Rappenalpbach: Wildflusslandschaft zerstört

Naturschutzgebiet bei Oberstdorf zerstört: Polizei bittet um Mithilfe

Bei ungenehmigten Arbeiten wurde in den letzten Wochen der Rappenalpbach bei Oberstdorf begradigt und mit Kies aufgeschüttet. Der ehemals mäandrierende und verzweigte Bach wurde auf einen schmalen kanalisierten Flusslauf reduziert, die Uferbereiche wurden rigoros eingeebnet. Der Wildbach wurde auf rund 1,5 Kilometern Fließstrecke zerstört. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Polizei bittet derweil um Mithilfe.

Der Rappenalpbach nach den Baggerarbeiten.
© Bund Naturschutz/Udo Schmitz

Update 28.11.2022: Polizei durchsucht Räumlichkeiten und bittet um Mithilfe

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kempten ist für die Bauarbeiten am Rappenalpbach die Alpgenossenschaft Rappenalp verantwortlich. Eine behördliche Genehmigung zur Durchführung dieser Arbeiten am Wildbach lag den Verantwortlichen laut Polizeiangaben nicht vor. Die Staatsanwaltschaft Kempten leitete nun Ermittlungen wegen des Verdachts der Gefährdung schutzbedürftiger Gebiete ein; hierzu hatten sich Vertreter der Staatsanwaltschaft zusammen mit der örtlich zuständigen Polizei persönlich vor Ort ein Bild vom Ausmaß der Baggerarbeiten gemacht. Ziel der Ermittlungen ist zunächst Beweismittel zu sichern und verantwortliche Personen zu identifizieren.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Kempten wurden Ende letzter Woche Räumlichkeiten der beteiligten Alpgenossenschaft sowie Räumlichkeiten des bearbeitenden Bauunternehmens durchsucht, dessen Baumaschinen und Bedienpersonal die Arbeiten durchgeführt hatten.

Daneben bitten die Beamten Wanderer, Touristen oder andere Personen, die über Bild- oder Videoaufnahmen aus dem Zeitraum der Baggerarbeiten verfügen, diese der Polizei zur Verfügung zu stellen. Hierfür ist ein Uploadportal eingerichtet worden. Hier können Bilder und Videos auch anonym hochgeladen werden.

<p>Der Rappenalpbach nach den Baggerarbeiten.</p>

Der Rappenalpbach nach den Baggerarbeiten.

© Bund Naturschutz/Udo Schmitz

Ursprünglicher Beitrag vom 22.22.2022:

Zerstörung im Naturschutzgebiet: Alpgenossenschaft begradigt Wildbach

Auf einer Länge von 1,6 Kilometern hat die ansässige Alpgenossenschaft den geschützten Wildbach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks nach ausbaggern und kanalisieren lassen. Betroffen sind Biotopflächen in einen geschützten Lebensraum.

Der ehemals mäandernde Bach schlängelt sich nicht mehr kurvenreich durchs Tal, sondern fließt gerade – wie in einem Kanal. An einzelnen Stellen ist das Wasser sogar ganz im Untergrund des Flussbetts verschwunden. Die Biotopfläche sei gänzlich zerstört, wie der BUND Naturschutz in einer Pressemeldung befürchtet.

"Diese Maßnahme hat den Wildbach als dynamischen Lebensraum auf rund 1,5 Kilometern Fließstrecke zerstört“, berichtet Alfred Karle-Fendt vom Vorstand der BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu.

Naturschutzgebiet „Allgäuer Hochalpen“: Naturjuwel zerstört

Laut Bund Naturschutz zählt der Bach zum Schutzgebiet "Allgäuer Hochalpen", einem kombinierten Vogelschutz- und FFH-Schutzgebiet. Ein Gebiet, in dem natürliche Lebensräume sowie wild lebende Tiere und Pflanzen erhalten werden sollen. Außerdem sei der Bachlauf nach Bundesnaturschutzgesetz zu hundert Prozent als Biotop geschützt.

Laut Landratsamt war eine Genehmigung weder beantragt noch erteilt worden. Mit dem Landratsamt seien im Vorfeld lediglich vereinzelte, punktuelle Gewässerunterhaltungsmaßnahmen abgestimmt worden. Über den Umfang der nicht abgesprochenen Arbeiten zeigt sich die Behörde verwundert.

<p>Rappenalpbach: bisheriger Verlauf</p>

Rappenalpbach: bisheriger Verlauf

Beim Wasserwirtschaftsamt in Kempten reagiert man entsetzt über den kanalisierten Wildbach im Rappenalptal. Karl Schindele, der Leiter des Wasserwirtschaftsamts: "Da wurde ein wertvoller Lebensraum zerstört. Das ist ein erheblicher Schaden für die Umwelt." Das Wasserwirtschaftsamt sei vor zwei bis drei Wochen über die Baumaßnahmen am Rappenalpbach informiert worden. Seitdem liefen Gespräche mit dem Landratsamt Oberallgäu und der Regierung von Schwaben über das weitere Vorgehen. 

Auch das bayerische Umweltministerium hat eine umfassende Stellungnahme gefordert. Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile ein Verfahren eingeleitet.

Die Baggerarbeiten waren amtlich nicht genehmigt. Die Alpgenossenschaft will sich bislang nicht zu den Vorgängen äußern.

<p>Rappenalpbach: neuer Verlauf.</p>

Rappenalpbach: neuer Verlauf.

© Bund Naturschutz Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu

Das Rappenalbtal: Beliebtes Tourenziel

Das Rappenalbtal ist ein Seitental des Stillachtales und liegt ganz im Süden des Allgäus zwischen Einödsbach, der südlichsten Siedlung Deutschlands und dem Haldenwanger Eck, dem südlichsten Punkt Deutschlands. 

Das Rappenalbtal ist ein Ausgangspunkt für viele beliebte Wanderungen zur Enzianhütte und Rappenseehütte, Mindelheimer Hütte und Fiderepasshütte. Auch der Mindelheimer Klettersteig und der Heilbronner Höhenweg sind von hier erreichbar. Der Schrofenpass am Ende des Tals ist ein beliebter Übergang ins Lechtal für Mountainbiker auf einer Transalp.

8 Kommentare

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Hubisepp

Hat man es im Tal nicht schoneinmal mit weiteren Wasserkraftwerken probieren wollen - da war das eventuell die Vorleistung. Mit lärmgedämmten Saugbagger den Schotter heraus und das nach Möglichkeit gleich wenn der Schnee weg ist.
Wer liefert eigentlich das Bruchgestein an? Woher stammt es?

Frederik auf unserer Facebook-Seite

Am Unterlauf von dem Ding sollten sich eventuelle Anwohner jetzt wohl besser zügigst mit stabilen Booten ausrüsten. Vor dem Winter ist da ja nicht mehr an Rückbau zu denken, und in der Schneeschmelze wird so eine Kanalrinne zur Super-Klosettspülung. Das wird witzig...

Berggeist

Eine archaische Gesellschaft, in der striktes Schweigen über die Untaten der Alphas herrscht, macht solche Gräuel erst möglich. Wie ein Reporter der Sendung Quer von einem Einwohner zu hören bekam: " I hab a Meinung, aber es ist besser die nicht zu sagen"... Hoffentlich lassen sich die Ermittler nicht mit Unsinn belabern und bohren tief hinein in den Morast, um an des Übels Wurzeln zu kommen.

Langerheinz

Ich will diese Aktion nicht für gutheißen. Aber zum Überlegen geben wie wenig Naturschutz in den Köpfen verankert ist. Jeder Übernachter im Camper wird aufgemischt und hier. Diese Aktion hatTage in Anspruch genommen und dort wimmelt es von Forstarbeitern, Jägern und Bergsteigern.... . Und niemand meldet dies .... Vielleicht doch nicht ALLES so schlimm - kann es sein dass die o.g. die Schnauze voll haben von den Gängeleien der Naturschutz Behörden ? Hier findet doch eine totale Entfremdung zwischen Bürger und den sogenannten Naturschützern ob behördlich oder privat statt - siehe Battert. Berg frei

ElTeq0r

Höchststrafe sind 5 Jahre ... und die haben sich die Verantwortlichen verdient.

Bernhard W.

Das ist schon sehr traurig, vor allem das Einheimische so wenig Bezug zu schützenswerter Natur vor der eigenen Haustür haben.
Was mir aber ein völliges Rätsel ist, solche Arbeiten erledigt man nicht in einer Nacht u. Nebelaktion, sondern geht über Wochen. Das muss doch irgendjemanden aufgefallen sein.

Besser als jede Gefängnisstrafe wäre eine Verurteilung zur vollständigen Renaturierung.

Eso

Das sehe ich auch so mit der Gefängnisstrafe. Für so einen Frevel an der Natur muss der Rechtsrahmen voll ausgeschöpft werden. Als Wildcamper bekommt man eine saftige Geldstrafe, obwohl man da nichts kaputtmacht. Dann kann bei einer Naturzerstörung dieses Ausmaßes nur eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung das richtige Mittel sein.

Korn

Für so eine Zerstörung können die Beteiligten gerne mal 24 Monate einsitzen!