Auch leichte Wanderungen können schnell zu ernsthaften Unternehmungen werden, wenn steile Schneefelder zu queren sind und Ausrüstung und Know-how nicht stimmen. Wir sagen euch, wie ihr sicher unterwegs seid, wenn die Altlasten des Winters bewältigt werden müssen.

Schneefelder erschweren dem Bergwanderer immer wieder das Weiterkommen. In schattigen Flanken und steilen Karen und Rinnen hält sich der Schnee bis lange in den Frühsommer. Besonders nach diesem sehr schneereichen Winter werden viele Bergsportler noch lange auf Schnee stoßen.

Grund genug, sich Gedanken darüber zu machen, wie man diese Schneefelder am besten begeht. Oftmals mag ein Ausrutscher harmlos sein, öfter als man denkt, ist das jedoch gefährlich – oder gar lebensbedrohlich. Daher möchten wir euch zeigen, wie man es anstellt, dass man erst gar nicht ausrutscht.

Auch kleine Schneeflächen können im steilen Gelände und ohne die entsprechende Ausrüstung schnell zum großen Problem werden.

Auch kleine Schneeflächen können im steilen Gelände und ohne die entsprechende Ausrüstung schnell zum großen Problem werden.

| © ÖAV / Peter Plattner

Das Wichtigste ist geeignetes Schuhwerk. Bergschuhe mit festen Sohlen erleichtern ein aktives Einsetzen des Sohlenrandes oder, wenn man in Falllinie aufsteigt, der Fußspitze. Ist man mit weichen "Latschen" unterwegs, ist das nicht möglich. Im Frühjahr also immer lieber zum festeren Schuh greifen. Optimal ist es natürlich, wenn man Steigeisen oder Grödel dabei hat.

Dummerweise kommen die Schneefelder auf der Wanderung aber immer genauso überraschend wie Weihnachten. Also liegen die Steigeisen im Keller oder im Auto. Sind die Schneefelder noch hart gefroren (morgens), kann man mit einem leichten Schwung aus dem Knie halbmondförmige Tritte platzieren.

Wichtig ist dabei, dass die Trittfläche in etwa horizontal verläuft oder vielleicht ein klein wenig zum Berg geneigt ist. Fällt sie nach außen ab, läuft man Gefahr abzurutschen. Ist sie zu stark nach innen geneigt, kann der Tritt wegbrechen. Schafft man mit einem einzigen Tritt keine Fläche, auf die man sich draufzusteigen traut (oder die nachfolgenden Personen!), muss man den Vorgang wiederholen, bis die Trittfläche groß genug ist.

In diesem Fall kommt man nicht sonderlich schnell voran und sollte lange Schneefelder meiden. Ist der Schnee hart gefroren, kann man sich in mäßig steilem Gelände (unter 30 Grad) gut fortbewegen.

Queren von Altschneefelder: Vorsicht auch bei flachen Hängen!

Michael Larcher, Bergführer und Leiter der Bergsport-Abteilung im Österreichischen Alpenverein (ÖAV) warnt auch bei mäßig steilem Gelände zu erhöhter Vorsicht:

"Dass bereits flache Hänge mit einer Neigung von 30 Grad ein Absturzrisiko bergen können, ist sehr vielen Berggehern nicht bewusst. Optisch laden die Schneefelder zum sorglosen Überqueren ein - aber wenn man ausrutscht, kann man kaum mehr bremsen."

Wird es steiler, muss man Steigeisen und/ oder Pickel dabei haben, am besten beides. Für die kurze Querung eines Schneefeldes reicht vielleicht ein Eispickel, um Stufen zu schlagen.

Für eine längere Strecke hält man das nicht lange durch. Die Routenwahl muss dann angepasst werden. Gibt es keine Alternativen, muss man auch mal umkehren. Beim Einsatz des Pickels (egal ob mit oder ohne Steigeisen) sollte man darauf achten, einen Rhythmus zu finden. 

Schritt – Schritt – Pickel setzen, Schritt – Schritt – Pickel setzen. Denn nur so kann man sich auf seine jeweilige Tätigkeit auch konzentrieren. Natürlich ist man dann langsamer als wenn man den Pickel während des Gehens neu setzt.

Aber man ist auch sicherer unterwegs und kann den Pickel bewusst einsetzen. Hat man ein Seil dabei, kann man zumindest kürzere Passagen mittels Geländerseil absichern. Das ist vor allem dann ratsam, wenn schwächere Teilnehmer in einer Gruppe dabei sind. Hier reicht meist ein Seil, das die Personen in die Hand nehmen, man muss sich nicht mit dem Gurt einhängen.

Wichtig sind solide Verankerungen auf beiden Seiten des Fixseils. Man sollte das Thema Begehen von Schneefeldern nicht unterschätzen. Schaut man sich die Unfallstatistik der Bergwacht an, wird schnell klar: Ausrutschen auf Schneefeldern ist einer der häufigsten Einsatzgründe, vor allem im Frühjahr.

Queren von Altschneefeldern: Was tun im Fall eines Sturzes?

Generell sollten Bergsteiger und Wanderer vor dem Queren eines Schneefeldes Handschuhe anziehen. Die Kristallstruktur von Altschnee und Sommerfirn ist sehr scharfkantig und führt schnell zu schmerzhaften Verletzungen an den Händen.

Bei einem Ausrutscher gilt es, sich sofort in die Bauchlage zu drehen und mit den abgespreizten Armen und Beinen zu bremsen, noch bevor die Geschwindigkeit so groß ist, dass sie nicht mehr kontrolliert werden kann.

Stöcke können zwar eine Hilfe sein, das Gleichgewicht zu halten, sicher begehbar werden Altschneefelder dadurch allerdings nicht. Die adäquate Ausrüstung wären Steigeisen und Pickel, aber die gehören normalerweise nicht zur Ausrüstung von Bergwanderern. Und natürlich müsste zuerst der richtige Umgang mit diesen Ausrüstungsgegenständen geübt werden", erklärt Larcher.

Richtig bremsen bei Sturz auf Altschneefeld

Bei einem Ausrutscher ist es wichtig, sich sofort in die Bauchlage zu drehen und in der Liegestützposition mit Armen und Beinen zu bremsen.

| © ÖAV

Der Bergsportexperte weiter: "Grundsätzlich sollte vor dem Betreten eines Schnee- oder Firnfeldes immer die Warnlampe aufleuchten. Ein Wanderweg, der in ein steiles Altschneefeld mündet, kann Grund genug sein, eine Tour abzubrechen."

Spikes erhöhen Sicherheit auf Altschneefeldern

Eine durchaus interessante Ausrüstungsalternative für Wanderer sind laut Michael Larcher "Spikes" aus gehärtetem Edelstahl. Ihr Vorteil gegenüber Leichtsteigeisen und "Grödeln" besteht darin, dass sie äußerst leicht sind, in Sekundenschnelle über "wie Schneeketten über jeden Wanderschuh" gezogen werden können, ein geringes Packmaß besitzen und verhältnismäßig günstig sind.

Die Spikes von Snowline, wie etwa das Modell "Chainsen Trail", sind wie Kleinsteigeisen, lassen sich schnell und problemlos auf alle Schuhe montieren und erhöhen den Grip auf Schneefeldern. Sie sind klein verpackbar, leicht (unter 400 g) und auch preislich erschwinglich.

Für Bergsteiger und Wanderer, die gerne im Frühjahr unterwegs sind, ist das eine gute Alternative zu Grödeln oder Leichtsteigeisen. Natürlich ersetzen sie aber nie ein echtes Steigeisen, wenn das nötig ist.

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Text von Olaf Perwitzschky

2 Kommentare

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Helmut

Gewiss sind diese Spikes eine Möglichkeit, aber sind sie auch eine Sichere ?
Mit diesen Spikes (Schneeketten) Tritte / Stufen beim Queren eines Schneefeldes mit Gefälle zu setzen, sehe ich eher etwas kritisch.
Da diese ' Schneeketten ' über die ganze Sohle gehen, kann ich ich mir nicht so recht vorstellen, wie man damit Tritte einschlagen kann, ohne das die Schneeketten womöglich verrutschen, bzw. je nach Schneebeschaffenheit das Einschlagen erschweren.
Möglicherweise sind die älteren Grödel, wie z.B. von Salewa mit mittleren 4 Zacken in der Mitte des Schuhes stabiler, da sie voreingestellt auf die Breite des Schuhes fest verschraubt eingestellt sind und der vordere Bereich des Schuhes gut und ohne Widerstand für das Einschlagen von Tritten verwendet werden kann.
Diese Grödel sind zudem nach Hinten am Absatz/Kante des Bergschuhes quasi gegen verrutschen sicher.
Mit dem Kreuzriemen lassen sie sich auch schnell über den Bergschuh befestigen.
Ich hatte solche Grödel immer mit auf Wanderungen in den Alpen, man braucht sie auch beim Queren in abfallendem Gelände (Regen) etc.
Diese ' neuen' Schneeketten sind bequem u. schnell anzuziehen, meiner Ansicht nach spielen sie ihre Stärke aber eher auf Gelände ohne Gefälle aus.

Deshalb erst mal testen, bevor man sich auf solche Schneeketten im anfallenden Gelände verlässt.
Grüsse

t-kress

Ich finde das Foto witzig.
Scheinbar müssen sich die Gemsen erst vergewissern, dass die Fußspur hält ;-)