Überschreitung bei Sonnenaufgang

Bergportrait: Der Hohe Dachstein (2.995 m)

Der Hohe Dachstein ist ein Eldorado für Ferratisten und Alpinisten. Er hat mit der Südwand eine der bekanntesten Kletterwände der Ostalpen. Die Überschreitung in den frühen Morgenstunden lässt Alpinistenträume wahr werden.

Hoher Dachstein – Überschreitung bei Sonnenaufgang.
© Herbert Raffalt

Der Hohe Dachstein: Lage

Der Hohe Dachstein hat mit der Südwand eine der bekanntesten Kletterwände der Ostalpen. Sie wurde als unbezwingbar eingestuft, Dutzende Male von den Spitzenbergsteigern der damaligen Zeit erkundet und schließlich 1909 von den Steinerbrüdern Franz und Irg in einer legendären Aktion erstmals begangen – die Dachstein-Südwand. Der Steinerweg durch das zentrale Gemäuer ist bis heute die renommierteste Route durch diese Felslandschaft. 

Der Hohe Dachstein: Historisches

Einen ersten, nicht sehr ernsthaft vorgetragenen Besteigungsversuch unternahm bereits am 3. September 1810 F. J. Kleyle, der sich aber gerade einmal "1500–2000 Schritte“ auf den Hallstätter Gletscher vorwagte, ehe ihn ein Eisbauch zur Umkehr bewog. Nach mehreren erfolglosen Versuchen auf Betreiben des Erzherzogs Johann gelang Peter Gappmayr aus Filzmoos 1832 der große Wurf: Nachdem er schon mehrere Male auf dem Torstein gestanden hatte, erkletterte er den Westgrat des Hohen Dachsteins im Alleingang.

Ihm folgte als erster Tourist Peter Carl Thurwieser am 18. Juli 1834. Ab 1842 schwang Friedrich Simony das alpinistische Zepter am Dachstein. Viele Male sollte er bis ins Alter von 72 Jahren den Dachstein ersteigen. Besonders aufsehenerregend waren seine Übernachtungen auf dem Dachstein-Gipfel am 16. und 21. September 1842.

Die Kunde von diesen beiden extravaganten Vergnügungen drang bis in die höchsten aristokratischen Kreise um Erherzog Johann und Fürst Metternich vor und machte den Dachstein in der feinen Wiener Gesellschaft salonfähig.

Ein neues Kapitel in der alpinen Klettergeschichte schlugen 1909 die Ramsauer Brüder Georg und Franz Steiner auf: Die verwegenen Burschen wagten sich erstmals in die 850 Meter hohe lotrechte Südwand. Ihre Route im oberen fünften Schwierigkeitsgrad zählt noch heute zu den ganz großen Klassikern im österreichischen Fels.

<p>Magische Morgenstunden: Blick vom Dachstein zum Torstein.</p>

Magische Morgenstunden: Blick vom Dachstein zum Torstein.

© Herbert Raffalt

Toureninfo: Die Überschreitung des Hohen Dachsteins

Längst haben dank der Dachsteinbahn Bergsportler aller Disziplinen den höchsten Gipfel der Steiermark für sich entdeckt: Im Herbst trainieren die weltbesten Langläufer am ­Schladminger Gletscher, im Frühling rauschen die Tourenskifahrer durch das Edelgries und im Sommer ist der Dachsteinkalk fest in Kletterer- und Ferratisten-Hand. Und auf die klassischen Bergsteiger übt die Überschreitung des Dachsteins nach wie vor eine magische Anziehungskraft aus.

  • Schwierigkeit: Trotz der Seilbahnnähe ist der Hohe Dachstein ein hochalpiner Gipfel und seine Überschreitung eine anspruchsvolle Bergtour. Der Ostgrat und die Gipfelschlucht sind durchgehend mit Stahlseilen versichert. Bei großem Andrang muss in der Gipfelschlucht mit Steinschlag gerechnet werden. Im Abstieg ist an der Randkluft besondere Vorsicht angesagt: Der Spalt wird mit den Jahren immer breiter und die darüber hinweg führende Eisbrücke mit fortgeschrittener Jahreszeit immer dünner. Ein Stück unterhalb der Randkluft hat sich 2010 eine Spalte aufgetan, deren Überquerung gerade zu fortgeschrittener Jahreszeit am besten sorgfältig gesichert werden sollte. Beim Abstieg über den Westgrat trifft man nur stellenweise Versicherungen an, dazwischen Fels im I. Schwierigkeitsgrad. Für den Abstieg über den Gosaugletscher kann Anseilen nicht schaden, denn auch hier lauern Spalten.

  • Höhenmeter: 310 Hm, 21/2 Std. Aufstieg von der Bergstation, 2 Std. Abstieg über den Randkluftsteig

  • Ausrüstung: Komplette Hochtourenausrüstung mit Seil, Pickel und Steigeisen sowie Klettersteigausrüstung mit Helm und Klettersteigset

  • Talort: Ramsau, 1136 m.

  • Ausgangspunkt: Von der Ramsau führt eine Mautstraße zur Talstation der Dachsteinbahn. Bergstation am Hunerkogel, 2685 m.

  • Hütte:Seethalerhütte, 2740 m (ehemals Dachsteinwartehütte). Anfang Juni bis Anfang Oktober und Anfang Februar bis Ende März bewirtschaftet. alpenverein.at/seethalerhuette

  • Route: Auf der Pistenraupenspur quert man über den Gletscher zum Dirndl. An dessen Fuß befindet sich ein riesiger Windkolk, hier tritt der Dachstein erstmals in Erscheinung. In einem sanften Linksbogen geht’s leicht ansteigend zur neuen Seethalerhütte auf der Dachsteinwarte und an den Sockel des Dachstein-Ostgrates. Man folgt den Seilversicherungen bis zur Dachsteinschulter und über diese hinweg an den Gipfelaufbau, wo man auf dem breiten Mecklenburger Band nach rechts in die Gipfelschlucht quert. Von hier leiten Seilversicherungen geradewegs hinauf zum Gipfel.

  • Abstieg: Durch die Gipfelschlucht auf den Hallstätter Gletscher und im Bogen nach rechts zurück zur Bergstation, 2 Std.

  • Tipp: Die Dachsteinbahn (derdachstein.at) bietet in regelmäßigen Abständen Sonnenaufgangsfahrten. Wer die nutzen kann, genießt den Berg in zauberhaftem Licht und obendrein allein.

  • Weitere Routen: Schöner und vor allem weniger frequentiert ist der Abstieg über den Westgrat auf den Gosaugletscher mit Rückkehr über die Steinerscharte zur Bergstation, 3,5 Std. Für Klettersteigfans gibt’s seit 2010 in der Kombination der Klettersteige "Anna" und "Johann" eine neue "Superferrata" hinauf zur Dachsteinwarte. Eine Route für den gehobenen Anspruch und mit 8 Std. Aufstiegszeit von der Talstation nur für kräftige Bizeps und stramme Wadln.

<p>Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs</p>

Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs

© Tyrolia Verlag

Mit freundlicher Genehmigung aus:

Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs

Autor: Robert Demmel mit Fotografien von Herbert Raffalt und Bernd Ritschel

Preis: 29.95 EUR

Details: 240 Seiten mit 300 farb. Abbildungen und 52 Kartenskizzen

Text von Robert Demmel

1 Kommentar

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Mari auf Facebook

Würde auf jeden Fall den Abstieg über den Westgrat wählen. Während über Randkluft und Schulter sich die Massen hoch drücken kann man völlig ruhig und stressfrei über den Westgrat absteigen