Streit am Aneto

Höchster Pyrenäen-Berg ohne Gipfelkreuz: Vandalismus oder Symbolstreit?

Am Pico Aneto, mit 3404 m der höchste Gipfel der Pyrenäen, ist das Gipfelkreuz verschwunden. Unbekannte sollen es zwischen dem 08. und 14. April entfernt haben. Der Vorfall sorgt in Spanien für Diskussionen weit über die Bergszene hinaus: Während viele von Vandalismus sprechen, sehen andere darin ein politisches Statement gegen religiöse Symbole im öffentlichen Raum. Ähnliche Debatten sind auch aus dem Alpenraum bekannt.

Das Gipfelkreuz auf dem Pico Aneto (3404 m): seit Jahrzehnten markantes Symbol auf dem höchsten Gipfel der Pyrenäen.
© IMAGO / Dreamstime

Gipfelkreuz am Aneto entfernt

Der Pico Aneto gilt als markanter Hochtourenberg der Pyrenäen. Der Zustieg über den technisch anspruchsvollen "Paso de Mahoma", einen ausgesetzten Blockgrat zwischen Vor- und Hauptgipfel, macht den 3404 Meter hohen Berg zu einem alpinen Ziel mit ernsthaftem Charakter.

Zwischen dem 08. und 14. April wurde dort das rund drei Meter hohe Metallkreuz entfernt. Nach Medienberichten sollen Unbekannte das Kreuz offenbar mit einer Flex abgetrennt haben. Wo es sich aktuell befindet, ist unklar – vermutlich liegt es mehrere hundert Meter unterhalb im Schnee.

Empörung vor Ort – Forderung nach Wiederaufbau

In der Region stößt die Tat auf breite Ablehnung. Der Bürgermeister von Benasque, Manuel Mora, sprach von einem Angriff auf ein kulturelles Symbol. Auch der spanische Bergsportverband FEDME kritisierte das Vorgehen als respektlos.

Das Kreuz hatte eine lange Geschichte: Es wurde 1951 errichtet und erst im vergangenen Sommer aufwendig restauriert und wieder installiert. Viele sehen darin weniger ein religiöses als vielmehr ein historisches und identitätsstiftendes Zeichen für den Gipfel.

Gegenstimmen: Kritik an religiösen Symbolen

Gleichzeitig melden sich auch säkulare Organisationen zu Wort. Vertreter der Initiative Europa Laica stellen grundsätzlich infrage, ob religiöse Symbole im öffentlichen Raum noch zeitgemäß sind.

Spanien sei ein säkularer Staat, argumentieren sie. In den Bergen sollten daher keine religiösen Zeichen dominieren. Die Organisation führt eine umfangreiche Liste von Gipfeln mit entsprechenden Symbolen und fordert deren Entfernung.

Debatte auch aus den Alpen bekannt

Der Konflikt ist kein Einzelfall. Auch im Alpenraum wird immer wieder über Sinn und Bedeutung von Gipfelkreuzen diskutiert.

In Bayern sorgte vor knapp 10 Jahren der Fall am Schafreuter für Aufsehen: Dort wurde ein Gipfelkreuz mehrfach zerstört und neu errichtet, die Polizei ermittelt bis heute. Parallel dazu werden politische Debatten geführt – etwa über die Rolle von Gipfelkreuzen als kulturelles Symbol oder religiöses Zeichen.

<p>Das zerstörte Kreuz liegt am 06.09.2016 auf dem Gipfel des Schafreuter.</p>

Das zerstörte Kreuz liegt am 06.09.2016 auf dem Gipfel des Schafreuter.

© picture alliance / dpa / Matthias Balk

Historisch reichen Gipfelkreuze oft auf Dankes- oder Erinnerungsstiftungen zurück. Heute sind sie für viele Bergsteiger Zielpunkt, Orientierung oder schlicht Teil der alpinen Tradition. Gleichzeitig wird zunehmend hinterfragt, ob neue Kreuze noch notwendig sind.

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11 Kommentare

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Richard

An das so plumpe Gipfelkreuz kann ich mich nicht erinnern, aber an viele ausgeleuchtet Plastikblumen. Ein Steinmann mit Stecken und Tafel wo man ist genügt auch. War ein sehr schönes Erlebnis. 1973.

Ed

You're missing the point. It's not about Religion but about spanish nationalism against Catalonia.

Bruno

@Anton, sehen Sie mir bitte meine Klugs... nach, aber der Pico Aneto ist komplett in Spanien und nicht in Andorra (der Berg befindet sich ca. 70 km von der Landesgrenze zu Andorra). Weiterhin, soweit mir bekannt ist, ist die spanische Kultur und Gesellschaft einstweilen auch noch sehr katholisch geprägt, was natürlich zu dieser Aufregung führte; wobei natürlich sich auch die katholisch geprägte Kultur nicht immer ganz fair zu anderen Kulturen in deren Ländern verhielt (siehe Spanier - Südamerika etc. etc.). Aber das ist kein Diskussionsthema hier auf Alpin.
Ansonsten stimme ich Ihnen hinsichtlich der von Ihnen angeprangerten Zerstörungswut voll und ganz zu, mit dem Nachtrag, insofern Sie katholisch erzogen sind, andere nicht in die dunkelsten Abgründe zu wünschen, auch wenn es so erscheint, daß sich solche Zerstörungswütige intellektuell bereits in diesen befinden, sondern diesen zu verzeihen. Bruno

Anton

Ich weiß nicht wie es in Andorra ist. In den Alpen ist bis heute die christliche Kultur sehr prägend, fast in jedem Dorf der Alpen gibt es eine christliche Kapelle oder kleine Kirche, jeden Sonntag die Gottesdienste etc.pp, wollen die Gipfelkreuzabreißer dann auch gleich die Kirche unten im Dorf abreißen? Das ist so derart kleingeistig wenn man nur Zerstörung in sich trägt. Wer sich an einem Gipfelkreuz so sehr stört und Gewalt anwenden muss, zeigt sich verächtlich gegenüber der alpenländische Kultur und sollte besser woanders hin, Stichwort Abgründe. Dort wo kein Licht mehr scheint.

Helmut Inzinger

Es ist zwar richtig, dass das Kreuz im letzten Jahr restauriert worden ist, allerdings wurde es im August 2025 auch wieder aufgestellt.

Das aktuelle Verschwinden hat demzufolge nichts mit der unten beschriebenen Vermutung/Beobachtung zu tun!

Bruno

Hallo @Alpin, können Sie zu der Nachricht von @Meister etwas sagen? Entweder der Kommentar ist Jux oder Ihr Bericht stimmt irgendwie nicht, da der Bürgermeister von Benasque wissen sollte, was da gemacht wird; bzw. das Kreuz schon seit einem Jahr "fehlen" dürfte und nicht erst jetzt.
Eben bin ich nach dem nochmaligen Durchlesen des Artikels über diesen Satz gestolpert: "Spanien sei ein säkularer Staat, argumentieren sie. In den Bergen sollten daher keine religiösen Zeichen dominieren. Die Organisation...fordert deren Entfernung." Vielleicht kann mir jemand helfen, aber für diese Logik reicht mein bescheidener Geist nicht aus. Also man darf z.B. Haferbrei neben der Sagrada Família, der Kathedrale von Santiago de Compostela oder Moschee-Kathedrale von Córdoba essen, aber auf einem Gipfel nicht? Was sind das für Wirrköpfe in dieser Organisation? Also wenn schon, denn schon, geehrte Organisationsmitglieder. Bruno
PS @Morton - Ich weiß nicht, ob die Strafverfolgungsbehörden beim Umsägen eines Holzkreuzes aktiv werden, eher weniger; diese werden laut einigen Artikeln in der letzten Zeit nur aktiv, wenn jemand eigenverantwortlich Fehler macht.
PS2 Geehrte Kreuzaufsteller in Österreich: Weniger ist manchmal mehr, z.B. gemahnt das Kreuz auf dem Großen Priel eher einem überdimensionalen Luftabwehrgeschütz, das man bestimmt auch vom Planeten Mars sehen kann. OK, hierbei geht es um Ästhetik und nicht um Symbolik - und Geschmack ist individuell. Hierzu ein Tipp an Alpin - Fotowettbewerb unter dem Motto mein "schönstes Gipfelkreuz" vs "hässlichstes Gipfelkreuz"

Meister Lampe

Muss mich berichtigen. Habe jetzt in französischen Medien erfahren das es im August 2025 restauriert wurde und für diesen Zweck abmontiert wurde.

Meister Lampe

Muss mich berichtigen. Habe jetzt in französischen Medien erfahren das es im August 2025 restauriert wurde und für diesen Zweck abmontiert wurde.

Meister Lampe

Also ich war am 08.07.2025 auf dem Pic Aneto. Da war diese Kreuz auch schon nicht mehr da. Ich verstehe jetzt nicht warum dieser Artikel jetzt aktuell sein soll.

Morton Slumber

Straftaten sind kein politisches Statement. Es handelt sich um Täter, die sich und ihre Ideologie über das Gesetz stellen.

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