frevel. Sanfter Tourismus auch i Winter ist gefragt. Sonst schaut das schöne Pitztal im Sommer so trostlos aus wie das planierte Ischgl

dorfchemnitzer

Es gibt immer noch zu viele Menschen, die vom ewigen Wachstum träumen, was machen die dann, wenn nur noch Gestein und Schutt übrig sind. Die Nachkommen werden sich herzlich bedanken.

andyschaekel@gmail.com

Wie immer bei solchen "Grundsatzdiskussionen" muss man sich bei der eigenen Bewertung für die eine oder eben die andere Richtung entscheiden. Jemandem der ein paar Mal im Jahr Ski fährt und wirtschaftlich nicht von weiteren Erschliessungen abhängig ist fällt diese Entscheidung naturgemäss leicht. Obwohl auch ich dieser Klientel zugehöre halte ich weitere Erschliessungen für absolut notwendig. In diesem Fall muss ich aber leider feststellen das weit übers Ziel hinaus geschossen wurde und spreche mich dagegen aus

messaldieter67@googlemail.com

Kein zusammenschluss

Anonym

Nach diesem Aufruhr bis jetzt schon würden sowieso mehr Skifahrer dieses Skigebiet boykottieren. Ob die 140 Millionen investiert werden oder nicht. Die Bürgermeister in den Tälern sind blind! Das Pitztal hat schon verloren. So oder so. Der Zug ist abgefahren. Eine 360-Grad-Kehrtwende ist jetzt unglaubwürdig.
Wer nur ein bisschen was übrig hat für Natur, der verzichtet auch auf mehr Wintertouristen.
Bitte den Steinbock im Logo des Pitztals ersetzen durch einen Liftmast!

valentin

Ein zerstörerischer Eingriff in diese wunderbare hochalpine Landschaft ist unverantwortlich! Wie kann man sich nur erdreisten, in der heutigen Zeit des Kimawandels ein Bauvorhaben zu planen, bei dem drei unberührte Gletscher verbaut und ein Berggrat abgesprengt werden soll? Der totale Verlust wertvollster alpiner Lebensräume wird einfach in Kauf genommen. Zugleich würde der Verkehr im Pitz- und Ötztal, der momentan am Wochenende und in den Ferien ja schon an seine Grenzen stößt, noch mehr zunehmen. Thema Energievergeudung: 2007 gab es europaweit 3000 Schneekanonen, jetzt laufen allein in Österreich 30000!
Und wenn ein Herr Bergführer Eiter nicht weiter denkt und meint, dieser Wahnsinn sei gerchtfertigt, weil er dann leichter seinen Lebensunterhalt sichern könnte, dann müßten z.B. auch alle Kohle- und Kernkraftwerke deshalb weiter in Betrieb bleiben, weil es Arbeitnehmer gibt, die ihr Einkommen von diesen beziehen.

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