Mehrseillängen-Touren sind die Königsdisziplin des Felskletterns. Worauf es beim Klettern zwischen einzelnen Standplätzen ankommt, erfahrt ihr hier.

Mehrseillängenrouten klettern: Die erste Sicherung

Der Sturzfaktor errechnet sich aus Sturzhöhe geteilt durch ausgegebene Seillänge. Spätestens ab einem Sturzfaktor von 1 (fünf Meter ausgegebenes Seil, fünf Meter Sturzhöhe) schlägt man beim Sportklettern auf dem Boden auf. Bei Mehrseillängentouren ist das anders. Klettert man von einem Standplatz fünf Meter höher und hat noch keine Zwischensicherung geklinkt, würde man bei einem Sturz zehn Meter fallen.

Mehrseillängenrouten klettern

Die "Krönung" des Felskletterns: Mehrseillängenrouten!

| © Imago / Cavan Images

Solche Stürze sind gefährlich:

1. Man stürzt in den Standplatz (alle Last auf den Stand). Versagt der, kommt es zum Seilschaftssturz.

2. Der Sturz wird hart für den Stürzenden, da nur die Dehnung von fünf Metern Seil zum Tragen kommt.

Daher sollte man möglichst bald nach dem Stand eine Zwischensicherung klinken. Schlau eingerichtete Routen haben solche frühen Zwischensicherungen. Ist kein Fixpunkt vorhanden, ist es sinnvoll, in den oberen Haken des Standplatzes eine Dummy-Expresse einzuhängen. So wird ein möglicher Sturz immerhin etwas verkürzt und der Zug am Stand erfolgt nach oben.

Mehrseillängenrouten klettern

Haken weit weg, Gelände nicht sturzfreundlich: häufig in leichteren Routen.

Mehrseillängenrouten klettern: Der Routenverlauf

Wenn eine Bohrhakenlinie den Weg weist - schön. Dann ist der Routenverlauf nicht allzu schwer zu erkennen. Aber nicht immer sind die Haken so dicht gesetzt, dass man diesen "blind" hinterherstiefeln kann. Dann gilt es, den Fels "zu lesen", die richtige Route zu finden. Je nach Schwierigkeit und Felsbeschaffenheit kann das der vermeintlich leichteste Weg sein, gerade bei Sportkletterrouten kann es aber auch die schwierigere Variante sein. Es gilt abzuwägen, welche Linie der Route entsprechen könnte. Ein Topo (eine Skizze) der Route hilft hier natürlich, ist aber oft nicht detailliert genug. Wichtig ist hier Erfahrung, und die bekommt man nur durch klettern.

Mehrseillängenrouten klettern: Richtig absichern

Die Absicherung in Mehrseillängenrouten ist fast nie wie in Sportkletterrouten, die mögliche Sturzhöhe somit größer. Diese Faktoren gilt es schon bei der Routenwahl zu berücksichtigen. Denn Stürze können besonders im alpinen Terrain böse Folgen haben. Meist sind Plaisirrouten (komplett mit Haken versehene Routen) zwar so eingerichtet, dass an den schwierigen oder gefährlichen Stellen Haken sind, aber darauf sollte man sich nicht verlassen.

Mehrseillängenrouten klettern

200 Meter tief - stimmt die Psyche?

Mehrseillängenrouten klettern: Seilverlauf und Zwischensicherung

Sind Bohrhaken da und wurden sie von einem erfahrenen Kletterer gesetzt, sollte der Seilverlauf einer Route soweit passen. Aber das ist nicht immer der Fall. Um nach 30 gekletterten Metern nicht einen enormen Seilzug zu haben, der dann entsteht, wenn die Zwischensicherungen nicht in etwa auf einer Linie liegen, kann es sinnvoll sein, die Zwischensicherungen zu verlängern. Dadurch wird natürlich auch die Sturzhöhe größer, aber das kann in vielen Fällen das kleinere Übel sein. Vorbereitete "Alpin-Pärchen" (lange Zwischensicherungen) oder Schlingen können hier Abhilfe schaffen und dafür sorgen, dass man keinen allzu großen Seilzug hat.

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Mehrseillängenrouten klettern: Die Höhe

Nicht jeder kommt mit Ausgesetztheit zurecht. Die Höhe macht vielen Leuten zu schaffen. Daher sollte man sich langsam herantasten und schauen, was man verträgt. Es macht dabei oft einen riesigen Unterschied, ob man auf langen (flachen) Reibungstouren unterwegs ist (z.B. Tessin) oder in Touren, die sehr steil und exponiert sind (z.B. Verdon).

Mehrseillängenrouten klettern

Abseilen ist oft verlockend, Absteigen schneller.

Mehrseillängenrouten klettern: Abseilen oder Absteigen

Bei vielen Touren die letzte zu treffende Entscheidung, aber oft eine ganz wichtige: Abseilen oder Absteigen? Da Abseilen vermeintlich bequemer ist, entscheiden sich Unerfahrene gerne für das Abseilen. Ist die Abseilstrecke aber nicht explizit dafür eingerichtet, dauert Abseilen fast immer deutlich länger als Absteigen. Auch das Gefahrenmoment ist beim Abseilen deutlich größer. Und ein verhängtes Seil kann eine bis dahin tolle Route zum Albtraum werden lassen. Daher sollte man ausgiebige Informationen einholen und sich möglichst immer auf beide Möglichkeiten einstellen (also beispielsweise andere Schuhe mitnehmen).

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