ALPIN sprach mit Ingmar Anderson, dem CR-Manager, und Christian Ludy, dem technischen Leiter, beide Lowa, über den edlen Werkstoff.

Ist chromgegerbtes Leder gesundheitsschädigend?

Das kann man unserer Meinung nach nicht verallgemeinern. Chrom als Schwermetall ist natürlich ein giftiger Stoff, aber die entscheidende Frage ist, welches Chrom im Leder gebunden ist. Man muss hier zwischen Chrom III und Chrom VI unterscheiden. 

Chrom III ist unbedenklich, es besteht aber die Problematik, dass sich Chrom III durch Sauerstoff und/oder durch falsche Lagerung der Häute im Lauf der Zeit bzw. durch Einfettung in giftiges Chrom VI umwandeln kann. Häufig entsteht ein verstörender Eindruck, wenn man Bilder aus Gerbereien in Asien sieht, wo Menschen barfuß in Gerbgruben stehen.

Dort wird mit Chrom VI gegerbt, da es als Gerbstoff deutlich günstiger ist als Chrom III. Während des Gerbvorgangs wird dann versucht, das Chrom VI auf Chrom III zu reduzieren. Aber trotzdem bleiben immer Reste von Chrom VI im Leder. Leder aus Asien ist zwar vergleichsweise billig, aber eben auch nicht immer unbedenklich. 

In Europa ist Chrom VI verboten, und man gerbt mit Chrom III. Anschließend werden die Häute gewässert, um überschüssiges Chrom III auszuwaschen. Somit ist Chrom III ausschließlich im Leder gebunden und kann sich nicht auf die Haut übertragen. Bei Lowa achten wir außerdem sehr darauf, dass die gelagerten Leder stichprobenartig überprüft werden, um eine Umwandlung von Chrom III in Chrom VI auszuschließen.

Ganz entscheidend ist also auch, wo das Leder eingekauft wird?

Unbedingt. Wir beziehen unser Oberleder zu 70 Prozent von der Gerberei Heinen, eine der führenden Gerbereien in Deutschland, die keinen einzigen Herstellungsprozess ausgelagert haben und somit beste und vor allem unbedenkliche Lederqualität garantieren können. Das ausgesprochen nachhaltige Firmenkonzept von Heinen zeichnet sich durch eine sehr effiziente und ressourcenschonende Produktion von Leder aus.

Es gibt auch pflanzlich gegerbtes, sogenanntes vegetabiles Leder und chromfreies Leder auf dem Markt. Sind das Alternativen?

Leder wird aufgrund der wachsenden Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zweifelsohne eine Alternative werden. Bei vegetabilem Leder wird kein Schwermetall, sondern der Gerbstoff eines nachwachsenden Rohstoffs aus Blättern, Rinde oder Hölzern für den Gerbvorgang verwendet. 

Der längere Fertigungsprozess bedingt hierbei jedoch einen höheren Energie- und vor allem Wasserverbrauch. Wir verfolgen die Entwicklungen beim vegetabilen Leder mit großem Interesse, können es aktuell aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften aber nur in einigen Bereichen einsetzen. 

Mit der Chromgerbung erreicht man derzeit einfach das optimale Ergebnis, was Haltbarkeit, Strapazierfähigkeit und Langlebigkeit des Leders anbelangt. Gerade im Bergschuh-Segment sind diese Dinge maßgeblich, auch was die Nachhaltigkeit anbelangt. 

Der größte Hebel für ein nachhaltiges Produkt ist immer noch die Langlebigkeit. Eine weitere Alternative ist chromfreies Leder. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass dieses Leder pflanzlich gegerbt wurde, es wurde nur auf Chrom verzichtet. Chrom wird bei der chromfreien Gerbung durch andere Metalle ersetzt. Das wird leider oft falsch verstanden und der Endverbraucher geht davon aus, dass „chromfrei“ pflanzlich bedeutet.

Als Kunde sollte man also unbedingt darauf achten, einen Bergschuh zu kaufen, den man möglichst lange tragen kann?

Ja, man sollte lieber etwas mehr Geld in die Hand nehmen und ein hochwertiges Produkt kaufen. Wenn qualitativ hochwertiges Material auf gute Verarbeitung trifft, sind Langlebigkeit und somit auch Nachhaltigkeit garantiert. Wenn der Schuh dann auch noch reparaturfähig ist, wird die Haltbarkeit noch mal verlängert. 

Als Kunde kann man zusätzlich darauf achten, ob im Schuh recycelte Materialien verarbeitet wurden oder ob bei der Herstellung auf bestimmte Schadstoffe verzichtet wurde. Ein wichtiger Punkt ist auch, wo und wie der Schuh produziert wurde. Lowa produziert in Europa, ein Code of Conduct garantiert faire Entlohnung und Arbeitsbedingungen. 

Gleichzeitig ergeben sich durch die kürzeren Transportwege erhebliche Einsparungen beim CO²-Ausstoß. Kurz gesagt: Langlebige Materialien und eine Produktion in Europa ergeben einen rundum nachhaltigen Lederschuh. Und wer darüber hinaus kompetente Auskünfte zu nachhaltiger Produktion und Material erhalten will, kann sich jederzeit an den entsprechenden Hersteller wenden.

Wir haben zehn nachhaltige Hardshell-Jacken für euch getestet. Klickt euch durch den Test:

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