Mit ein paar Tricks ist es gar nicht so schwierig, sich auf ausgesetzten Klettersteigen wohlzufühlen. Wir sagen euch, wie ihr es schafft, auch schwierige Stellen sicher zu durchsteigen.

Klettersteige flößen vielen Bergsportlern ordentlich Respekt ein, hat man doch oft ganz schön viel Luft unter den Sohlen. Aber Klettersteigebieten vielen Aktiven eine Möglichkeit, sich mit überschaubarem Aufwand in die Senkrechte zu begeben. 

Nicht nur im Klettersteig: Höhe ist gleich Angst

Das menschliche Hirn sagt seinem Träger, dass es gefährlich ist, wenn man mehr als drei Meter Luft unter sich hat. Dieser Respekt vor der Höhe ist natürlich und bei manchen Menschen mehr, bei anderen weniger ausgeprägt. Daher müssen wir unserem Gehirn beibringen, dass die Höhe nicht gefährlich ist. Sprich: Wir müssen Vertrauen in das Material schaffen. Denn der Gurt und das Klettersteigse tbewahren uns davor abzustürzen.

Das weiß unser Hirn aber noch nicht. Je öfter man sich also in den Gurt reinsetzt und die Sicherungskette (spielerisch) belastet, umso schneller lernen wir, dass das Zeug, das wir damit uns herumtragen, auch hält. Und Grundvertrauen in das Material ist notwendig, um stressfrei einen Klettersteig zu bewältigen. 

Für solche Hängeübungen eignen sich anfangs Passagen, an denen ein Klettersteig nicht sonderlich ausgesetzt ist. Das kann beispielsweise kurz nach dem Einstieg sein oder an flachen Zwischenstücken. Auch kurze Übungsklettersteige sind dafür ideal. Erst belastet ihr die "Arme" eures Sets ganz langsam. Hängt man einmal drin, kann man zum Beispiel etwas wippen. Auch kleine "Rutscher" sollte man mal antesten. 

Wenn man damit keine Probleme hat, folgt die Steigerung. Die "Arme" des Klettersteigsets werden an exponierten Passagen langsam belastet. Die Königsdisziplin ist natürlich das Hängen an Brücken. Wer sich hier "unbeschwert" in sein Set setzt, sollte auf Klettersteigen vom Kopf her keine Probleme mehr haben.

Notwendig für den Klettersteig: Vertrauen ins Material

Voraussetzung, um all dies zu tun, ist aber das richtige Material. Ein modernes Klettersteigset hat heute einen Bandfalldämpfer und zwei (elastische) Arme mit Karabinern dran. Die Verbindung des Klettersteigsets mit dem Gurt geschieht mittels eines sogenannten Ankerstichs.

Diese Verbindung ist zuverlässig, kann in jede Richtung belastet werden und ist sehr variabel. Der Ankerstich wird direkt in die Einbindeschlaufe des Klettergurts gemacht. Auch wenn es mitunter andere Techniken gibt und man viele Varianten sieht: Das sicherste und einfachste ist die Einbindeschlaufe! Ein "no go" ist das Einbinden mit einem Karabiner.

Die Fortbewegung auf einem Klettersteig ist eine Mischung aus Steigen, Klettern und gehen. Man sollte, wann immer das möglich ist, die Hubarbeit aus den Beinen bewerkstelligen. Die Beine sind deutlich stärker als die Arme, wir haben nur weniger Gefühl in den Füßen (mit den Schuhen dran) als in den Händen. Und daher neigt man gern dazu, mehr mit den Armen zuziehen als mit den Füßen zu steigen. Doch die Kraft der Arme ist im steilen Gelände endlich …

Wichtig beim Klettersteiggehen: Kraftsparend klettern

Womit wir beim nächsten wichtigen Punkt sind. Sich an einem gebeugten Arm zu halten, braucht viel mehr Kraft als an einem gestreckten Arm. Ergo: Wir versuchen so lange und sooft es geht, die Arme "lang" zu halten. Das ist besonders beim Umklippen der Karabiner des Klettersteigsets wichtig, weil wir da eine längere Zeit an einer Stelle verharren. Wenn die Arme mal ganz dick werden, ist eine Option, sich mit der Beuge des Ellenbogens an einem Stahlbügel oder auch an dem Drahtseil "einzuhängen".

Hier sollte man aber keinen falschen Ehrgeiz entwickeln. Sich in sein Set zu hängen oder in die Rastschlinge seines Klettersteigsets, ist keine Schande. Das sollte man vor allem dann tun, wenn man sieht, dass schwierige Passagen vor einem liegen und man schon etwas schwere Arme hat. Vor solchen Stellen ist es immer gut, nochmal Kraft zu tanken, tief durchzuatmen und ggf. auch eine Kleinigkeit zu essen. 

Danach geht es voller Elan in die Schlüsselstelle des Klettersteigs, die man dann aber auch zügig durchsteigen sollte. Denn diese Stellen sind meist steil und langes Herumtrödeln kostet nur Kraft. Hat man die schwierigen Passagen hinter sich, kann man wieder rasten. Wie herum man die beiden Karabiner seines Klettersteigsets einhängt, ist vollkommen egal.

Auch hier hört man immer wieder, dass es wichtig sei, sie gegengleich einzuklinken. Das ist absolut überflüssig. Denn der zweite Karabiner ist ja schon die Redundanz zum ersten Karabiner. Und moderne Klettersteigkarabiner haben eine Verschlusssicherung. Da spielt es keine Rolle, ob die Karabiner parallel oder gegengleich eingehängt werden.

Die Tücken auf Brücken

Ein paar Tricks sind dann aber doch beim Klinken zu beachten, besonders bei speziellen Elementen auf Klettersteigen wie Brücken oder Leitern. Die meisten Brücken haben (mindestens) drei Seile. Eines unten für die Füße, je eines oben rechts und links. Bei solchen Brücken ist es wichtig, je einen Arm rechts und links einzuhängen. 

Hängt man nämlich beide Arme des Sets in dasselbe Seil und stürzt, baumelt man weg vom mittleren Drahtseil und hat ggf. Mühe wieder an die richtige Position zu kommen. 

Besonders auf älteren Steigen haben Leitern oft kein Drahtseil, welches parallel läuft. Entweder man hängt dann seine Karabiner in die festen Geländer (wenn das vom Durchmesser geht), oder aber man klippt immer einzelne Stufen.

Mehr Berg-Videos findet ihr in unserem YouTube-Kanal. <a href="https://www.youtube.com/c/ALPINDasBergmagazin?sub_confirmation=1" rel="nofollow" target="_blank"><strong><em>Hier könnt ihr den Kanal ansehen und abonnieren.</em></strong></a>

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Das dauert zwar etwas, ist aber noch immer besser, als den "Flattermann" zu bekommen. Die häufigsten Einsätze der Bergwacht auf Klettersteigen sind Blockaden. Also Momente, in denen sich Klettersteiggeher nicht mehr vor oder zurück trauen. Panik kommt auf. In solchen Situationen heißt es Ruhe bewahren.

Wie war das noch gleich mit dem "sich reinsetzen"? Also langsam das Set belasten und tiiiiief durchatmen. Wer eine vorbereitete Rastschlinge hat, nimmt natürlich die. Panik vergeht, die Zeit sollte man sich geben. Denn es ist nicht garantiert, dass die Bergretter so fesch sind wiedie im Fernsehen.

Text von Olaf Perwitzschky

8 Kommentare

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Stefan auf Facebook

ich hab angefangen zu klettern (also ohne Drahtseil) weil ich meine Höhenangst bekämpfen wollte. Ich hatte Erfolg. Man wächst nur, wenn man macht, was man noch nicht kann!

ALPIN-Redaktion

Wir empfehlen deshalb ja auch mit einfachen Steigen anzufangen, um dort Erfahrungen zu sammeln. Lieber an einem einfachen Steig (an der Grenze zwischen seilversichertem Steig und Klettersteig) wie dem Brünnstein, Ettaler Mandl, Mittenwalder Höhenweg oder einfache talnahen Steigen wie z.B. Zahmer Gams und Gams Kitz Klettersteig in Weißbach bei Lofer oder der dem Oberlandsteig im Altmühltal testen, ob man sich überhaupt ausgesetztem Gelände wohlfühlt und dann langsam steigern.

Jaci auf Facebook

genau so ist es! Diese Erfahrung habe ich gemacht. Bin den Klettersteig schäferwand in Tschechien hoch. Dort Panik bekommen, Bin aber auch der Kämpfer Typ und habe mir gesagt reiss dich zusammen du wolltest das hier also Steig jetzt hoch. oben angekommen hab ich mich erst mal erholt und bin die gleiche Tour noch gleich zweimal hinterher gestiegen. Seitdem mache ich alle Klettersteige von A bis C und verspüre keinerlei Angst mehr.

ALPIN-Redaktion

Nicht jeder Wanderer muss jetzt zum Klettersteiggeher mutieren. Es geht in unserem Beitrag aber auch genau darum, eben solche Blockaden zu vermeiden, Klettersteiggeher zu sensibilisieren, aber auch Methoden für die Weiterentwicklung zu bieten.

Michael auf Facebook

Da kann ich dir nicht zustimmen. Denn das würde bedeuten, dass ich nämlich niemals Klettersteige, schwerere Touren oder sonstiges hätte machen können/dürfen. Ich habe mit meinen ersten Klettersteigen gezielt meine Höhenangst herausgefordert!
Der Trick dabei ist, das man mit jemanden unterwegs ist, der Stärker ist und meine Psyche genau kennt.

Tanja auf Facebook

Wieso Tricks?
Ich bin der Meinung, dass man da Nichts zu suchen hat, wenn man Angst hat.
Und dann bleiben die Leute hängen und die Bergwacht muss ausrücken.

Olaf Perwitzschky (ALPIN-Testchef)

@Christoph: Auf einer Brücke auf Klettersteigen droht keine echte Sturzgefahr. Was da passiert, wenn Sie stürzen sollten, ist aus energetischer Sicht harmlos ( aber für einen persönlich ganz sicher sehr beängstigend). In den allermeisten Fällen wird das Klettersteigset nichtmal ansatzweise Auslösen. Und selbst wenn: Die Vernähungen laufen am Beginn des Aufreißdämpfers zusammen. Der reißt deswegen trotzdem auf, wenn er muss sprich wenn der Krafteintrag groß genug ist. Das einzige, was passieren könnte ist, dass er etwas früher aufreißt, weil die Naht ja schon "vorgespreizt" ist. Das wäre aber aus Sicherheitsgründen absolut unbedenklich.

Christoph

Ist die Empfehlung bei einer Brücke mit zwei parallelen Geländerseilen je einen Arm des Klettersteigsets rechts und links einzuhängen durch die Anleitungen der Hersteller von Klettersteigsets überhaupt erlaubt?
Meine Bedenken: Besonders wenn die Geländerseile weit auseinander liegen kann es auch ohne Sturz nur durch das Körpergewicht aufgrund der Kräfteverteilung zu hohen Belastungen auf die Venähung der arme kommen.