Die österreichische Journalistin Manuela Mayer über die derzeitige Stimmungslage im beliebten Wintersportort St. Anton am Arlberg.

Hat St. Anton am Arlberg ein Problem mit "ungebetenen Party-Gästen", die sich keine Sekunde um geltende Corona-Regelungen scheren?

Wer in den vergangenen Tagen die österreichische Presse verfolgt hat, konnte leicht diesen Eindruck gewinnen. In zahlreichen Online- wie Printmedien wurde berichtet, dass der beliebte Skiort in den Tiroler Alpen derzeit von Heerscharen sogenannter "Ski-Bums", hauptsächlich aus Skandinavien und England, bevölkert wird. 

Ein Bild aus besseren Tagen, zumindest für alle Freunde des Après-Ski: Der Mooserwirt in St. Anton am Arlberg. 

| © Imago/Westend61

Als "Ski-Bums" werden junge Leute bezeichnet, die sich für mehrere Wochen oder gar Monate in einer Region aufhalten, um dort ihre Zeit mit Ski- oder Snowboardfahren, vor allem aber mit Partymachen zu verbringen. Finanziert wird dieses Vergnügen in der Regel durch Jobs in der lokalen Tourismusbranche.

Doch in Zeiten von Lockdown, Beherbergungsverboten und geschlossenen Gastronomiebetrieben gäbe es vor Ort gar keinen Bedarf für die hippen Skivagabunden aus dem Ausland, ist Helmut Mall überzeugt. 

Unter dem "Deckmantel der Arbeitssuche", so der Bürgermeister von St. Anton, würden sie aber trotzdem zu Hunderten anreisen...bleiben und feiern. Dies sei unter den derzeitigen Umständen ein großes Problem für den Ort.

"Der Rest der Bevölkerung muss wegen der Pandemie zu Hause bleiben und andere reisen zum Skifahren an. Wir sind mit der ganzen Entwicklung nicht zufrieden. Zum Schutz unseres Dorfes soll es ein Aufschrei sein. Die Exekutive und die Behörden müssen kontrollieren", so Mall auf meinbezirk.at.

Keine Menschenseele weit und breit: Piste im Skigebiet St. Anton.

| © Manuela Mayer

Die österreichische Journalistin Manuela Mayer zeichnet folgendes Stimmungsbild: 

Ich kenne St. Anton am Arlberg nur als extrem lebendigen Skiort, der gerade in den Wintermonaten voller Energie vibriert. Wo sich Apres Ski und Skivergnügen vereinen und man nach dem "Weißen Rausch" noch im legendären Mooserwirt zu kultigen Songs shaken kann. Davon ist heuer im 3. Lockdown nichts mehr zu spüren. 

Kassenbereich

Andrang sieht anders aus...

| © Manuela Mayer

Der Ort ist leer und die Pisten ebenso. Man trifft vielleicht auf ein paar vereinzelte Einheimische und komischer Weise auch auf kleine Gruppen von Schweden oder Engländern. Warum die hier sind weiß ich jedoch nicht.

Mit Maske unterwegs: unsere Autorin Manuela Mayer.

| © Manuela Mayer

Denn Jobs gibt es so gut wie keine. Alle Hotels und Restaurants sind geschlossen. Nur ein Hotel und eine Pension in St. Jakob haben für Geschäftsreisende geöffnet. Und wenige Hotels bieten Take away Menüs an.

Es ist, als ob St. Anton wie eine wunderschöne Prinzessin schlafen würde. Alle Skifanatiker hoffen, dass es bald wachgeküsst wird. Doch die Hoffnung ist nicht sehr groß.

Vor allem unter den Einheimischen herrscht eine Art Unruhe. Das ewige Warten macht die meist arbeitslosen Bürger unrund. Sie wollen wissen wann es endlich wieder weitergeht. Mit ihrem gewohnten Alltag. Mit ihren Jobs. Mit ihrem Leben.

Doch das weiß keiner. Ein Lockdown wird nach dem anderen verlängert und eine Gewissheit über die Zukunft gibt es nicht.

Ist Schneewittchen tot? Kann man es retten? Das hoffe und glaube ich. Denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Text von Manuela Mayer

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