Zu Fuß über die Alpen

Wander-Abenteuer Transalp: in 6 Routen über die Alpen

Sechs ausgesuchte Alpenüberquerungen zu Fuß sowie praktische Tipps & Tricks, mit denen ihr auch garantiert ans Ziel kommt! Jetzt passende Route aussuchen und die oft tristen Monate im Herbst und Winter nutzen zum Schmökern, Planen und Vorfreuen!

Transalp heißt Wandern zu den schönsten Stunden am Berg: hier an der Ramolalm.
© Bernd Ritschel

Eine Alpenüberquerung zu Fuß ist das Traumziel vieler Fernwanderer. Mehrere Tage am Stück laufen, die Nacht am Berg verbringen und morgens direkt in die nächste Tour starten. Die Traumtour will aber gut gewählt sein. Wir haben euch 6 Routen über die Alpen zusammengestellt – von der einfachen Tour für Genießerinnen in acht Tagen von Oberstdorf nach Meran bis zur schweren Tour für Weitwanderer in 69 Tagen von Wien an den Lago Maggiore.

Transalp für Einsteiger: Auf dem E5 von Oberstdorf nach Meran

Der Klassiker unter den Fernwanderwegen und mit Sicherheit eine der meistgeführten Transalp-Routen. Wer diese Route auf eigene Faust wandern möchte, sollte sich fernhalten von Starts an Wochenenden, Brückentagen und Ferien. Denn dann sind die zentralen Hütten dieser Route mit Sicherheit an oder über ihrer Kapazitätsgrenze. 

Und dennoch: Das Herzstück des Europäischen Fernwanderwegs E5 (der von Konstanz nach Verona führt) ist nicht umsonst ein Klassiker: Start ist in den herrlichen Grasbergen rund um Oberstdorf, an denen die Blumen bis weit hinauf auf den Wiesen blühen und die Landschaft schroff und lieblich zugleich ist. Über die Seescharte steigt man in die wilden Lechtaler Alpen und gelangt über das Pitztal in die zentralen Ötztaler Alpen mit ihren immer weiter ausapernden Gletschern. Wer will, macht hier einen kleinen Abstecher zum Hauslab- und Tisenjoch, unterhalb von Fineilspitze und Similaun, wo Ötzi schon vor gut 5000 Jahren die Alpen überquerte und wo er 1991 gefunden wurde. Von dort führt die Route hinab zum Vernagt-Stausee und weiter auf dem herrlichen Meraner Höhenweg, der schließlich ins Palmen-besäumte mediterran anmutende Meran leitet.

  • Wanderung, mittel

  • 8 Tage | 50:45 Std.

  • 6520 Hm Aufstieg, 8820 Hm Abstieg

  • Beste Zeit: Juli bis September.

  • Ausgangspunkt: Bahnhof Oberstdorf, 815 m.

  • Endpunkt: Bahnhof Meran, 330 m.

  • Anreise: Mit der Bahn von München nach Oberstdorf. bahn.de

  • Rückreise: Per Bahn (öfter Umsteigen) nach München. trenitalia.com. Alternativ gibt es mehrere Busanbieter.

<p>Beliebtes Tagesziel am E5: Die Memminger Hütte.</p>

Beliebtes Tagesziel am E5: Die Memminger Hütte.

Alpenquerung für erfahrene Wanderer: Auf dem L1 von Garmisch nach Brescia

Nur ein weiterer Fernwanderweg? Nicht ganz! Denn die Route von Garmisch nach Brescia zählt nicht umsonst zu den längeren Unternehmungen in Sachen Transalp. Entstanden ist diese Durchquerung im Jahr 1989 (den Traumpfad München – Venedig beschrieb Ludwig Graßler erstmals 1977).

Der „Erfinder“ Hans Losse war mit den damals bekannten, heute klassischen Strecken nicht recht zufrieden und entwickelte daher selbst mit dem L1 (an die E-Bezeichnungen der Fernwanderwege angelehnt) eine anspruchsvolle Route über oft einsame Bergpfade, auf deren spätestens südlichem Teil man noch echte Bergeinsamkeit erleben kann. Dabei war Losse wichtig, dass die Strecke durch drei Länder, Wettersteingebirge, Stubaier und Ötztaler Alpen, Ortler- und Adamellogruppe sowie die Brescianer Voralpen ganz ohne Transportmittel wie Bus, Bahn oder Taxi zu meistern ist. Und das ist mit dem L1 gelungen: ein abwechslungsreicher, in sich stimmiger Weg, ein Fest des Wanderns und Bergsteigens für Trittsichere, Konditionsstarke und Schwindelfreie.

  • Wanderung, schwer

  • 30 Tage | 185:30 Std.

  • 28.690 Hm Aufstieg, 29.080 Hm Abstieg

  • Beste Zeit: Juli bis September.

  • Ausgangspunkt: Bahnhof Garmisch-Partenkirchen, 708 m.

  • Endpunkt: Bhf. Brescia, 150 m.

  • Anreise: Per Bahn nach Garmisch-Partenkirchen. bahn.de

  • Rückreise: Per Bahn (öfter Umsteigen) nach München. trenitalia.com Oder per FlixBus mehrmals täglich ab Brescia. flixbus.de

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Die Alpenquerung: Vom Tegernsee nach Sterzing

Die Alpenüberquerung vom Tegernsee nach Sterzing ist im Vergleich mit anderen Transalps eher gemütlich und kann von jedem Wanderer mit solider Kondition bewältigt werden. Wer es ganz bequem möchte, kann die Tour auch buchen (die-alpenueberquerung.com) – mit Hotelübernachtung, Gepäcktransport und Transfer zurück an den Tegernsee. 

<p>Vom Pfitscherjoch geht’s auf die letzten Etappen durchs Pfitschertal nach Sterzing.</p>

Vom Pfitscherjoch geht’s auf die letzten Etappen durchs Pfitschertal nach Sterzing.

© die-alpenquerung.com / Klaus Kranebitter

Der Startpunkt liegt im oberbayerischen Gmund. Von dort führt uns die Route über die Blauberge, die uns richtig eintauchen lassen in die Berge. Der Mariensteig am Westufer des Achensees gehört sicher zu den schönsten Abschnitten der Tour. Weiter geht es in die Tuxer Alpen mit dem Kellerjoch als Highlight. Schließlich erreicht man die Zillertaler Alpen und überquert vom Schlegeisspeicher aus am Pfitscherjoch den Alpenhauptkamm. Von da an geht’s bergab – durch das Pfitschertal hinaus nach Sterzing.

  • Wanderung, mittel

  • 9 Tage | 39:15 Std.

  • 3440 Hm Aufstieg, 3810 Hm Abstieg

  • Aktuelle Informationen zur Alpenüberquerung Tegernsee – Sterzing: die-alpenueberquerung.com

  • Beste Zeit: Juli bis September.

  • Ausgangspunkt: Bahnhof Gmund, 740 m.

  • Endpunkt: Sterzing, 945 m.

  • Anreise: Mit der Bahn (BOB) von München nach Gmund am Tegernsee. bahn.de

  • Rückreise: Mit der Bahn von Sterzing über Bruneck zum Brenner oder über Spittal nach Salzburg und zurück zum heimatlichen Bahnhof.

Alpenquerung von Berchtesgaden nach Lienz: Vom Königssee durch die Hohen Tauern

Schöner kann eine Alpenüberquerung nicht beginnen: Mit einem der Elektroboote überquert man frühmorgens, vorbei an Felswänden und bewaldeten Uferzonen, den türkisblauen Königssee. Hinter St. Bartholomä taucht man ein in die Stille des Nationalparks Berchtesgaden, einem der schönsten Flecken der Ostalpen. Nach der spannenden Überschreitung des Steinernen Meers und einem steilen Abstieg über die Südflanke erreicht man Maria Alm. In gut einem Tag durchquert man dann die Salzburger Schieferalpen, auch Salzburger Grasberge genannt, da sie mit ihrem lieblichen Grün einen herrlichen Kontrast bilden zum Blick zurück auf das wilde Steinerne Meer und zum Blick voraus auf die mächtige Tauernkette. 

<p>Durch die Tuxer Berge zum Alpen-Hauptkamm: Hinten rechts grüßt schon der Olperer, an dem vorbei wir zum Pfitscherjoch wandern.</p>

Durch die Tuxer Berge zum Alpen-Hauptkamm: Hinten rechts grüßt schon der Olperer, an dem vorbei wir zum Pfitscherjoch wandern.

Der Tauern-Hauptkamm wird an einer seiner interessantesten Stellen, der Pfandlscharte, überquert. Über drei Tage bewegt man sich in unmittelbarer Nähe des Großglockners. Das Landschaftsbild ändert sich: karge Vegetation und wilde Gletscher. Die Routenwahl ist allerdings so, dass keine Gletscherausrüstung benötigt wird. Die letzten drei Etappen führen durch die stille und sehr ursprüngliche Schobergruppe. Je näher man der Stadt Lienz kommt, desto lieblicher wird die Landschaft. Aber der Blick auf die Lienzer Dolomiten weckt schon neue Sehnsuchtsziele.

  • Wanderung, mittel

  • 9 Tage | 49:30 Std.

  • 7620 Hm Aufstieg, 7890 Hm Abstieg

  • Weitere Infos zur dieser Transalp: berchtesgaden-lienz.de

  • Beste Zeit: Juli bis September.

  • Ausgangspunkt: Sankt Bartholomä, 604 m.

  • Endpunkt: Lienz, 673 m.

  • Anreise: Mit der Bahn nach Berchtesgaden. Weiter mit dem Bus Nr. 841 nach Königssee. bahn.de

  • Rückreise: Mit der Bahn von Lienz.

<p>Das Riemannhaus mit Blick auf die Hohen Tauern.</p>

Das Riemannhaus mit Blick auf die Hohen Tauern.

© Christof Herrmann

Transalp von Salzburg nach Triest: Berchtesgaden, Hohe Tauern und der Triglav

Inspiriert von Ludwig Graßlers Weitwanderbibel „Zu Fuß über die Alpen“ wurde die Route Salzburg – Triest vom Autor des gleichnamigen Rother-Wanderführers Christof Herrmann vor etwa zehn Jahren konzipiert. Über gut 25.000 Höhenmeter im Aufstieg und ein paar mehr bergab durchquert der Pfad auf 28 Etappen u. a. die drei Nationalparks Berchtesgaden, Hohe Tauern und Triglav. Die lange, aber nur selten technisch anspruchsvolle Route brilliert mit grandiosen Berglandschaften ganz unterschiedlichen Charakters.

Und wenn am letzten alpinen Pass nach 23 Etappen in der Ferne erstmals die Adria zu erkennen ist, gibt das der Motivation für die letzten Wandertage den entscheidenden Schub nach vorn. Das Finish darf dann auf der zum Meer hin offenen Piazza dell’Unita d’Italia gefeiert werden – Gratulation!

  • Wanderung, mittel

  • 28 Tage | 190 Std.

  • 25.350 Hm Aufstieg, 25.910 Hm Abstieg

  • Beste Zeit: Juli bis September.

  • Ausgangspunkt: Salzburg, Kurpark, 429 m.

  • Endpunkt: Triest, 2 m.

  • Anreise: Mit der Bahn aus Deutschland über München oder von Wien nach Salzburg. bahn.de

  • Rückreise: Mit der Bahn von Triest über Venedig oder Udine zurück zum heimatlichen Bahnhof.

Produkttest 2022: Bergschuhe
9 feste Bergschuhe im Test
Produkttest 2022: Bergschuhe

Freunde der längeren Touren beim Bergwandern und Trekking scharren schon mit den Hufen. Die Sommer-Bergsaison naht und anspruchsvolle Gipfel locken. ALPIN hat neun feste Berg- bzw. Trekkingschuhe getestet.

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Transalp XXL: Von Wien an den Lago Maggiore

Stolze 1300 Kilometer umfasst diese Ost-West-Durchquerung der Ostalpen von Wien an den Lago Maggiore – ein Lebenswerk für Genuss geher, ein ganzer Bergsommer für alle, die diese Distanz in einem Stück begehen. Der Clou der Tour ist der Routenverlauf auf der Alpensüdseite, was ein längeres Zeitfenster für die Begehung und mehr Spielraum bei der Tourenplanung nach sich zieht. 

Die Route startet im Wienerwald und leitet über Graz, die Julischen und Karnischen Alpen in die Dolomiten. Über Meran, das Stilfser Joch und durch das südliche Graubünden gelangt man an den Lago Maggiore. Nach weit mehr als zwei Millionen Schritten ist hier nach mindestens 69 Tagen das ganz große Ziel erreicht.

  • Wanderung, mittel

  • 69 Tage | 495 Std.

  • 61.670 Hm Aufstieg und 61.430 Hm Abstieg

  • Anreise: Mit der Bahn aus

  • Beste Zeit: Juli bis September.

  • Ausgangspunkt: Wien Grinzing, 230 m.

  • Endpunkt: Magadino am Lago Maggiore, 193 m. Von dort Fähre nach Locarno, ascona-locarno.com

  • Rückreise: Mit der Bahn von Locarno über Bellinzona und Zürich zurück nach Deutschland, bahn.de

<p>Unter Lang- und Plattkofel (l.) schlängelt sich Etappe 45 dieser Transalp vom Rifugio Salei zum Tierser Alpl entlang.</p>

Unter Lang- und Plattkofel (l.) schlängelt sich Etappe 45 dieser Transalp vom Rifugio Salei zum Tierser Alpl entlang.

© Stefan Herbke

8 Tipps: Transalp leicht gemacht

Zum Abschluss haben wir noch acht Tipps & Tricks für euch zusammengestellt, damit eure Alpenüberquerung zu Fuß nicht zur Qual wird: Vorbereitung & Training, die richtige Ernährung, die passende Ausrüstung und die richtige Technik für unterwegs.

Text von Petra Darchinger, Robert Demmel, Andreas Erkens

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