Wir sagen Euch, auf was Ihr beim Biwakieren alles achten müsst, damit die Nacht im Freien nicht zum Alptraum wird.

Wilde Geschichten über Nächte in den Bergen gibt es zuhauf. Vom Whiteout auf dem Gletscher, der ein Weitergehen unmöglich machte, vom stundenlangen im Kreis gehen, um nur ja warm und wach zu bleiben, von endlosen Stunden, festgenagelt auf einem kleinen Standplatz in einer Wand, weil schlechtes Wetter das Weiterklettern unmöglich machte: All das sind Situationen, die die meisten Bergsteiger und Wanderer unbedingt zu vermeiden suchen. 

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In einigen Ländern wird zwischen Biwakieren (ohne Zelt) und Campieren (mit Zelt) rechtlich unterschieden.

| © Fotolia/Johannes Netzer

Wer bangt schon gerne stundenlang ums Überleben. Aber es gibt auch den warmen Sommerabend, an dem man sich wünscht, man hätte einen Schlafsack dabei, um auf der Almwiese die Nacht unterm Sternenhimmel zu verbringen. Und nicht zuletzt gibt es die lange Klettertour, bei der ein Biwak zumindest in Kauf genommen werden muss.

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Drei unterschiedliche Biwak-Szenarien, die auch rechtlich unterschiedlich behandelt werden. Die Regelungen sind dabei nicht in jeder Alpenregion einheitlich. Nicht einmal die Definition des Begriffs „Biwakieren“ ist gleich. So bedeutet in Deutschland und der Schweiz Biwakieren das Übernachten für eine Nacht ohne Zelt unter freiem Himmel oder im Winter im Iglu. In Österreich spricht man vom „alpinen Biwakieren“, wenn ein Notbiwak gemeint ist. 

Geplantes Biwakieren, und wenn es nur im Biwaksack ist, wird mit geplantem Zelten gleichgesetzt und ist verboten. Hier sind die Regelungen je nach Bundesland verschieden aber generell relativ restriktiv. Wer dagegen verstößt, muss mit vergleichsweise hohen Geldbußen bis in den vierstelligen Bereich rechnen. 

In Deutschland und der Schweiz wird geplantes Biwakieren einer kleinen Gruppe für eine Nacht oberhalb der Baumgrenze in der Regel geduldet, solange es sich nicht um ein Schutzgebiet handelt (eine Übersicht über die Schutzgebiete gibt es unter alparc.org). In Italien ist das Biwakieren nicht gesetzlich geregelt und wird je nach Gemeinde unterschiedlich behandelt.

Grenzwertig: In vielen Alpenregionen ist eine geplante Übernachtung mit Zelt bestenfalls geduldet, wenn nicht gar verboten.

| © Tobias Pircher

„Wir sind eben nicht in Skandinavien, wo es das sogenannte „Jedermanns-Recht“ gibt“, erklärt Birgit Kantner von der Abteilung Raumplanung-Naturschutz des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) in Innsbruck. „Bei uns zieht es so viele Menschen in die freie Natur, dass eine vergleichbare Handhabung wie in Skandinavien zu chaotischen Zuständen führen würde“, weiß sie. Daher rät der ÖAV zum defensiven Umgang beim geplanten Biwakieren. Das sieht auch Thomas Bucher, Pressesprecher des Deutschen Alpenvereins (DAV), so: „In den Alpen gibt es genügend Hütten und Biwakschachteln.“

Allerdings betonen beide Alpenvereine, dass es zur bergsteigerischen „Praxis“ gehörte, in eine Biwaksituation (Schlechtwettereinbruch, Erschöpfung, Einbruch der Dunkelheit) zu kommen. „Im Hochgebirge im entsprechend alpinistischen Umfeld geht es nicht immer ohne Biwak“, weiß Bucher.

So sind die obengenannten drei Szenarien unterschiedlich geregelt. Ein Notbiwak ist in allen Ländern erlaubt. Die geplante Übernachtung auf der Almwiese unterhalb der Baumgrenze ist grundsätzlich verboten. In allen Ländern. Bei der langen, alpinen Unternehmung im extremen Gelände wird keiner bei einem – auch vorab in Kauf genommenem – Biwak rechtliche Probleme bekommen.

In Situationen, in denen sich abzeichnet, dass man weder Hütte noch Parkplatz erreichen wird, gibt es eine taktische Grundregel: Man sollte sich frühzeitig zum Biwak entscheiden und sich auch vom Kopf her damit abfinden. So hat man Zeit und Tageslicht, sich einen geeigneten Platz für die Nacht zu suchen. Im Winter muss dies noch früher erfolgen, da der Bau einer Schneehöhle oder eines Iglus einige Stunden in Anspruch nimmt (siehe ALPIN 3/18).

Ein guter Platz für die Nacht im Freien ist auf alle Fälle dem Risiko vorzuziehen, beim Weitersteigen oder -gehen mit einem wesentlich schlechteren Ort vorliebnehmen zu müssen. Wenn man schon dazu gezwungen ist zu biwakieren, sollte man doch so handlungsfähig wie möglich bleiben. Erschöpfung und Dunkelheit reduzieren dies erheblich. Je nach Lage setzt man einen Notruf ab oder informiert zumindest Angehörige, Freunde oder den Hüttenwirt. Und dann heißt es: Akku sparen und das Smartphone trocken aufbewahren.

„Ein Biwakplatz sollte vor allem vor Niederschlag und Wind geschützt sein“, empfiehlt Günter Durner, Bergführer aus Garmisch-Partenkirchen. „Nässe entzieht dem Körper sehr schnell Wärme und es droht eine Unterkühlung“, so Durner weiter. Wind beschleunigt diesen Prozess. Schutz bieten können eine Höhle, die Leeseite einer Bergflanke oder eines größeren Felsens.

Im Hochgebirge gehört der Biwaksack zur Standardausrüstung. Er hält trocken und baut eine isolierende Luftschicht im Inneren auf. Vor allem die Zwei-Personen-Version ist weit wirksamer als jede Funktionskleidung, da man sich gegenseitig wärmen und auch psychologisch beistehen kann. Auf dem Markt findet man von der einfachen Version aus PU-beschichtetem Polyester über Modelle aus atmungsaktivem Material wie Gore-Tex, Sympatex oder Event mit getapten Nähten bis hin zum Biwak-Minizelt mit Gestänge für den Kopfbereich eine große Auswahl. Sehr leichte Exemplare wiegen gerade einmal etwas über 100 Gramm.

Gute Zwei-Mann-Biwaksäcke wiegen etwa 300 bis 400 Gramm und passen locker in die Deckeltasche. Der Nachteil der günstigen Modelle ist, dass sich im Inneren schon nach relativ kurzem Aufenthalt Kondenswasser bildet. Für Klettertouren eignen sich Modelle, die eine zusätzliche Öffnung für die Selbstsicherung am Gurt haben. Ist man in einer Gruppe unterwegs, sollte man vorher abklären, wie viele Biwaksäcke mitgemitgenommen werden müssen und wer sie einpackt.

Reichen Biwaksack und Körperwärme des Partners nicht aus, um sich warm zu halten, kann man sich zusätzlich in eine Rettungsdecke hüllen. Neben dem Biwaksack gehört bei längeren Unternehmungen wie anspruchsvollen hochalpinen Touren und Fernwanderungen auch trockene Wechselwäsche in den Rucksack. Mittlerweile sind die Textilien so leicht, dass man nur wenige Hundert Gramm mehr zu tragen hat. Eventuell machen auch im Sommer eine leichte Daunen- oder Kunstfaserisolationsjacke Sinn. Klar, dass Ausrüstung, die nicht nass werden darf, entweder in Plastiktüten oder wasserdichten Beuteln im Rucksack transportiert wird.

Einen Produkttest mit Kunstfaser-Schlafsäcken findet Ihr hier:

Clever ist ein Stück Isomatte, das man sich etwa auf die Größe des Rückenteils des Rucksacks zurechtschneidet. Bei manchen Rucksäcken lässt sich genau für diesen Zweck auch das Rückenpad herausziehen. Es steigert den Sitzkomfort nicht nur bei Pausen, sondern auch in Notsituationen und wärmt von unten.

Für Durner ist auch die Wahl des Biwakplatzes essentiell. „Neben dem Schutz vor Steinschlag und im Winter vor Lawinen sollte man Gelände mit Absturzgefahr meiden oder möglichst verlassen“, rät er. Ist das nicht möglich, muss man sich selbst und auch die Ausrüstung sichern.

Den Proviant teilt man sich am besten ein und verzehrt nicht gleich alles auf einmal. Vor allem das Getränk sollte man rationieren. Ohne Essen kann man es erst einmal aushalten. Flüssigkeitsverlust verringert die Leistungsfähigkeit jedoch relativ schnell. Schließlich muss man schon zu Beginn des Biwaks daran denken, dass man am nächsten Morgen weiter muss und dafür Energie benötigt. Passend ist daher ein Platz mit Wasser oder Schnee in der Nähe.

Wer einen Kocher dabei hat, kann sich mit einem warmen Getränk gut gegen Unterkühlung schützen. Damit sind wir allerdings schon beim Thema eines geplanten oder zumindest nicht vorab schon ausgeschlossenen Biwaks angekommen. Je nach Mehrgewicht, das man bereit ist zu tragen, gehören dann ein möglichst leichter, meist gasbetriebener Kocher, ein leichter Topf und entsprechende Nahrungsmittel wie eine Tütensuppe und Teebeutel sowie eine Stirnlampe ins Gepäck. 

Auch über einen Schlafsack und eine Isomatte kann man nachdenken. Bei extremen Touren, bei denen es auf jedes Gramm ankommt, nimmt man eventuell pro Seilschaft nur einen Schlafsack mit, den man dann in der Nacht abwechselnd benutzt. Wer es warm und trocken haben möchte und dafür seinen Biwaksack mit einem Schlafsack kombiniert, sollte vorher zu Hause ausprobieren, ob die beiden Teile auch kompatibel sind.

Überhaupt: Es schadet nicht, wenn man die Biwaksituation einfach mal zu Hause auf der Terrasse oder dem Balkon testet. Im Gegensatz zum Notbiwak kann man beim geplanten Biwak den Lagerplatz schon vorher aussuchen und so mögliche objektive Gefahren wie Steinschlag und Absturz von vornherein ausschließen. Bei Touren, bei denen man so den morgendlichen Zustieg deutlich verkürzt, kann die für die Tour nicht benötigte Ausrüstung bis zur Rückkehr am Lagerplatz bleiben. 

Unbedingt beachten sollte man bei der Wahl des Platzes, dass man Tiere und Pflanzen so wenig wie möglich belastet. Weder durch Lärm wie beispielsweise lautes Reden oder Musik aus dem Smartphone, Feuer, Licht oder zurückgelassenen Müll. Aber das ist eigentlich selbstverständlich.

Ausrüstung zum Draußen schlafen

MSR Hubba Hubba NX Zelt

Hubba Hubba NX
© msrgear-com
  • Modell: Hubba Hubba NX

  • Preis: 460 Euro

  • Vertrieb: msrgear.com

  • Beschreibung: Auch wenn geplantes Übernachten nicht überall erlaubt ist: Das Hubba Hubba NX von MSR ist ein optimales Zelt für alle, die gerne eine Nacht im Freien verbringen. Für das extrem niedrige Gewicht von 1,7 kg bietet das Hubba Hubba viel Platz und ist sehr stabil. Außerdem ist das Zelt sehr hell, was den Aufenthalt innen sehr angenehm macht.

Lifesystems Ultralight Survival Shelter 2 Biwacksack

Ultralight Survival Shelter 2
© lifesystems.co.uk
  • Modell: Ultralight Survival Shelter 2

  • Preis: 75 Euro

  • Vertrieb: lifesystems.co.uk

  • Beschreibung: Die psychologische Schranke, einen Biwaksack mitzunehmen, ist häufig das Gewicht. Bei dem Ultralight Survival Shelter 2 von Lifesystems zählt das Argument nicht mehr. Gerade mal 215 Gramm wiegt der superleichte Biwaksack für zwei Personen.

Patagonia Hybrid Sleeping Schlafsack

Hybrid Sleeping
© Patagonia.com
  • Modell: Hybrid Sleeping

  • Preis: 320 Euro

  • Vertrieb: patagonia.com

  • Beschreibung: Das System für Biwak-Fans: Der „halbe“ Schlafsack von Patagonia bietet unten einen „normalen“ Schlafsack, oben ist er nur mit einem dünnen Nylonstoff versehen. So kann er mit einer Thermojacke, die man eh dabei hat, kombiniert werden, das spart Gewicht. Der Hybrid Sleeping wiegt mit Packsack nur 451 g und ist extrem klein verpackbar.

Text von Johannes Wessel

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