Sicherheit am Berg

Richtige Planung und Ausrüstung für den Klettersteig

Klettersteige sind in den letzten Jahren sehr beliebt geworden. Mit dem Nebeneffekt, dass man selten alleine unterwegs ist. Das sollte man auch bei der Planung bedenken.

Richtige Planung und Ausrüstung für den Klettersteig
© Picture Alliance

Klettersteig: Problemfaktor Mensch

Die Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache: Der häufigste Grund für Bergrettungseinsätze auf Klettersteigen sind Blockaden. Also Situationen, in denen Betroffene weder vorwärts noch rückwärts kommen und sich nicht mehr trauen, irgendeine Bewegung zu machen.

Ein typisches Beispiel: der Klettersteig am Tegelberg in den Sommerferien. Es sind viele Leute unterwegs, ein langer Bandwurm wälzt sich über den Klettersteig nach oben. Aus den erdigen Zwischenstücken des Steiges trägt sich Schmutz immer wieder weit in die felsigen Bereiche hinein, besonders bei so vielen Leuten. Das hat zur Folge, dass viele Tritte recht rutschig sind.

Unerfahrene Geher trauen sich oftmals nicht mehr auf den Füßen zu stehen. Aber nur an den Armen hängend kommt man nicht weit. Und so ist es eine reine Frage der Zeit, bis Angela (Name geändert) nicht mehr kann. Panik kommt auf, sie traut sich nicht mehr weiter. Glücklicherweise sind zwei Bergführer in der Nähe, die sie beruhigen und weiterhelfen. Sonst hätte die Bergwacht ausrücken müssen. Mit einer sorgfältigen Planung und einer richtigen Selbsteinschätzung hätte es so weit nicht kommen brauchen.

<p>Längster Klettersteig im Salzburger Land: Der Königsjodler</p>

Längster Klettersteig im Salzburger Land: Der Königsjodler

Problemfaktor: Stau am Klettersteig

Wer heutzutage auf Klettersteigen unterwegs ist, muss damit rechnen, dass er nicht alleine ist. Kommen noch stabiles Wetter, ein kurzer Zustieg und ein "spannender" Steig dazu, muss man einkalkulieren, dass viele Leute unterwegs sind, insbesondere an Wochenend- oder Feiertagen.

 Das muss man bei seiner Planung und Auswahl berücksichtigen. Ständiges "Drängeln" von schnelleren Gehern lässt die eigenen Kräfte schnell schwinden. Wer den Schwierigkeitsgrad (mehr zum Thema Schwierigkeitsgrad am Klettersteig finden Sie hier ) nicht absolut sicher drauf hat, sollte an solchen Tagen besonders defensiv planen. 

Aber natürlich muss man nicht nur andere Klettersteiggeher in seiner Tourenplanung berücksichtigen. Die üblichen Planungsaspekte gehören selbstverständlich nach wie vor zur Grundlage.

Kriterien zur Planung einer Klettersteigtour

  • Schwierigkeit: Wie schwer ist der Klettersteig? Ggf. mit Kommentaren in einschlägigen Foren vergleichen. (mehr zum Thema Schwierigkeitsgrad am Klettersteig finden Sie hier)

  • Länge: Wie lang ist der Klettersteig, besonders in Kombination mit der Schwierigkeit?

  • Ausgesetztheit: Ist der Klettersteig (oder Passagen) extrem ausgesetzt? Das "zehrt" deutlich mehr an den Nerven als wenig exponierte Steige, besonders wenn man müde wird.

  • Länge des Zustiegs: Wie lange braucht man für den Zustieg und wie erschöpft kommt man am Einstieg an?

  • Länge des Abstiegs: Endet der Klettersteig in der Nähe einer Bahn oder muss man ggf. noch zwei Stunden durch alpines Gelände absteigen (Reserven!)?

  • Exposition: Wird es kalt (Schatten) oder eher warm (Südseite)? Je nach Tagestemperatur und Jahreszeit kann beides Vorteile- bzw. Nachteile haben.

  • Jahreszeit: Lange, schwierige Klettersteige in Südexposition im Sommer können zur Hölle werden. Wann dann früh aufstehen.

  • Wetter: Wie ist das zu erwartende Wetter? Bleibt es stabil, herrscht Gewitterneigung? (mehr zum Thema aktuelles Wetter finden Sie hier)

  • Alter des Klettersteigs: Welche Sicherungseinrichtungen kann man erwarten? Neuere Steige sind deutlich besser abgesichert.

<p>Am Pidinger Klettersteig</p>

Am Pidinger Klettersteig

© Andreas Strauß

Unterwegs am Klettersteig: Weitere Überlegungen

  • Zu erwartender Betrieb (Wochentag etc.): Ein schönes Wochenende in den Ferien an einem relativ neuen Klettersteig in Talnähe? Stellen Sie sich auf (sehr) viele Leute ein.

  • Wetter der letzten Tage: Ist es eher matschig/rutschig oder trocken/staubig?

Betrachtet man sich diese Aspekte, wird schnell klar, dass es nicht damit getan ist, sich nur den Schwierigkeitsgrad des Klettersteigs anzusehen. Wer sich genügend Puffer einbaut, ist schlussendlich sicherer und genussvoller unterwegs und wird nicht bald wieder das "Handtuch werfen", weil er keinen Spaß hat.

Klettersteig: Die richtige Ausrüstung

Neben der üblichen Ausrüstung für Bergtouren gehören auf Klettersteigen folgende Ausrüstungsgegenstände unbedingt ins Gepäck:

  • Klettergurt

  • Klettersteigset

  • Helm

  • eine zusätzliche Bandschlinge

  • ein zusätzlicher Karabiner

  • Handschuhe

  • Erste-Hilfe-Set

  • Handy

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