Vom absoluten Laien zum erfahrenen Bergsteiger - ist das in zehn Jahren machbar?

Frage von Ö. Akdag, per E-Mail: In letzter Zeit habe ich gesteigertes Interesse am Bergsteigen gefunden. Nur habe ich keinerlei Erfahrung! Ich wollte demnächst meinen Toprope-Schein in einer Kletterhalle absolvieren. Wie kann ich weiter verfahren, um etwa in zehn Jahren erfahren genug zu sein, um z. B. den Everest oder den K2 zu besteigen (grob angenommen).

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It's a long way to the top....

| © Imago / Cavan Images

Antwort von Olaf: Ich würde vorne weg mal unterscheiden zwischen Klettern und Bergsteigen. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, sich auch mit der Seiltechnik (sichern etc.) zu befassen, das hat aber heute im Zeitalter des Hallenkletterns oft nicht mehr viel mit dem Bergsteigen zu tun. Wenn man aber deine Ziele betrachtet, willst du ja eher bergsteigen. Was du tun musst? 1. Sparen: Eine Expedition zum Everest kostet grob zwischen 50.000 und 100.000 Euro. 

Dann geht es darum, so viel Erfahrung wie möglich zu sammeln und zwar draußen in den Bergen. Hallenklettern hilft dir da nur sehr bedingt weiter. Ich würde als erstes mal einen Hochtouren- oder Gletscherkurs absolvieren, in dem du dir die Grundlagen des Bergsteigens (gehen mit Steigeisen, Spaltenbergung etc.) aneignest, die du dann in den nächsten Jahren brauchen wirst.

Danach solltest du möglichst viel Erfahrung sammeln, also viel in den Bergen unterwegs sein. Beginne mit 3000ern, dann kommen die 4000er der Alpen (erst technisch einfache, dann schwierigere bzw. anspruchsvollere). Nach ein paar Jahren würde ich versuchen, mich mal an 6000er heranzutasten. Wenn das gut klappt, kannst du mal einen 7000er versuchen.

Ja und dann … Du wirst während dieser "Laufbahn" schnell merken, was dir am meisten Spaß macht und wo du dich am wohlsten fühlst. Der Rest ergibt sich dann schon von selbst. Nicht erstrebenswert ist es, einer derer zu sein, die kaum Ahnung vom Bergsteigen haben, die sich aber versuchen, den Everest "zu erkaufen".

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Olaf Perwitzschky ist ALPIN-Testredakteur und staatlich geprüfter Bergführer. Berge sind seine Leidenschaft - und Eure Fragen sind ihm Herausforderung! Jeden Monat beantwortet er Eure Anliegen im ALPIN-Heft unter der allseits bekannten Rubrik "Olaf klärt das schon!".

Text von Olaf Perwitzschky

6 Kommentare

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Alpinkenner

Ich fand sowohl die Frage von Ö. Akdag legitim, als auch Olafs Antwort gut. Ich freue mich für Herrn/Frau Akdag, mit dem Bergsport ein tolles Hobby gefunden zu haben. Ein Traumberg wie der K2 kann dabei von Anfang an Teil der Motivation sein. Ich denke, jedem, ob Trekker bis zum K2-Basislager auf 5000 müM, oder gar Höhenbergsteiger, der am eigentlichen K2 oberhalb Basecamp unterwegs ist, sind ganz starke und bleibende Erinnerungen sicher - alle haben sie das Recht, an und unter diesem Berg unterwegs zu sein. Ich denke auch, jeder, der am K2 oberhalb BC unterwegs ist, beweist echten Mut; manch einer hat auf der Hörnlihütte kalte Füsse bekommen, und mancher im K2-BC. Wichtig wird halt sein, nichts erzwingen zu wollen. Am Art-Gilkey-Memorial finden sich genug Namen der Allerbesten, denen dieser Berg zum Verhängnis wurde. Selbst wenn alles passt, ist man an einem solchen Berg auf gewisses Glück angewiesen. Oberhalb BC bewegt man sich selbst auf der Normalroute wochenlang ununterbrochen im Absturzgelände. Damit muss man umgehen können. Künstlicher Sauerstoff erleichtert das Ganze enorm, weil man klarer denkt und fitter und aufmerksamer ist. Es bleibt trotzdem ein Abenteuer, für Könner, die immer auch etwas Glück brauchen, heil zurückzukommen, ohne körperliche oder seelische bleibende Behinderungen.

Olaf Perwitzschky

Lieber Greenfire,

wenn jemand an uns herantritt und theoretisch wissen möchte, was er tun muss, um in zehn Jahren den K2 zu besteigen, beantworten wir diese Frage. Ich glaube nicht, dass es sich dahinter um einen konkreten Wunsch oder eine konkrete Idee handelt, sondern vielmehr um die theoretische Möglichkeit.

Und mal ganz ehrlich: Wenn der Fragesteller den Plan umsetzt, ist er entweder sehr talentiert (und hat viel Geld), dann kann das klappen (gibt genügend Beispiele dafür), oder er wird ganz schnell auf dem Weg merken, dass er sich hier wohl ein etwas zu hohes Zeil gesetzt hat.

Viele Grüße

Olaf




Greenfire

Also ich bin mitllerweile mehr als enttäuscht von Euren redaktionellen Beiträgen - Olaf klärt das schon?! Was klärt Olaf denn? Wie man als Laie mit null Erfahrung aber dafür ausgestattet mit jeder Menge Egoismus für 50.000 € oder mehr auf Everst oder K2 kommt?
Wenn ihr als Bergsport-Medium tatsächlich glaubhaft bleiben wollt, die Natur achtet und auch nicht weiter das Über-Ego von ein paar Verrückten im Mainstream plakatieren wollt, solltet Ihr Euch mal Sinnvolleres und Besseres überlegen.
Mit besten Grüßen

Johannes

Den K2 zu besteigen ist eine der härtesten Herausforderungen im Bereich Bergsteigen - vielleicht sogar die härteste Herausforderung. Was muss man mitbringen für den K2? Erstmal Risiklbereitschaft, denn es ist ein sehr "tödlicher" Berg, die Zahlen sind sehr beeindruckend, um negativen Sinne natürlich. Viel Erfahrung - also man sollte schon viele Berge zwischen 4000-8000m davor bestiegen haben, unterschiedlicher Schwierigkeit. Und natürlich das einhergehende fachliche Können/Wissen was man dafür benötigt, kommt mit der Zeit. Der K2 ist der schönste 8000er da er so frei steht, durch den sog. "Flaschenhals" jedoch auch der tödlichste.

Rex Kramer

Ambitioniert...

Alpinkenner

Gut erklärt von Olaf... Ich würde noch hinzufügen: Der K2-Normalweg ist der evtl. schwierigste Normalweg an den 14 Achttausendern. Das ist ein Kletterberg, mit ständig Eis steiler 45 Grad und ständig Fels im Bereich UIAA 3-4. Deshalb wird der K2 selten bestiegen, und auch namhafte Bergsteiger sind gescheitert. Sicherlich ein tolles, motivierendes Ziel, aber eine Hausnummer schwerer als ein Langzeitprojekt „Everest“. Viel Glück und viel Spass :)