Seit Jahresbeginn kämpft die Welt mit und gegen die COVID-19-Pandemie. In Europa sind die Maßnahmen fast überall sehr streng: Schulschließungen, Ausgangssperren, Reiseverbote. Wie sollten sich Bergsportler in diesen Zeiten verhalten?

Spätestens mit Schließung aller Schulen und Kindertageseinrichtungen in Deutschland Mitte März hatte es auch der letzte Zweifler bemerkt: So etwas hat es noch nie gegeben. 

In und um Deutschland herum explodierten die Infektionszahlen. Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Grenzen und weltweit lahmgelegter Tourismus waren die Folge.

Dennoch gibt und gab es immer Menschen, die sich nicht an die verordneten Regelungen halten. Die Gründe dafür sind oft ähnlich: Von "mich trifft es eh nicht" bis hin zu "da kann ich mir ja gleich alles von der Politik verbieten lassen" reicht das Spektrum. 

Und wie verhalten wir uns als Bergsportler? Folgen wir den mehr oder weniger unisono erfolgten Aufrufen von DAV-Präsident Josef Klenner, ÖAV-Präsident Dr. Andreas Ermacora und AVS-Präsident Georg Simeoni, die fordern: 

Verzichten! Zu Hause bleiben! Das Rettungswesen sowie die medizinischen Systeme schonen! Selbst dann, wenn man eigentlich noch in die Berge gehen dürfte, weil es sich ja "nur" um Appelle seitens der Regierung handelt? 

Die Frage lautet also: Sind (mir) mein persönliches Wohlbefinden und meine Bedürfnisbefriedigung wichtiger als die der Allgemeinheit? Wohl nicht. Aber kollektives Aufregen über zugegeben wenige schwarze Schafe ist auch nicht angebracht. 

Denn Veränderungsprozesse weisen typische Kurvenverläufe auf: Vor der Akzeptanz kommt immer erst eine Phase der Illusion und Leugnung. Eben weil sich Menschen nicht gerne ungezwungen verändern. Aber unter Druck. 

Vielleicht ist genau das die Essenz, die wir hoffentlich aus der Coronakrise in unseren Alltag übertragen können: Nicht alles, was man darf, muss man auch tun! Und ein wenig länger auf die Berge zu warten, steigert nur die Vorfreude. 

Vielleicht lernen wir alle nun an einem extrem harten Beispiel, wieder mehr auf andere Rücksicht zu nehmen und unsere Mitmenschen sowie die Umwelt besser wahrzunehmen? Es wäre wünschenswert!

Josef Klenner ist sich sicher: "die Zeit der Bergtouren wird wieder kommen". Wir von ALPIN denken genauso. #wirbleibenzuhause

So kann man auch in den eigenen vier Wänden dem Klettern treu bleiben ... Klickt Euch durch unsere Galerie mit witzigen Social-Media-Posts.

Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Bevölkerung und Wirtschaft sind noch nicht absehbar. Ausgangs- und Reisebeschränkungen sind und waren Maßnahmen, die den Alltag der Menschen massiv beeinträchtig(t)en. 

Den ungekürzten Kontrovers-Artikel findet ihr in ALPIN 05/2020.

Die gesammelten Stimmen unserer User findet ihr in den Kommentaren, das Ergebnis unserer Kontrovers-Umfrage präsentieren wir Euch hier.

90 Kommentare

Kommentar schreiben
Christine

Hallo. Auch wir haben uns am Anfang im März recht zurückgehalten und haben all unsere geplanten Skitouren betrauert und haben auf die ersten Frühjahrstouren verzichtet. Aber nun sieht man ja, dass das ein Zustand ist, der wohl noch Monate oder sogar länger anhält, in München geht das Leben aktuell nach der Schockstarre gefühlt fast wir normal weiter, es sind ein Haufen Autos auf der Straße und viele Leute unterwegs. Und nun mal ehrlich, wer will den ganzen Sommer auf sein liebstes Hobby verzichten??? Zumal ich prinzipiell noch nie ganz eingesehen habe, was das mit Solidarität zu tun hat, mit wem solidarisiere ich mich, wenn ich hundertmal den Perlacher Muggl hochlaufe oder um den Block laufe??? Wir werden unseren Urlaub größtenteil ja wohl alle in Deutschland verbringen müssen..., sollen dann alle an die Nord- oder Ostsee fahren, was sagt denn dann die Wasserwacht, oder ist die nicht so zimperlich wie die Bergwacht???? (nicht falsch verstehen, ich schätze und respektiere deren Arbeit voll) Soll ich mit einer Million Münchnern an der Isar, im Englischen Garten oder im Forstenrieder Park spazieren gehen, wo es jetzt schon so voll ist, dass man keinen Parkplatz mehr bekommt und Slalom um all die anderen fahren muss??? Da such ich mir doch lieber einen Berggipfel, an dem ich alleine bin. Man sollte seine Touren sowieso nie so planen, dass man die Bergwacht braucht. Ich habe noch nie soviele Leute spazieren, joggen, inlinern oder radfahren gesehen wie dieses Frühjahr. Was sollen all die Neurochirurgen sagen ob der tausend Radler, die ohne Helm radeln und sich potenziell ein schweres Schädelhirntrauma oder eine Hirnblutung zuziehen können. Was sollen all die Unfallchirurgen sagen ob der tausend Inliner die ohne Schutzausrüstung vor sich hinstolpern und nichdt vernünftig bremsen können. Was sollen all die Orthopäden sagen ob all der tausend Jogger, denen all die Gelenke und der Rücken schmerzen, da sie sonst nie gejoggt sind und Joggen, v.a. wenn mans es nicht gewohnt ist, eine hochintensive Sportart ist. Und denkt an all die Krankenhausärzte und das Pflegepersonal, die sich Tag und Nacht unter z.T. schwersten Bedingungen um all die Patienten kümmern, ohne dauernd zu jammern. Die einzigen, die sich freuen sind die Psychotherapeuten und Psychiater ob all der depressiven Leute, die dadurch produziert werden, dass die Leute unglücklich sind, wenn sie nicht rauskönnen und nicht ihren Hobbies nachgehen können. Damit die nicht noch mehr Zulauf erhalten, gehen wir wieder in die Berge (wie auch viele andere Leute auch....). Und solange die Leute weiter rauchen und sich damit zu Hochrisikopatienten machen, habe ich dabei kein schlechtes Gewissen dabei.

Stolli

Nach anfänglichen Zweifeln über Touren möchte ich inzwischen meine erste Meinung revidieren, und verweise ebenso wie M.Seela vom 17.04. auf Michael T.Heck vom 14.04., der es auf den Punkt bringt. -

Kommt's gut wieder heim Kletter -Bergfreund Stolli

Klaus

Nachtrag: Studie Österreich nachzulesen Internet ORF, 10.000 Kinder verletzen sich beim Trampolin springen, davon 50 %
schwer mit Knochenbrüchen.
Da wären mal die Zahlen von den Unfällen vom Skitourgehen oder Bergsteigen interessant. Also bitte einfach mal Kirche im Dorf lassen .

Klaus

Rettungspersonal ist definitiv nicht über die Masen dzt gefordert, Bergrettung nicht in Covid Betreuung eingespannt, Krankenhäuser im Schnitt nicht mit Patienten überlastet sondern nur zu 50 % ausgelastet wie vor Covid ( arbeite selbst in einem ), auch in einem Jahr kann jeder der durch die Bergrettung bzw Hubschrauber geborgen werden muss,Covid haben, Übertragungsrisiko beim Bergsteigen oder Skitourgehen sehr gering ausser an überfüllten Gipfel ( ansonst müssen wir bis gesamte europäische bevölkerung durchgeimpft ist auf jeden bergsport verzichten, das Virus verschwindet nicht einfach in der Versenkung !), Erklärung gegen Bergsteigen odrr Skitourgehen : man möge nur nach Italien usw schauen nicht zielführend da wenn in Italien Wasserknappheit herrscht sicherlich niemand deswegen bei uns aufs Duschen verzichten würde bzw ihm das aufoktruiert wird. Egoismus ist nicht der Bergsport denn da steck ich kaum jemanden an bzw habe Risiko angesteckt zu werden, sondern Veranstaltungen mit vielen Personen ( Schwimmbad, Konzerte, fussballspiele, Diskotheken, joggen in überfüllten Städten, Liegewiese am See usw) da dann von allein 1 Indexperson ein grosser Covidcluster entstehen kann der das Gesundheitssystem überfordert.

Uli

Es ist sicher richtig, dass es gewisse Sportarten gibt, bei denen Abstand gehalten werden kann und andere wiederum nicht. Na ja, da hat der Fuß-, Handball und Ringkampf halt Pech gehabt?
Ich bin mir nicht sicher ob wir auf diese Art die richtige Verhaltensweise finden, oder ob es nicht besser wäre, wenn wir uns in der derzeitigen Situation einfach alle zurücknehmen und den Empfehlungen der verschiedenen Behörden vertrauen sollten, auch wenn wir die ein oder andere Maßnahme für übertrieben halten? Wir haben demokratisch gewählte Institutionen deren Leistungen und Ergebnisse man sicher kritisieren kann, und die das ein oder andere Mal den falschen "Einflüsterern" zuhören, aber derzeit haben sie einen echt schwierigen Job, und die meisten Menschen in Deutschland haben das Gefühl, dass "die da oben" sich echt anstrengen. Wenn jede Einzelperson Ihre eigenen Grenzen setzt, und man nicht füreinander Verantwortung übernimmt, dann wird den Behörden gar nichts anderes übrig bleiben diese noch enger zu ziehen. Zudem kann ich doch in dieser Zeit nicht davon ausgehen dass die offiziellen Stellen für jede Teilhandlung eigene Regeln ausgibt. Grundsätzlich heisst es einfach, einen kleine Bewegungsradius und möglichst wenig Leute treffen.

Die westliche Welt hat keine Erfahrung mit dieser Pandemie und alle fahren auf Sicht, sie sitzen aber in einem Hochseetanker der erst nach 5-10 Tagen reagiert nachdem am Steuerrad gedreht wurde. Mann wird in einigen Wochen /Monaten feststellen dass manche Maßnahmen sehr sinnvoll waren, andere jedoch überflüssig. Kann gut sein, dass das vereinzelte Klettern an den Felsen zu den Dingen gehört die man unter bestimmten Bedingungen hätte betreiben können. Sollte es aber nicht dazugehören, wer hätte es denn dann damals überwachen sollen? Oder eine andere Freiteitbeschäftigung die sich irgendwo drauße, an mehr oder weniger unzugänglichen Orten stattfindet? Sollten wir es nicht allen Verantwortlichen einfach machen, und das die Polizei nicht dann auch noch an den Felsen/Bächen/Höhlen, etc. unterwegs sein muss, um zu prüfen ob dort zuviel Outdoor-Sportler mit dem richtigen Abstand unterwegs sind? Solidarität den anderen Sportlern gegenüber, die Ihren Sport nicht ausführen können, würde auch uns gut anstehen. Frodeno (Triathlet) hätte sein Trainig auch outdoor machen können. Schwimmen, Radfahren und Laufen ist alles erlaubt. Er hat es aber anders gelöst.

Man könnte sich auch gegenüber den Kindern in Italien, Frankreich und Spanien solidarisch verhalten die seit 5-6 Wochen noch nicht einmal aus ihrer Wohnung dürfen. Wir können uns noch relativ frei bewegen. Wie bestehen aber auf unser Recht oder unser klammheimliches Trainingspeogramm, an den Felsen klettern und Bergen wandern zu gehen.

Das Argument, wie wahrscheinlich eine Ansteckung beim Klettern/Bergwandern ist oder nicht, sollte nicht die Entscheidungsgrundlage unseres Handelns sein. Die Grundlage sollte sein, welche Vorgaben uns von den Stellen gemacht werden die, unter einem immensen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Druck, für die Gesamtbevölkerung Lösungen suchen, um Situationen wie sie sich in anderen Ländern derzeit abspielen zu verhindern und wofür es keine Blaupausen gibt. Derzeit fahren wir auf Sicht und keiner sieht weiter als zu seiner eigenen Nasenspitze, das macht die kommende Zeit der Lockerung noch gefährlicher. Jeder Schritt ist ein Schritt ins ungewisse, ein Schritt auf einem verschneiten Gletscher bei dem es keine Konturen oder sonstige Anhaltspunkte gibt ob der nächste Schitt hält oder in eine Spalte führt. Die politischen Gremien müssen in kürzester Zeit Entscheidungen treffen wie unsere Wirtschaft nicht kollabiert, die Schüler wieder in die Schule kommen, die Pflege-/ Altenheime frei von Corona bleiben usw. usw. usw. Den Job der verantwortlichen Stellen möchte ich derzeit nicht machen müssen. Wir sollten es nicht noch komplizierter machen wie es ohnehin schon ist, nur weil wir im Training bleiben wollen. Wenn wir Glück haben werden die Maßnahmen im Mai/Juni gelockert und man kann detaillierter darüber diskutieren inwieweit die ein oder andere sportliche Betätigung gefahrlos möglich ist. Auch unsere Interessensvertretung, der DAV wird hier gefordert sein.

Und dabei geht es nicht um die Einschränkung eines wirklich relevanten Menschenrechtes, sondern nur um die temporäre Einschränkung einer Freizeitbeschäftigung! Handeln wir nicht sehr egozentrisch nur weil es unser Hobby betrifft?

Gunnar

Dieses Bergverbot ist so ziemlich die unsinnigste Maßnahme von vielen anderen auch in der Krise. Leute, kapiert es endlich - das Virus hockt nicht wie eine Zecke am Wegrand und wartet auf vorbeistreunende Wanderer. Es fliegt auch nicht durch die Luft und springt uns ins Genick (Hinweis an alle die ich mit Schutzmaske auf dem Fahrrad oder sogar alleine in Auto sehe). Wie bitte soll ich bei verantwortungsbewußtem Bergwandern jemanden oder mich selbst anstecken, wenn dies selbst auf den belebten Joggingstrecken in der Stadt kaum möglich ist? Den Fuß kann ich mir auch beim Laufen verknacksen und brauche dann medizinische Hilfe. Hier werden von überambitionierten Politikern Maßnahmen festgelegt, die wissenschaftlich unsinnig sind und dann leider auch noch von den Medien unkritisch verbreitet werden. Diese Möchtegern-Hardliner haben am Beginn der Krise völlig versagt die gefährdeten Mitmenschen in Krankenhäusern und Altenheimen zu schützen, aber meinen jetzt sie müssten ihre Macht zeigen und ihre Muskeln spielen lassen.

Anonymer User über unser Voting-Tool

Jeder kann in seiner Umgebung aktiv sein ohne in die Berge zu fahren. Na klar, es fällt einem schon schwer nicht in die Berge zu fahren und dort unterwegs zu sein. Leider sieht man den Virus nicht. Manche von uns sind ggf. schon infiziert ohne größere Symptome und Probleme. Trotzdem können wir andere anstecken, denen es dann nicht so geht. Das kann auch bei einer Tour, wenn man mal jemanden trifft oder danach passieren. Wir können nicht alles kontrollieren- schon gar nicht unseren Körper- egal wie erfahren oder sportlich wir sind bzw, wie gut wir etwas können. Das können blöder Sturz, Umknicken oder sogar schlimmeres sein. Das habe ich selber vor Corona-Zeiten erlebt. Gott sei Dank, ist das schlimmste nicht passiert. Bin froh und dankbar noch am Leben zu sein. Da kann man auch anderes genießen und freut sich auf die Zeit, wenn es wieder in die Berge geht.

Anonymer User über unser Voting-Tool

Ein gewisses Mass an Normalität sollte man auch in Krisenzeiten bewahren. Solange man die Regeln des Social Distancing berücksichtigt und die Gefahr beim Sport bewusst minimiert passt das. Halt nur nicht übers Ziel hinausschiessen, sonst werden aus Empfehlungen Verbote.

Reni

Ja, man kann wirklich nicht genug darüber diskutieren, wenn man sieht wie ignorant hier einige denken. Bloß wehe - es geht mal um die eigenen Belange. Wir sind hier noch weit ab von einer sogenannten "Solidargemeinschaft". Dabei ist es ganz einfach, bestimmte Dinge im Moment sein zu lassen, die eine unnötige Rettungskette auslösen, dass das manch einer hier nicht kapiert, gruselt mich - sorry! Fehlt es denen an Phantasie Sport auch anders zu betreiben, als immer nur in die Berge zu rennen? Fühlt Ihr euch damit besser? Der Dachdecker muß hoch hinaus, weil er das Haus repairiert, wenn er verunfallt kann er nichts dafür. Es MUSS ja gemacht werden, sonst wir`ste naß. (betrifft auch alle anderen, die arbeiten gehen in dieser Zeit). Keiner ist vor Arbeitsunfällen gefeit - aber Freizeitunfälle kann man wohl minimieren.

Anonymer User über unser Voting-Tool

Nur weil ich nicht zur Risikogruppe gehöre habe ich nicht das Recht die Gesundheit anderer Menschen zu gefährden.

Seite 1 / 9 Next