Medizin

Das hilft bei Allergie

Die Nase läuft, die Augen jucken. 18 Millionen Deutsche reagieren allergisch auf Pollen. Wir sagen Ihnen, welche Behandlungsmethoden Linderung schaffen.

Das hilft bei Allergie
Pollenallergie! Rund 18 Millionen Deutsche kennen das Problem. Foto: dpa.
Pollenallergie! Rund 18 Millionen Deutsche kennen das Problem. Foto: dpa.

Es ist immer das gleiche Theater: Die Augen brennen, die Nase trieft und juckt, die Haut kratzt. Auf rund 18 Millionen schätzen Experten die Zahl der Pollenallergiker in Deutschland. Manche leiden nur ein paar Tage, andere Wochen und Monate. "Die Pollenflug- Saison dauert inzwischen fast das ganze Jahr: Sie beginnt im Dezember/Januar mit der Erle und der Hasel und endet im September/Oktober mit dem Beifuß und den Pilzsporen", sagt Dr. Beate-Charlotte Schott, Allgemeinärztin und Allergologin aus Frankfurt am Main.

Aus den USA droht weiteres Ungemach

Und eine neue, eine sprichwörtliche Pollenschleuder könnte weiteres Ungemach bringen: Die hoch allergisch wirkende Ambrosia, ein aus den USA eingeschlepptes Beifuß- Gewächs, breitet sich in ganz Europa aus - auch in manchen Gegenden Deutschlands ist es bereits zu finden.

Solange die Beschwerden nicht zu stark und zeitlich eng umrissen sind, versuchen sich viele Betroffene mit dem Problem zu arrangieren. Einige Tage zu leiden, halten sie für akzeptabel. "Das geht bis zu einem gewissen Grad, doch die Pollenallergie steht nicht still", sagt Schott. "Zum einen werden die Beschwerden intensiver und zum anderen kann sich die Allergie auf weitere Stoffe ausdehnen." Viele Betroffene gelangen irgendwann an den Punkt, an dem sie sich für eine Therapie entscheiden.

Therapie? Der Herbst ist der ideale Zeitpunkt

"Eine Pollenallergie ist keine Erkrankung, die man tatenlos hinnehmen muss", erklärt Schott ihren Patienten immer wieder. "Jetzt im Herbst ist der ideale Zeitpunkt, um mit einer grundlegenden Therapie zu beginnen." Denn: Im Herbst fliegen keine Pollen, sodass die Kranken beschwerdefrei sind.

Aus diesem Grund empfehlen Allergologen diese Jahreszeit für den Start einer "spezifischen Immuntherapie". Vor einigen Jahren hieß das Verfahren noch "Hyposensibilisierung". Auch wenn der Begriff heute eher unüblich ist, beschreibt er doch gut, was bei der Behandlung passiert: Sie zielt darauf ab, die Aktivität eines teilweise zu fein eingestellten Immunsystems herunterzufahren.

Denn bei allergischen Reaktionen - ob Asthma oder Heuschnupfen - besteht das Problem in einem fehlerhaften Immunsystem. Es reagiert unpassend und übermäßig auf Stoffe, die es eigentlich ignorieren sollte. Die spezifische Immuntherapie macht sich eine einfache Idee zu eigen: Der Körper soll sich an die krankmachenden Pollen so sehr gewöhnen, dass er bei einem erneuten Kontakt nicht mehr allergisch reagiert. Schott: "Diese Gewöhnung an die Allergene geht allerdings nicht von heute auf morgen, sondern braucht Zeit." Drei bis fünf Jahre, um genau zu sein. So lange dauert die Therapie; so lange wird der Betroffene regelmäßig mit den problematischen Allergenen konfrontiert.

Die klassische erfolgversprechendste Behandlungsvariante: Spritzen

Es gibt verschiedene Behandlungsvarianten. Die klassische ist zwar mit Pieksern verbunden, aber sie verspricht den größten Erfolg: Bei ihr wird das betreffende Allergen regelmäßig unter die Haut gespritzt. "Zu Beginn wird über einen bestimmten Zeitraum hinweg die Konzentration des Allergens allmählich erhöht", erklärt Schott. In der Regel dauert diese Hochdosierungsphase mehrere Wochen. Soll die Zeit auf wenige Tage verkürzt werden, muss der Betroffene dafür ins Krankenhaus. Im Verlauf der Therapie reicht dann eine Spritze im Monat, um die Allergenkonzentration im Körper auf dem gewünschten Niveau zu halten.

Seit einigen Jahren gibt es die spezifische Immuntherapie auch in anderer Form: Statt Spritzen kommen Tropfen zum Einsatz. Täglich tröpfelt sich der Betroffene ein wenig Allergenlösung unter die Zunge. "Auch hier wird in der Anfangsphase die Konzentration allmählich erhöht", erklärt Schott. Diese Behandlungsform ist etwas schonender und auch praktischer, weil regelmäßige Praxisbesuche wegfallen. Allerdings erfordert sie sehr viel Disziplin von den Betroffenen: Denn werden die Tropfen öfter mal vergessen, nimmt die Erfolgsquote rapide ab. "Die Spritzentherapie ist augenblicklich noch die Methode der Wahl", sagt Schott.

Die Behandlung dauert Jahre - unabhängig von der gewählten Variante

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Welche Variante auch immer gewählt wird, die Behandlung zieht sich stets über Jahre hin. Erste Erfolge spüren die Betroffenen aber schon in der folgenden Pollenflugsaison. "Die Beschwerden werden meist abgeschwächt und sind besser zu ertragen", bestätigt Schott und weist darauf hin, wie wichtig Durchhalten ist: "Denn die Chancen stehen ausgezeichnet, dass sich ein dauerhafter und durchschlagender Erfolg einstellt." Bei der Mehrheit der Patienten bessert sich die Allergie.

Die Behandlung ist umso wirksamer, je früher sie beginnt. Das bedeutet: Sie kann auch schon bei Kindern angewandt werden. Das ist nicht nur wichtig, um die Beschwerden der Kleinen zu lindern, sondern auch, um eine Verschlechterung zu verhindern. "Es besteht durchaus das Risiko, dass sich aus einer Pollenallergie eine Asthmaerkrankung entwickelt", erklärt Schott. "Die spezifische Immuntherapie senkt diese Gefahr erheblich. Sie ist eine wichtige Vorbeugungsmaßnahme."

Text: Dr. Ralph Müller-Gesser

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