Die Eiger-Nordwand ist atemberaubend und furchteinflößend zugleich – ihre Durchsteigung ist der Traum vieler Alpinisten.

Drei Kilometer Klettern – 1800 Höhenmeter in anspruchsvollem Gelände: Das sind die Fakten der Heckmair-Route durch die Eiger-Nordwand. Doch eine Begehung ist mehr – sie ist eine Zeitreise durch die Geschichte: Hinterstoißer-Quergang, Todesbiwak, Götterquergang, Spinne – ständig kommt man an Orte, die aus Büchern und Filmen bekannt sind.

Die Anziehungskraft der Wand hält auch 77 Jahre nach der Erstbegehung durch Heckmair, Vörg, Kasparek und Harrer an. Es gibt kaum einen Alpinisten, der die Tragödien, Mythen und Rekorde nicht kennt. Die Durchsteigung in Fels, Eis und kombiniertem Gelände ist nach wie vor eine echte Herausforderung. Auch wenn der aktuelle Speed-Rekord bei 2:28 Stunden liegt, benötigen die meisten Begeher mindestens ein Biwak.

Durch die Klimaerwärmung herrschen die besten Bedingungen heutzutage nicht wie früher im Sommer, sondern meistens im Frühjahr und Herbst, wenn genug Schnee die brüchigen Passagen überdeckt, aber der steile Fels schon oder noch trocken ist. Auch wenn sich seit der Zeit der Erstbegeher einiges in Sachen Ausrüstung und Technik geändert hat, die Wand darf nicht unterschätzt werden. Sie bleibt erfahrenen Alpinisten vorbehalten.

Übersichtskarte
Klicken Sie auf die Karte für eine Großansicht. | © alpin.de

Durch den abwärts geschichteten Fels ist die Kletterei oft heikel und verlangt gute Technik. Die Absicherung besteht oft noch aus den Normalhaken der Erstbegeher und muss durch eigene Sicherungen ergänzt werden. Eine Begehung kommt nur bei absolut stabilem Wetter in Frage. Bei einem Wettersturz oder zu warmen Temperaturen kann die Wand schnell zur Falle werden.


Die Tour

Eiger (3970m): Heckmair-Route

Die Heckmair-Route durch die Nordwand des Eiger ist lang und anspruchsvoll – und eine echte Herausforderung für erfahrene Alpinisten.

Gesamtzeit: 2 Tage

Höhenmeter: 1800 Hm

Schwierigkeit: Hochtour, schwer

Beste Zeit: Februar – April und September – November

Talort: Grindelwald, 1034 m

Ausgangspunkt: Hotel Eigergletscher, 2320 m

Route:

Der Schwierige Riss
Die erste Schlüsselstelle ist der Schwierige Riss. | © Christoph Wolter und Lorin Etzel

Von der Station Eigergletscher der Jungfraubahn unter die Nordwand queren. Durch den Vorbau rechts vorbei am Zerschrundenen Pfeiler zum Beginn eines 40 Meter langen Quergangs, der zum Schwierigen Riss führt. Diesen hinauf und nach links querend zum Hinterstoißer-Quergang. Nach diesem gerade hoch ins Schwalbennest und weiter über das erste Eisfeld zum Eisschlauch, der zum zweiten Eisfeld führt.

Dieses queren und über das Bügeleisen zum Todesbiwak. Hier ist der geräumigste Biwakplatz der ganzen Route. Weiter über das dritte Eisfeld zur Rampe. Diese hinauf zum Wasserfallkamin und über das Rampeneisfeld zum Brüchigen Band.

Rechts queren und über den Götterquergang in die Spinne zur Wandmitte. Das Firnfeld hinauf bis zum Quarzriss. Nach diesem rechts auf einem Band zum Ausstiegskamin. Weiter auf das Gipfeleisfeld und über den Mittellegigrat zum Gipfel. Abstieg über die Westflanke.

ALPIN-Info: Eiger, 3970 m – Nordwand

Die Heckmair-Route ist aufgrund ihrer Länge, der Schwierigkeit und des anspruchsvollen Geländes nur etwas für erfahrene Alpinisten. Die Gesamtschwierigkeit ist TD+, im Fels müssen Stellen im V. Grad bewältigt werden.

Info:

Grindelwald Tourismus, Dorfstraße 110, CH-3818 Grindelwald, Tel. +41 33 8541212, www.grindelwald.ch

Quarzriss
Beherztes Zupacken und präzises Setzten der Steigeisen ist am Quarzriss gefragt. | © Christoph Wolter und Lorin Etzel

Anreise:

Mit dem Auto über Lindau und Bregenz in die Schweiz. Über Zürich und Luzern bis Interlaken, dann nach Grindelwald. Am Bahnhof Grindelwald Grund gibt es einen gebührenpflichtigen Langzeitparkplatz. Mit dem Zug über Zürich und Bern nach Interlaken Ost. Von dort fährt die Jungfraubahn.

Hütte:

Hotel Eigergletscher, Tel. +41 33 8287888, gletscherrestaurant@jungfrau.ch

Bergführer:

Grindelwaldsports Bergsportschule, CH-3818 Grindelwald, Tel. +41 33 8541280, www.grindelwaldsports.ch

Literatur:

Karl Hausmann: Clubführer Berner Alpen 4, Tschingelhorn bis Finsteraarhorn, SAC-Verlag, 1997. Heinrich Harrer: Die weiße Spinne, Ullstein Taschenbuch, 2001.

Karte:

Schweizer Landeskarte, 1: 25 000, Blatt 1229, Grindelwald.

Ausrüstung:

Steileis-, Fels- und Biwakausrüstung.

Text: Christoph Wolter

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