Zum 10. Todestag der Kletter-Legende Kurt Albert veröffentlicht ALPIN-Autor Tom Dauer dessen Biografie.

Kurt Albert: frei denken - frei klettern - frei sein

Kurt Albert (1954 – 2010) schrieb mit der Erfindung des Rotpunkts Klettergeschichte und zählte zu den Pionieren der Freikletterbewegung. Zehn Jahre nach seinem tödlichen Unfall ist die Biografie von Tom Dauer "Kurt Albert: frei denken - frei klettern - frei sein" erschienen. 

© Christoph Stiegler

Unser Portalmanager Holger Rupprecht hat das Buch gelesen:

Als Rezensent sollte man sich seinem Objekt unvoreingenommen nähern. Das ist mir in diesem Fall nicht möglich.

Als in der Fränkischen Kletter-Sozialisierter war Kurt Albert einer meiner Helden. In der Zeit, als ich bei Kurts Freund Norbert Sandner Kletter-Unterricht genoss, wohnte ich in einer WG gut zwei Kilometer entfernt von Oberschöllenbach, wo Kurt Albert, Wolfgang Güllich und andere viele Jahre in ihrer legendären WG zusammenlebten und von dort aus die Kletter-Welt aus den Angeln hoben.

Tom Dauer, dem Autor der Biographie, wiederum bin ich seit Jahren beruflich verbunden. Tom schreibt in ALPIN die immer lesenswerte Kolumne "Von Draußen". Ich schätze seinen Stil. Und ich schätze Tom.

Nein, unvoreingenommen konnte ich diese Biografie nicht lesen, sowohl Schreibendem als auch Beschriebenem stehe ich hierfür zu wohlwollend gegenüber.

Das Gute aber ist: Es braucht dieses Wohlwollen überhaupt nicht, um die Biografie von Tom Dauer über Kurt Alberts Leben ganz famos zu finden!

Das Buch ist äußerst unterhaltsam, spannend und mit viel Liebe geschrieben sowie überaus sorgfältig und akribisch recherchiert. 

Seite um Seite wird man hineingezogen in die wilde Kletterzeit der 70er, 80er, 90er und Nuller-Jahre, als von Kurt und seinen Kameraden wie beispielsweise Wolfgang Güllich, Bernd Arnold und Stefan Glowacz Kletter-Geschichte und Geschichten geschrieben wurden. 

© Archiv Kurt Albert

Man lernt viel über die Historie des Freikletterns an Hot und Cold Spots im Frankenjura, in den Alpen, im Yosemite, in Patagonien oder im Karakorum und versteht, warum diese Form des Kletterns nicht einfach nur ein Sport war, sondern eine Art zu leben, eine Subkultur, die sich ganz im Geist der revolutionären Zeiten bewusst abgrenzen wollte gegenüber als angestaubt empfundenen (Bergsteiger-)Traditionen, Werten und Denkmustern.

Dabei schmunzelt man über Anekdoten, die man bereits kannte und lacht herzhaft über jene,die man noch nicht kannte. Doch das Bucht ist nicht einfach nur gute Unterhaltung und lehrreiche Kletter-Chronologie: Tom, der selbst mit Kurt am Berg unterwegs war, schafft es, die Werte des "Vaters des Rotpunktgedankens" und dessen kompromisslosen Lebensstil näherzubringen und weckt so beim Leser Fragen an das eigene Leben und Tun. 

Viele tolle Bilder: Die Biografie überzeugt auch durch ihre Ausstattung.

Viele tolle Bilder: Die Biografie überzeugt auch durch ihre Ausstattung.

| © Tyrolia Verlag

Wäre ein Leben wie Kurt es führte erstrebenswert? Möchte man bürgerliche Sicherheit gegen die große Freiheit eines abenteuerlichen Kletter- und Expeditionslebens tauschen? Was wäre der Preis? Und wäre man bereit, ihn zu zahlen? 

Im Buch ist zudem eine außerordentlich große Zahl an sehenswerter Fotografien zusammengetragen, so dass nicht nur Toms anschauliche Sprache ein exaktes Bild von Kurt und seinen Weggefährten zeichnet.

Meine zugegeben voreingenommene aber wie ich fest glaube dennoch objektive Empfehlung für alle Kletter- und Bergbegeisterten lautet: Kauft dieses Buch und macht Euch schöne Vorweihnachtslesestunden. Kauft es ein zweites Mal und legt es einem Kletter-Freund oder einer Kletter-Freundin unter den Baum!

  • Autor: Tom Dauer:

  • Titel: Kurt Albert - Frei denken – frei klettern – frei sein

  • Preis: 29,95 Euro

  • Verlag und Vertrieb: tyrolia-verlag.at

Text von Holger Rupprecht

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