Am Morgen des 18. April 2014 rauschten mehrere Tonnen Eis die Westschulter des Mount Everest hinab und begruben fast 30 Sherpas im Khumbu-Eisbruch unter sich. Für 16 von ihnen sollte jede Hilfe zu spät kommen.

Das Lawinenunglück vom Karfreitag des vergangenen Jahres ist nach Ansicht der bekannten Himalaja-Chronistin Elisabeth Hawley "die schlimmste Katastrophe, die der Mount Everest je erlebt hat." Während seiner langen Besteigungsgeschichte haben sich am höchsten Berg der Erde immer wieder schreckliche Dramen abgespielt. Aber wohl keines von so einer Dimension. 

Schon wenige Tage nach der Tragödie war der gesamte Expeditionsbetrieb am Everest zum erliegen gekommen - und sollte für den Rest der Saison - auf beiden Seiten des Berges - auch nicht mehr richtig in die Gänge kommen. Vorausgegangen war ein Streik der Sherpas, die teilweise äußerst aggressiv für eine Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen eintraten. 

Einige Behördenvertreter liesen sich in der Folge des Konflikts sogar von Kathmandu ins Basislager fliegen, um die aufgebrachten Menge über die angedachten Maßnahmen der Regierung zu informieren. Mit Zusagen und Versprechungen ließen sich die Wogen aber nur langsam glätten. Die Saison war da bereits gelaufen: Zehn Tage nach dem Unglück hatten die großen Expeditionsanbieter - und mit ihnen Rund 300 Kunden und unabgängige Bergsteiger - bereits all ihre Zelte abgebrochen. 

Ob und wie es auf der Südseite des Everest weitergehen soll, war noch bis vor wenigen Wochen völlig unklar. Trotz einer Verlängerung der Permits und weiterer Schritte - wie die feste Stationierung von Beamten und Ärzten im Basislager sowie der Einrichtung einer neuen, vermeintlich lawinensichereren Route -, entschieden sich viele Veranstalter in diesem Jahr von vornherein dafür, den höchsten Achttausender von der tibetischen Nordseite her anzugehen.

Deutscher Arzt engagiert sich

Die Entschädigung der Angehörigen der 16 Opfer kam ebenfalls nur schleppend voran. Die Hinterbliebenen mussten monatelang auf die von der nepalesischen Regierung versprochenen 300 Euro "Soforthilfe" warten. Aber nicht nur das. Auch die Auszahlung einer Versicherungssumme von 15.000 US-Dollar gestaltete sich aufgrund von Kompetenzstreitigkeiten zwischen Finanz- und Tourismusministerium zur Geduldsprobe für die nun mittellosen Angehörigen.

Für Matthias Baumann nur schwer zu ertragende Zustände. Der Expeditionsarzt aus Tübigen hatte die Katastrophe hautnah miterlebt. Für den damals 42-Jährigen ein einschneidendes Erlebnis. Baumann gründete kurzerhand die "Everest Sherpa Lawinenopfer Hilfe" , um die betroffenen Familien langfristig finanziell zu unterstützen. "Beim Rückweg aus dem Basislager kam mir die Idee, die Energie meines Traumes einer Everest Besteigung zu transferieren und den Familien der betroffenen Sherpas zu helfen", so der Unfallchirurg und Höhenmediziner vor einem Jahr.

Seitdem ist viel passiert. Baumann stieß mit seiner Initiative auf großes mediales Interesse. Zahlreiche Fernsehauftritte wie Treffen mit Winfried Kretschmann, dem Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, und Joachim Gauck folgten. Wann immer ihm möglich, warb der Mediziner für seine Sache. Mit Erfolg. 

Im März 2015 kehrte Baumann nach Nepal zurück, um die betroffenen Sherpa-Familien zu Besuchen. Mit im Gepäck dabei: Spendengelder und Patenschaften. Damit sei, so der Tübinger, die schulische Ausbildung der Kinder gänzlich gesichert.

Die "Sherpa Lawinenopfer Hilfe" freut sich weiterhin über Spenden.

Himalayan Project e.V.

  • Kreissparkasse Biberach
  • IBAN: DE45 6545 0070 0007 0581 89
  • BIC: SBCRDE66
  • Kennwort: "Sherpa Lawinenopfer"

Weitere Informationen finden Sie unter www.faszination-everest.de

TV-Tipp

Stephan Baumann wird am 11.05.2015 in der Sendung "Mensch Leute" zu Gast sein. (SWR, 18:15 Uhr)

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