Frage: Wie sichere ich am am besten in Mehrseillängenrouten?
Frage von Marcus, per E-Mail: Danke für die sehr fachkundigen Inhalte zum Thema Standplatz. Ich will in Zukunft bei Mehrseillängenrouten vermehrt über den Stand sichern. Dazu habe ich aber noch nicht die geeignete Methode gefunden. Was würdest du da empfehlen?
Antwort: Situationsbedingt entscheiden ist am sinnvollsten
Antwort von Olaf: Interessant, der Trend zum Sichern über den Stand (Fixpunktsicherung) setzt sich doch fort. Jahrelang galt das "Sichern über den Körper" als das Nonplusultra. Ich würde das Sichern über den Körper nicht komplett verteufeln. Setze situationsbedingt das ein, was gerade Sinn macht. Das hat den Vorteil, dass du dich mit den Gegebenheiten vor Ort auseinandersetzt, das bringt schon mal sehr viel.
Bei gut abgesicherten Mehrseillängenrouten, guten Standplätzen und halbwegs gleichschweren Partnern ist es vom Handling noch immer am besten, über den Körper zu sichern. Mit Einfachseil nimmst du das Sicherungsgerät, das du normal auch benutzt (z. B. Grigri, HMS), für Doppelseile hat sich der (Auto-)Tuber bewährt. Du kannst ja in den ersten Haken das neue Ohmega von Edelrid einhängen, dann hast du zusätzliche "Seilreibung" und ein Sturz des Vorsteigers reißt dich nicht so heftig nach oben.
Ideal ist es natürlich, wenn du dich etwas unterhalb des Standes positionieren kannst. Wenn du aber zum Schluss kommst, dass der Standplatz und die Rahmenbedingungen nicht so sind, dass es Sinn macht über Körper zu sichern, sichere über den Stand. Nach meiner Erfahrung ist ein Tuber mit vorgeschaltetem Karabiner in den allermeisten Fällen nicht gut zu bedienen.
Ich finde, für die Sicherung am Stand die HMS (Halbmastwurfsicherung) immer noch am besten. Die (Hand-)Kraft, um den Sturz zu halten, ist überschaubar und verändert sich mit dem/den entsprechenden Seil(en), du hast einen gewissen dynamischen Anteil (geringerer Krafteintrag auf die Sicherungskette, geringerer Fangstoß für den Kletterer) und du brauchst am wenigsten Material (nur den HMS-Karabiner).
Außerdem musst du bei Wechselführung nicht umbauen, es sei denn, du hast zum Nachsichern einen alpinen Tuber genutzt. Um eine Sicherung über den Fixpunkt (Stand) halbwegs komfortabel bedienen zu können, musst du immer mehr Seil ausgegeben als nötig, nämlich nach der Sicherung noch eine Schlaufe von mind. 0,5 Meter, um halbwegs schnell Seil ausgeben zu können. Das verlängert die Sturzstrecke.
Die Sicherung über den Stand mit Tuber, wie es in Österreich gelehrt wird, ist auch okay, setzt aber voraus, dass du immer mit vorgeschaltetem Karabiner arbeitest (mäßig gut vom Handling), oder in einen hoffentlich halbwegs hochplatzierten Haken des Standplatzes einen Dummy-Runner einhängst. Oder du kannst den ersten Haken vom Standplatz aus klinken. Tust du nichts dergleichen, hast du beim Sichern mit Tuber quasi keine Bremswirkung (Karabiner-Knicksicherung).
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Olaf Perwitzschky ist ALPIN-Testredakteur und staatlich geprüfter Bergführer. Berge sind seine Leidenschaft - und Eure Fragen sind ihm Herausforderung! Jeden Monat beantwortet er Eure Anliegen im ALPIN-Heft unter der allseits bekannten Rubrik "Olaf klärt das schon!".





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