Probleme mit der Abfahrt bei Skitouren? Mit unseren Tipps kommst du vom Gipfel wieder sicher ins Tal.

Der Grundstein für eine verletzungsfreie und genussreiche Abfahrt wird schon im Aufstieg gelegt. Wer völlig erschöpft am Gipfel ankommt, riskiert Stürze und Verletzungen auf dem Weg ins Tal. Ganz zu schweigen davon, dass der Spaß auch auf der Strecke bleibt.

Nach dem Aufstieg könnte eine sinnvolle Reihenfolge so aussehen: Ist man sehr verschwitzt und friert schnell, kümmert man sich zunächst um den Wärmehaushalt. Wechselwäsche, Isolationsjacke und eventuell die Hardshell drüber sorgen für geringen Temperaturverlust. Ist es kalt und windig, sucht manzuvor noch einen möglichst windgeschützten Platz. Nichts ist schlimmer als durchgefroren die Abfahrt anzutreten.

Der nächste Schritt ist das Herrichten der Ausrüstung. Besonderes Augenmerk gilt hier den Fellen. Es ist meist sinnvoll, sie sofort von den Ski abzuziehen. Denn ist es kalt, könnten die Felle vereisen und sich dann deutlich schwerer ablösen lassen. Außerdem bleiben sonst eventuell Eisränder auf dem Belag, die man mühsam abkratzen muss. Vor dem Zusammenfalten kommt dann die Schutzfolie auf die Klebeseite.

Damit einem diese oder sogar das Fell nicht bei starkem Wind aus den Händen gerissen wird, macht man diese Prozedur am besten zu zweit. Dann ab mit den Fellen in den Aufbewahrungssack und rein in den Rucksack. Bei Wind lässt man keine Ausrüstung herumliegen. Alles, was wegfliegen kann, muss gesichert werden. Zieht man Handschuhe aus, steckt man sie in die Brusttasche oder zwischen Jacke und Hemd. Außerdem bleiben sie dort warm.

Die Ski rammt man am besten mit den Enden tief in den Schnee, wobei man darauf achten sollte, sie nicht zu fest auf eisigen Untergrund oder bei wenig Schneeauflage auf verborgene Steine zu stoßen. Geht das nicht, legt man sie mit der Bindungsseite nach unten hin, drückt sie fest und setzt sich darauf. Auch die Stöcke sollte man besser hinlegen. Ist es frühlingshaft und warm, zieht man die Felle ebenfalls gleich ab, damit sich der Kleber nicht auf dem Skibelag festsetzen kann. Das passiert mittlerweile selten, ist aber für die Abfahrtsperformance der Ski eine Katastrophe.

Wer die Felle gleich trocknen will, hängt sie zusammengefaltet an die Skispitzen. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn man sie bei Durchquerungen oder Touren mit längeren Gegenanstiegen am gleichen Tag noch einmal braucht.

Ganz wichtig ist es, die Bindung VOR dem Abziehen der Felle in den Abfahrtsmodus umzustellen und die Skistopper zu aktivieren. Denn ohne Fell gibt es nichts mehr, was die Ski daran hindern kann, eigenständig den Weg ins Tal anzutreten. Klingt lustig, aber passiert immer wieder und ist tatsächlich richtig gefährlich. Denn den Hang herabschießende Ski sind für alle weiter unten Stehenden oder Gehenden eine echte Gefahr. Zudem muss ihr Besitzer den Rückweg dann zu Fußbewältigen, was enorm anstrengend ist, viel Zeit braucht und bei großen Touren sogar dazu führen kann, dass der Betreffende sich von der Bergrettung ausfliegen lassen muss.

So vorbereitet kann man sich entspannt die nötige Pause gönnen. Kurz vor der Abfahrt werden schließlich die Skischuhe geschlossen. Kleiner Tipp: Wer empfindliche Füße hat, startet mit nicht ganz "zugeknallten" Schuhen. So verhindert man schmerzende Füße. Schon nach wenigen Abfahrtsmetern haben sich die Füße an die Einstellung gewöhnt und man kann etwas fester nachjustieren. Nicht vergessen: Auch die Einstellung am Schuh-Heck sollte man in den Abfahrtsmodus bringen, sonst bieten die Schuhe hinten weniger Halt.

Einstellen der Bindung

Es klingt banal, gestaltet sich aber bisweilen schwierig: das Einsteigen in die Bindung. Wohl dem, der sofort nach der Ankunft die Bindungen von Eis und Schnee befreit hat. Zunächst steigt man in den Talski, den man möglichst waagerecht im Schnee positioniert. Achtung: Die Skistopper sollten Grip haben, sonst ist auch hier der Ski schnell weg. Gerade bei Pin-Bindungen tut man sich mit schräg aufliegenden Ski schwer

Ist das Gelände steil oder der Boden sehr hart, lässt man sich von einem Partner helfen. Steht man auch im Bergski, werden noch die Stöcke auf die richtige Abfahrtslänge eingestellt und nach einem letzten Blick in die Runde, ob man wirklich alles eingepackt hat, geht es los. Ein Tipp für abgeblasenes Steilgelände im Gipfelbereich: Hat man nicht schon unterhalb Skidepot gemacht, behilft man sich mit Seitrutschen über die ersten harten Meter. Dabei kann man durch Vor- und Zurücklehnen gut die Richtung bestimmen. Das sieht zwar uncool aus, ist aber sicher und kontrolliert! 

Der Genuss auf der Abfahrt steht immer im direkten Zusammenhang mit der Schneequalität. Von staubendem Pulverschnee bis zu Plattenpulver, Bruchharsch oder nassem Schnee reicht die Skala in den Alpen. Mit der richtigen Technik lässt sich auch "schweres Geläuf" bewältigen. Dabei ist die Lage des Körpers über den Ski essentiell: Der Schwerpunkt sollte ungefähr über der Bindung liegen und das Gewicht gleichmäßig auf beide Füße verteilt sein. Wobei man die Lage des Körpers über den Ski ständig der Neigung des Geländes anpasst.

Die richtige Fahrtechnik bei der Abfahrt

Je schwieriger die Schneebedingungen sind, desto enger sollten die Füße beieinander geführt werden. Im Bruchharsch oder tiefem, schweren Schnee sollten sich die Skischuhe sogar berühren. So muss man weniger Schnee verdrängen und bekommt mehr Auftrieb. Während man auf der Piste relativ kraftlos Kurven fahren kann, braucht es im Gelände wesentlich mehr "Schmalz". 

Denn die für das Drehen der Ski notwendige entlastende Aufwärtsbewegung aus den Beinen heraus kostet Kraft. Gerade bei Gruppen, deren Mitglieder unterschiedlich stark sind, sollte man daher auf regelmäßige Pausen für die Schwächsten achten. Es gibt Situationen, bei denen Schwingen (fast) nicht mehr möglich ist. Dann wird der Hang gequert und am Ende der Querung eine Spitzkehre talwärts gemacht. 

Eine Technik, die jeder Tourengeher beherrschen sollte. Bei vielen Tagestouren sind die Hänge meist schon durch die Tourengeher der Vortage verspurt. Da locken die unberührten Bereiche links und rechts der Hauptspuren. Bevor man jedoch dorthin quert, ist die Lawinensituation zu beachten. Schon wenige Meter neben den Hauptspuren kann alles anders sein. Aufpassen muss man auch auf verdeckte, knapp unter der Oberfläche liegende Felsen. Ein Sturz durch oder auf sie kann zu erheblichen Verletzungen führen.

Manche Tour endet auf langen, flachen Ziehwegen. Wer dann noch genug Power hat, verlängert seine Stöcke und skatet mit leicht geöffneten oberen Schnallen weiter. Gibt es einen Gegenanstieg, kann es aber viel entspannter sein, noch einmal anzufellen. Dann kommt man nämlich nicht völlig ausgepowert zurück ins Tal.

Alles dabei für die Tagestour? Klickt euch durch unsere Packliste für Skitouren:

Text von Johannes Wessel