Nach mehreren Rettungseinsätzen in den Alpen rufen Vertreter von Alpenvereinen und Bergrettungsdiensten Bergsportler erneut dazu auf, auf Touren zu verzichten.

Die Auswirkungen der Corona-Krise sind auch in den Alpen deutlich sicht- und spürbar: Die Skigebiete sind inzwischen flächendeckend geschlossen, Berg- und Schutzhütten stellen alpenweit den Betrieb ein und die großen alpinen Vereine sowie Bergrettungsdienste haben dazu aufgerufen, bis auf Weiteres auf Touren im alpinen Raum zu verzichten, um Ressourcen im Gesundheitssystem zu schonen.

Ungeachtet aller Appelle waren in den vergangenen Tagen - bei bestem Wetter - weiterhin viele Menschen im Gebirge unterwegs. Auch mit negativen Folgen:

Am Dienstag musste eine siebenköpfige Gruppe am Zwiesel (1781 m) in den Chiemgauer Alpen von der Bergwacht Inzell mit dem Rettungshaubschrauber ausgeflogen werden. Die Bergsteiger hatten sich rund 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels verstiegen und waren in Bergnot geraten.

Trotz Sperrung war am Donnerstag ein Mann in den Schlossberg-Klettersteig in Griffen (Kärnten) eingestiegen. Nachdem der erschöpfte 66-Jährige an der Schlüsselstelle nicht mehr weiter kam, setzte er einen Notruf ab. Er wurde daraufhin von der Bergrettung Bad Eisenkappel aus seiner misslichen Lage befreit. "Wir verstehen nicht, warum die Menschen sich nicht zurückhalten können", so ein Bergretter nach dem Einsatz.

Ebenfalls am Donnerstag war ein Skitourengeher auf der Reiter Alpe im Bereich des Kleinen Weitschartenkopf in Bergnot geraten. Der 51-jährige Alleingänger konnte aufgrund plötzlich auftretender gesundheitlicher Probleme seine Tour nicht mehr weiter fortsetzen und musste die Bergrettung alarmieren. Nach notärztlicher Erstversorgung wurde der Mann mit dem Hubschrauber ins Klinikum Traunstein geflogen.

Die jüngsten Einsätze nimmt auch Bergwacht-Regionalleiter Dr. Klaus Burger zum Anlass, noch einmal an die Vernunft von Bergsteigerinnen und Bergsteiger zu appellieren: 

"Wenn wesentlich mehr Menschen unterwegs sind, passiert tendenziell auch mehr. Die Bergsteiger müssen aber unbedingt bedenken, dass sie bei einem Notfall Kapazitäten binden und Engpässe im Rettungsdienst und in den Kliniken verschärfen, mithin auch tendenziell dazu beitragen, aktuell das Gesundheitssystem zu überfordern. Bewegung an der frischen Luft ist gesund, allerdings sollte jeder derzeit solidarisch Rücksicht auf die äußerst angespannte gesamtgesellschaftliche Situation nehmen."

Kann die "Egoisten am Berg" nicht verstehen: AVS-Präsident Georg Simeoni.

| © AVS

Der Präsident des Alpenverein Südtirol (AVS), Georg Simeoni, wird mit seiner Kritik noch etwas deutlicher:

"Es sind nach wie vor Egoisten unterwegs, die sich nicht an die Regeln halten. Diese Egoisten vergessen dabei aber, dass sie im Falle eines alpinen Notfalls die eh schon am Limit arbeitenden Rettungskräfte noch zusätzlich belasten. Die Situation darf unter keinen Umständen durch Unfälle von Freizeitsportlern zusätzlich verschärft werden", so Simeoni in der Online-Ausgabe der Neuen Südtiroler Tageszeitung.

19 Kommentare

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Klaus

Dann können wir uns die nächsten Monate bis Jahre weiter in der Wohnung verkriechen da Covid uns noch lange begleiten wird. Und in Österreich und Deutschland sind kaum Rettungskräfte überlastet durch Covid und schon recht nicht die Bergwacht. Und der vergleich mit Italien wäre der selbe wenn ich in Bayern nicht mehr Dusche um Wasser zu sparen weil in Verona oder Rom
Dürre herrscht und dort das Wasser knapp ist

Neutrino

Da es diese Egoisten, die meinen, für sie gelten klare Regelungen nicht, weil „sie es drauf haben“ oder weil „sie sich ihrer persönlichen Freiheiten nicht berauben lassen“, dann müssen Sanktionen eben richtig wehtun! Die Rettungsleistung richtig saftig in Rechnung stellen, obendrauf eine satte Strafzahlung !! Das wird Wirkung zeigen und im wiederholten Fall müssen die Probanden künftige Bergstürze wieder naturgetreu aufrichten;-))

Bergfreund

Bergettung ist wichtig und muss erhalten werden. Wo jedoch reiner Egoismus oder Selbstüberschätzung Ursache für eine unnötige Bergrettung sind, muss hart durchgegriffen werden. Der gesamte Rettungseinsatz gehört in Rechnung gestellt sowie ein Bußgeld für fahrlässiges Handeln. Und das bitte auf alle Titelseiten.

Ich kenne viele Bergbegeistere die jahrelang keinen Einsatz in Anspruch nehmen müssen, weil Sie ihre Grenzen kennen und mit Verstand entscheiden.

In der digitalen Happeninggesellschaft gehen für den Bergsport wesentliche Sinneseingenschaften verloren. Ich selbst habe schon auf das Smartphone glotzend mit Softschlappen behufte gesehen, die mit der Bergbahn nach oben gekarrt wurden und dann den Weg zu Fuß hinunter wählten. An der ersten Schlüsselstelle kam dann die Blockade.

Da mit Vernunft heute nicht mehr zu punkten ist, bin ich für Ranger mit entsprechender Befugnis am Berg, die in Vollzeit die Idioten vor schlimmeren Bewahren. Der hierfür eingesetzte Lohn wäre mit ein bis zwei dadurch vermiedene Heli-Rettungseinsätze wieder drinnen.


Arnold

Only one solution really: leave them.

Marcel Sebastian

Meinetwegen kann ja weiterhin alleine in die Berge gehen, aber man wird es doch wohl schaffen, aktuell seine Touren so zu wählen und sich so rücksichtsvoll zu verhalten, dass man nicht auf die Bergwacht angewiesen ist!

Bergfreund_Sachsen

Die Meinung vieler Leser ist eindeutig. Die Bergretter sollen diesen hirnlosen Egoisten den Rettungseinsatz getrost in Rechnung stellen und beim Betrag ruhig noch "eine Schippe" drauf legen!! Es reicht langsam mit dieser "Spaßgesellschaft-Mentalität" - ich kann alles, darf alles, die Welt gehört mir. Wenn selbst freundliche Appelle nicht greifen, muss man zu harten und schmerzlichen Bandagen greifen! Schade eigentlich, aber sonst begreifen die das nicht!

Reni

- na "Gott sei Dank" müssen ja jetzt die ganzen "Berghasen" zu Hause bleiben, vor allem werden endlich auch die gebremst, die es noch immer nicht verstehen - da hatte mal der Herr Söder "Eier". Warum das nicht die ganze Republik betrifft, ist zwar auch nicht zu verstehen - solch Situation rechtfertigt doch auch mal bestimmte Rechte zu verbieten, umso schneller das passiert umso eher seid ihr alle z. B. wieder auf dem Berg.
Die Chinesen scheinen es hinter sich zu haben, und wer ein bischen an seinem Leben hängt versteht diese Maßnahmen.
Ich kann auch nicht verstehen, dass viele nicht mal auf Sport verzichten können, davon stirbt man nicht - vom Virus vielleicht.

Christian Eickholz auf Facebook

Wenn ich das schon lese, siebenköpfige Gruppe hat sich verstiegen!? Jemand steigt in gesperrten Klettersteig!?
Diese idiotischen Egoisten sollen den Rettungseinsatz bezahlen und darauf noch eine kräftige Strafe!!! Ich geh ja auch nicht Gleitschirmfliegen! Finde es super aber hab weder Ausbildung noch Erfahrung!
Nicht jeder Depp ist für jede Sportart geeignet!!!

Volker Pasens auf Facebook

Es ist schon egoistisch genug aber dafür auch noch Rettungskräfte zu binden ist nicht zu verstehen. Es sollte dann eine Rechnung gestellt werden .

Mimi Felsl auf Facebook

Sorry, aber man ist versucht zu sagen: Lasst sie einfach hocken.
Geht natürlich nicht.

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