Die ursprünglich geplante Rollglider-Anlage am "Wächter des Allgäus" wird nicht gebaut. Kommt Bewegung in den Streit um den geplanten Ausbau der touristischen Anlagen am Grünten?

Seit zwei Jahren ist das ehemalige Skigebiet an dem 1738 Meter hohen Berg stillgelegt, was naturverbundene Bergsportler begrüßen.

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Die Familie Hagenauer jedoch plant, mit der Realisierung des Projekts "Grünten BergWelt" viele Besucher anzulocken. Unter anderem mit einem Hüttenneubau, neuen Liftanlagen und einer Walderlebnisbahn sollte der Berg im Sommer wie im Winter für Touristen attraktiver gemacht werden.

Gegen die Pläne der Investoren regt sich seitdem starker Protest, der sich vor allem auch an der genannten Walderlebnisbahn entzündete, für die faktisch viele Bäume gefällt werden müssten und die symbolisch für das stand, was Gegner des Projekts am Grünten befürchteten: die "Disneylandisierung" des Berges. Geplant waren bis dato zwei Linien, an denen zahlende Besucher mit gemächlichen 15 oder mit adrenalinfördernden 60 km/h bergab hätten gleiten können.

Nun gab die Investoren-Familie bekannt, auf die Pläne für die Walderlebnisbahn verzichten zu wollen, da man "einer weiter fortschreitenden Polarisierung innerhalb der Bevölkerung entgegenwirken" wolle. Die letzten Monate hätten gezeigt, dass sich hauptsächlich an der geplanten Walderlebnisbahn die Geister scheiden, heißt es in einer Pressemitteilung.

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Gleichzeitig betonte man, an dem Projekt insgesamt festhalten zu wollen: "Es geht dabei nicht darum, die Pläne zu beerdigen, sondern diese anzupassen und zu realisieren“, wird Anja Hagenauer, Sprecherin der Familie, in der Pressemitteilung zitiert. "Wir wollen der örtlichen Bevölkerung und den Besuchern schon bald ein modernes, sicheres und umweltgerechtes Ski- sowie ein von Altlasten und Trampelpfaden befreites Wandergebiet präsentieren."

Ob die Entscheidung den Streit tatsächlich beenden kann? Zwar zeigten sich die Gegner des Projekts erfreut über das Aus für die Walderlebnisbahn, ließen aber wissen, dass weitere Kritikpunkte, etwa der Ausbau der technischen Beschneiung oder die zu hohen Beförderungskapazitäten der Gondel im Sommer bestehen blieben.

Zumindest aber scheint durch die Entscheidung der Investoren-Familie der Weg für einen Austausch zwischen Befürwortern und Kritikern des Projekts bereitet. "Ein weiterer Rummelplatz in den Bergen ist vorerst verhindert, damit wird von Seiten der Familie Hagenauer die Basis gelegt für weitere konstruktive Gespräche", sagte beispielsweise Christina Mader, Kreissprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Oberallgäu.

Übrigens: Die alten dieselgetriebenen Lifanlagen am Grünten werden diesen Winter erstmals seit 2017 wieder in Betrieb gehen. Der Start der Winter-Saison soll am 21.12. erfolgen.

Mehr Informationen:

gruentenlifte.de/gruenten-bergwelt

rettet-den-gruenten.de

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3 Kommentare

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Carsten Schymik auf Facebook

Skeptisch:" man will schmale Trampelpfade zerstören..."
Und dann? Alles breit und Kinderwagentauglich? Wer braucht denn so etwas?
Das Erlebnis Berg besteht doch im Wesentlichen aus schmalen naturbelassenen Wegen, nicht aus eben planietem 0815 wo man nichts Unvorhergesehenes erwarten kann

etna

@Rother Bua:
das nennt man Greenwashing. Dabei wird versucht ein umweltfreundliches Verhalten in den Vordergrund zu hieven um die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass das Vorhaben ja nur dem Naturschutz und der Umwelt dient. Und wer will schon zertrampelte Natur und wilde Wege mit Wurzeln über die der Seilbahnbenutzer beim Wandern stolpern könnte? Schliesslich werden ja ein vielfaches mehr an Besuchern erwartet als bisher ohne Bahn. Im Übrigen führen auf viele Gipfel ausschliesslich Pfade und da werden auch keine Wanderwege angelegt.

Wie glaubhaft das übergestülpte grüne Mäntelchen ist, sieht man ja daran, dass die alten dieselbetriebenen Lifte dieses Jahr nach 2 Jahren Stillstand wieder in Betrieb genommen werden. Sehr umweltfreundlich!

Genauso wie Beschneiungsanlagen, Liftstützen und Speicherteiche. Um die zu erschaffen muss erst einmal gebuddelt, planiert und zementiert werden. Da soll sich viel Grünes tun am Grünten.

Rother Bua

Was meinen die Betreiber eigentlich mit dem Ausdruck "von Trampelpfaden befreites Wandergebiet"? Sollen Trails und Bergpfade allesamt zu langweiligen, meterbreiten Hatschwegen ausgebaut werden? Oder verstehe ich was falsch? Weiß da jemand mehr?