Medizin

So versorgen und verhindern Sie einen Wespenstich

Bei der Behandlung von Bienen- und Wespenstichen gibt es einiges zu beachten. Hier die wichtigsten Tipps und Infos, wenn die schwarz-gelbe Gefahr zusticht...

So versorgen und verhindern Sie einen Wespenstich
Schönes Tier, schmerzhafter Stich: Eine Wespe ist nicht immer gern gesehen. Bild: Digitalstock.
Schönes Tier, schmerzhafter Stich: Eine Wespe ist nicht immer gern gesehen. Bild: Digitalstock.

Ein wunderbarer Sommertag. Die Sonne lacht, der Berg ruft... und die Biene sticht. Autsch! Trotz aller Vorsicht, zwischen März und Oktober kommen Bienen- und Wespenstiche immer wieder vor. Meist ist das zwar unangenehm, aber kein Grund zur Beunruhigung. Sicher, es schmerzt und die Einstichstelle schwillt an. "Aber bei den meisten Menschen reicht es aus, wenn sie ein paar einfache Maßnahmen ergreifen, um die Beschwerden zu lindern", sagt Dr. Brigitte Coras. Die Hautärztin und Allergologin ist Oberärztin an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin am Klinikum München-Schwabing.

Hautärztin und Allergologin: Dr. Brigitte Coras.
Hautärztin und Allergologin: Dr. Brigitte Coras.

Das heißt zunächst: Vorsichtig den Stachel mit einer Pinzette entfernen oder mit dem Fingernagel wegkratzen. "Dabei sollte man den Giftsack, der oft am Stachel hängt, möglichst nicht berühren, damit kein weiteres Gift in den Körper gelangt und die Beschwerden verstärkt", sagt Coras. Anschließend die Einstichstelle mehrere Minuten mit Eis oder Wasser kühlen und dann eine Lotion auftragen, die den Juckreiz lindert. Ausnahme sind Stiche in den Hals oder in den Mund. "Hier besteht die Gefahr, dass die Atemwege zuschwellen", klärt Coras auf."Kühlen ist besonders wichtig. Ideal ist es, wenn der Betroffene einen Eiswürfel lutscht. Zudem muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden."

Für Allergiker kann es richtig gefährlich werden

Richtig gefährlich sind Bienen- oder Wespenstiche nur für etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung: Sie sind allergisch auf das Gift der Tiere. Bei ihnen ist die Reaktion des Körpers meist nicht auf die Einstichstelle begrenzt. Ihr Immunsystem kann aus den Fugen geraten. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Schock mit Atem- sowie Herz-Kreislauf-Stillstand. "Wer weiß, dass er allergisch ist, sollte daher auf Ausflügen immer seine Begleiter informieren", rät Coras. "Er sollte ihnen zeigen, wo er das Notfallset aufbewahrt und wie es zu verwenden ist."

Ohne diese Medikamenten-Tasche sollten Allergiker in der Zeit zwischen März und Oktober nie zu einer Wanderung oder einer Bergtour aufbrechen. "Das Notfallset enthält Arzneien, die die allergische Reaktion sofort eindämmen." Ohne Verzögerung sollten daher Anti-Histaminika und Kortison eingenommen werden. Treten trotzdem Atemnot und Kreislaufprobleme auf, kann dies auf einen drohenden Schock hinweisen. Dann muss das im Set enthaltene Adrenalin zum Inhalieren oder die Adrenalinspritze angewandt werden. Doch auch wenn das Notfallset zum Einsatz kommt, an der Alarmierung eines Notarztes führt kein Weg vorbei.

Naschhaft: Wespen während der Pflaumensaison. Bild: dpa.
Naschhaft: Wespen während der Pflaumensaison. Bild: dpa.

Besonders gefährlich ist die Situation, wenn die Allergie bisher nicht bekannt war und daher kein Notfallset zur Verfügung steht. "Nicht selten entwickeln sich solche Allergien erst im Erwachsenenalter", berichtet Coras. "Oft genug wissen die Betroffenen daher gar nicht, dass sie gefährdet sind." Die Allergologin rät jenen Menschen, die bei einem Bienen- oder Wespenstich neben einer starken Schwellung auch andere Symptome wie beispielsweise Quaddeln auf der Haut entwickeln, sich untersuchen zu lassen. Bestätigen die Ergebnisse den Verdacht auf eine Allergie, wird ein Notfallset verordnet.

Stichhe stoppen! Klicken Sie für eine Großansicht!
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Sicherlich sorgt ein Notfallset für eine gewisse Sicherheit. Dennoch erzeugt eine Bienen- oder Wespengiftallergie bei den Betroffenen oftmals Angst. Glücklicherweise können sie dagegen etwas unternehmen, denn mit der Hyposensibilisierung steht eine wirksame Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung.

Diese Therapie, die sich meist über drei bis fünf Jahre hinzieht, zielt darauf ab, das Immunsystem an den Giftstoff zu gewöhnen. Dazu werden in Abständen von vier bis sechs Wochen immer wieder winzige Giftmengen in die Haut gespritzt. ";Zu Beginn ist meist ein kurzer Krankenhausaufenthalt nötig", erklärt Coras. "Denn um eine therapeutisch wirksame Menge an Gift zu erreichen, müssen in kurzen Abständen mehrere Spritzen verabreicht werden." Die Behandlung ist sehr erfolgreich: Fast 90 Prozent der Betroffenen kriegen ihre Allergie auf diese Weise in den Griff.

Text: Dr. Ralph Müller-Gesser