Skitourengehen gilt als Königsdisziplin für "echte" Berggeher im Winter. Doch ohne Pistenskifahren dürfte sich kaum ein Tourengeher das fahrerische Können für Skitouren aneignen können. Und spätestens mit Kindern finden sich auch überzeugte Lift-Verweigerer schnell auf präparierten Hängen mit künstlicher Aufstiegshilfe und eventuell auch technischer Beschneiung wieder. Doch wie stehen die Alpenvereine zum Pistenfahren in Zeichen des Klimawandels und des Over-Tourism?

Einer Pressemeldung des Deutschen Alpenvereins zu Folge, fährt rund die Hälfte der Alpenvereinsmitglieder aktiv Ski. Entsprechend spielt das Pistenskifahren in den Ausbildungsangeboten der Sektionen eine wichtige Rolle auch im Hinblick auf die Vorbereitung für's Skibergsteigen.

Daher begrüßen die Alpenvereine den Erhalt und die Modernisierung von Skigebieten innerhalb der bestehenden Grenzen. 

Auch bezüglich der künstlichen Beschneiung von bestehenden Skigebieten beziehen die Alpenvereine eine moderate Position. Im Einzelfalle könne ein maßvoller Ausbau von maschineller Beschneiung sinvoll sein, fächendeckende und mit Millionenbeiträgen staatlicherseits geförderte neue Anlagen zur technischen Bescheiung lehne man aber ab. 

Klar sei vielmehr, dass sich Skigebiete in niedrigeren Lagen in Zeiten des Kimwandels touristisch neu orientieren müssten. 

Deutlich stellen sich die Alpenvereine "gegen den Wettlauf um immer mehr Pistenkilometer und immer größere Skigebiete und Zusammenschlüsse" und fordern einen "Erschließungsstopp für unerschlossene Geländekammern sowie einen umfassenden Gletscherschutz".

Im negativen Sinn beispielgebend ist für die Alpenvereine der geplante Zusammenschluss der Pitztaler und Ötztaler Gletscherskigebiete, der mit den neuen Pistenflächen, drei neuen Gondelbahnen und einem neuen Seilbahnzentrum eigentlich kein Zusammenschluss und keine sinnvolle Modernisierung bestehender Skigebiete sei, sondern eine Neuerschließung mit massiven Eingriffen in die hochsensible Hochgebirgs-Natur.

Dementsprechend drängten DAV und ÖAV darauf und beteiligten sich aktiv daran, dem Projekt im Umweltverträglichkeitsprüfungs-Verfahren im Januar 2020 eine Absage zu erteilen.

Neuerschließungen seien in Zeiten der Klimaerwärmung prinzipiell tabu, so die Haltung der Alpenvereine. 

Dass Protest gegen Neuerschließungen erfolgreich sein könnten, habe die Verhinderung der Skiliftpläne am Riedberger Horn gezeigt. Die Staatsregierung hatte nach lautstarken Protesten die für den Ausbau beschlossene Änderung am sogenannten Alpenplan zurückgenommen, die Pläne für die geplante Skischaukel wurden aufgegeben.

 

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Joris Mester auf Facebook

"Im Einzelfalle könne ein maßvoller Ausbau von maschineller Beschneiung sinvoll sein..." Von Einzelfällen kann aktuell keine Rede sein, wenn schon wieder am Tegernsee die Schneekanonen laufen (siehe Tegernsee webcams). Unter 1000 Meter!