Route durch Khumbu-Eisbruch weiterhin blockiert
Am Mount Everest verzögert sich der Start der Frühjahrssaison 2026 deutlich. Wie das nepalesische Tourismusministerium laut dpa mitteilt, ist die übliche Route vom Basislager in Richtung Lager 2 weiterhin durch einen instabilen Serac im Khumbu-Eisbruch versperrt.
Die sogenannten Icefall Doctors – ein Team erfahrener Sherpas, das im Auftrag des Sagarmatha Pollution Control Committee (SPCC) die Route einrichtet – haben ihre Arbeiten aus Sicherheitsgründen unterbrochen. Man suche derzeit nach einer Alternative, die nicht durch einen möglichen Eisabbruch gefährdet sei.
Schlüsselstelle mit objektiven Gefahren
Der Khumbu-Eisbruch gilt als einer der gefährlichsten Abschnitte der Normalroute über die Südseite des 8848 Meter hohen Mount Everest. Instabile Eisblöcke, tiefe Spalten und permanente Gletscherbewegungen prägen das Gelände.
Seracs – oft haushohe Eisformationen – können jederzeit abbrechen. Diese objektive Gefahr ist seit Jahrzehnten bekannt. Beim Unglück am 18. April 2014 kamen 16 Sherpas ums Leben, als ein Serac kollabierte.
Auch aktuell zeigt sich die Dynamik des Geländes: Laut Medienberichten brechen bereits kleinere Teile des betroffenen Eisblocks ab, ein vollständiger Kollaps lässt jedoch auf sich warten.

Ein Bergsteiger bewegt sich durch die instabilen Eistürme des Khumbu-Eisbruchs
Saisonstart verzögert sich – Zeitdruck wächst
Normalerweise ist die Route durch den Eisbruch ab Mitte April eingerichtet. In diesem Jahr ist man deutlich hinter diesem Zeitplan. Erst nach Freigabe der Strecke können Bergsteiger mit den sogenannten Rotationstouren beginnen, bei denen sie sich durch wiederholte Aufstiege zwischen den Lagern akklimatisieren. Erste Gipfelerfolge sind üblicherweise Anfang Mai zu erwarten.
Die Verzögerung sorgt für zunehmenden Druck: Das Wetterfenster für Besteigungen ist kurz und konzentriert sich meist auf wenige Tage im Mai. Ein später Start könnte zu Engpässen und erhöhtem Andrang in den Schlüsselpassagen führen.

Mehr Zusammenarbeit – neue Maßnahmen
Angesichts der Situation hat die nepalesische Regierung reagiert. Erstmals sollen kommerzielle Expeditionsveranstalter die Icefall Doctors bei der Routenarbeit unterstützen. Ziel ist es, schneller eine sichere Passage durch den Eisbruch zu finden.
Zudem wurde laut Behörden erlaubt, Material und Personal per Hubschrauber in höhere Lager zu transportieren, um Zeit zu sparen. Diese Maßnahme gilt als ungewöhnlich, da der Einsatz von Helikoptern im Khumbu-Eisbruch bislang stark eingeschränkt war.
Andrang am Berg – Staus befürchtet
Trotz gestiegener Gebühren bleibt das Interesse am höchsten Berg der Erde ungebrochen. Laut Tourismusministerium wurden bereits 410 Besteigungsgenehmigungen für die laufende Saison erteilt.
Da die Nordseite in Tibet weiterhin geschlossen ist, konzentriert sich der gesamte Gipfelverkehr auf die nepalesische Südroute.
Sollte sich die Öffnung der Route weiter verzögern, drohen Staus im Eisbruch und in den oberen Lagerbereichen – ein bekanntes Problem vergangener Jahre. Gerade in exponierten Abschnitten, in denen schnelles Vorankommen sicherheitsrelevant ist, kann dichter Verkehr das Risiko zusätzlich erhöhen.
Ob und wann die Route durch den Khumbu-Eisbruch endgültig freigegeben wird, ist derzeit offen. Verschiedene Teams prüfen alternative Linien oder hoffen auf einen natürlichen Kollaps des Seracs.


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