Wollten sich nicht beraten lassen: Wanderer von Berghütte gerettet
Laut Bericht der Bergwacht Hinterstein wurden am vergangenen Wochenende zehn Personen gerettet, die zuvor im Winterraum des Prinz-Luitpold-Hauses übernachtet hatten. Der erste Notruf ging am Freitag (03. Januar 2025) von einer siebenköpfigen Schneeschuhwandergruppe ein. Diese waren am Vortag bei geringer Lawinengefahr zur Hütte aufgestiegen. Nach Schneefällen und starkem nächtlichen Wind war die Warnstufe auf 3 angestiegen.
Daher rief die Gruppe bei der Bergwacht an und fragte an, ob ein eigenständiger Abstieg vertretbar sei. Davon riet der Einsatzleiter den Wanderern ab, zumal die Schneeschuhgeher nur teilweise mit LVS-Ausrüstung ausgestattet waren. Da sich die Lawinenlage auch am Folgetag nicht beruhigt hatte, wurde die Wandergruppe am Samstagnachmittag per Hubschrauber von der Hütte evakuiert. In zwei Flügen wurden insgesamt sechs Menschen sicher ins Tal gebracht.
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Ein Mitglied der Gruppe hatte sich zwischenzeitlich für den eigenständigen Abstieg entschieden. Während die Einsatzkräfte noch an der Hütte waren, traf eine weitere vierköpfige Schneeschuhwandergruppe dort ein. "Da für die kommende Nacht eine deutliche Wetterverschlechterung mit Regen bis in die Hochlagen vorhergesagt war, hatten wir ein schlechtes Gefühl. Die Gruppe wollte sich jedoch nicht von uns beraten lassen …", schreibt die Bergwacht bei Facebook.
Schlecht ausgerüstet und offensichtlich keinerlei Alpinkenntnisse
Am Sonntagvormittag ging schließlich ein Notruf eben dieser Gruppe ein. Eine Person hatte in der Nacht starke, kolikartige Schmerzen bekommen und benötigte ärztliche Hilfe. Eine weitere Flugrettung musste aufgrund des starken Windes jedoch abgebrochen werden. Nach einer "intensiven Risikoabwägung" machten sich zwei Retter und ein Bergwacht-Notarzt ab der Alpe Bergündle mit Tourenski auf den Weg. Dorthin hatte sie der Heli noch fliegen können.
Nach einem zweistündigen Aufstieg zur Hütte konnte der Patient stabilisiert und von den Rettern in eine tiefere und auch windgeschützte Lage gebracht werden. Von dort konnte er mit dem Heli aufgenommen und ins Krankenhaus gebracht werden. Da die drei Mitwanderer völlig unzureichend ausgerüstet waren und "offensichtlich keinerlei Alpinkenntnisse aufweisen konnten", wurden auch sie während eines kurzen Wetterfensters von der Hütte gerettet.
Die Rettungsaktion nahm den gesamten Sonntag in Anspruch und konnte um 17:30 Uhr erfolgreich abgeschlossen werden. Im Einsatz standen zwei Rettungshubschrauber, zehn Einsatzkräfte der Bergwacht Hinterstein sowie ein Bergwacht-Notarzt aus Oberstdorf.



30 Kommentare
Kommentar schreibenStimmt, jeder macht mal dumme Fehler. Aber deshalb bleiben es doch dumme Fehler. Diese Schoenrederei ist unehrlich und hilft niemand wirklich. Wer Fehler macht, muss auch dafür gerade stehen, sonst lernt er nie was!
Danke Sabine für Ihren vollkommen professionellen Kommentar! Es ist so, schaut man bei den meisten Unfällen etwas genauer hin, könnte man immer unter jedem Artikel dieses Geschrei "die sollen das selbst bezahlen" anfügen. Zumal dieser Artikel auch eine unlogische Tatsache beschreibt.
Ich bin wirklich kein "Bergprofi", sondern Bergliebhaber, habe Hunderte 3 und 4000er bestiegen, aber mußte wegen eines banalen und fast fatalen Fehlers die 140 anrufen. War jedoch für die Retter-Profis hinsichtlich des guten Wetters eher ein Amüsement.
Also vor dem Schreien nach "selbst bezahlen" besser selbst zusehen, keine Fehler in den Bergen zu machen. Ist manchmal nicht einfach... Bruno
Einige (hier gibt es sicher statisches Material dazu) – und natürlich niemals alle - agieren am Berg wohl ähnlich wie in vielen Bereichen des Lebens: unbedacht, emotional und sozusagen aus dem Bauch heraus und vergessen, dass alles, worin man gut ist, mit viel Übung und Wissen verbunden ist.
Im Naturraum Berg kommt hinzu, dass es nicht vollständig kalkulierbare Einflussfaktoren gibt, auf die niemand Einfluss hat (sozusagen außerhalb des Erfahrungswissens liegend), die jedoch minimierbar sind (risk management), wenn man entsprechend plant, danach handelt und dabei zu erwartendes Risiko gegen den tatsächlichen Nutzen und Eintritt kritisch abwägt.
Da der Mensch jedoch kein ausschließlich rational agierendes und nur bedingt „kluges Wesen“ ist, lässt er sich mitunter von unzulänglichen Entscheidungen leiten, die vielfach durch diverse Motive wie Emotionen, Belohnungen, Erwartungen, Ansprüche…, aber wenig durch rational kluge Handlungen gekennzeichnet sind. Wir sind nun mal nur selten die schlauen „Tiere“, als die wir uns vermeintlich gerne sehen!
Gerade Touren im Winter bedürfen einer besonderen Planung und Risikoabwägung, da hier die Temperaturen, Wind, schwierigeres Terrain, höherer Anforderungen an Ausrüstung, körperlich und mentaler Fitness etc. nochmals stärker zum Tragen kommen. Dass hier einige nicht dazu imstande sind, liegt auf der Hand. Problematisch finde ich persönlich, dass in einer Zeit, in der alle Informationen vorhanden wären, diese trotzdem von vielen nicht hinlänglich genutzt und verstanden werden können.
Zudem befeuern Medien mit ihren Hochglanzbildern, mit ihren Abenteuer- und Freiheitsidealen eine oft idealisierte Winterromantik, die so nicht existiert und suggerieren zum Teil, dass etwas möglich wäre, was in Wahrheit nur für wenige machbar ist. Denn die wenigsten haben die Fähigkeiten, im Hochwinter bei schlechtesten Bedingungen Wind und Wetter zu trotzen und mit einem Lächeln im Gesicht jede noch so schwierige Situation am Berg sicher und souverän zu meistern.
Man sollte sich darüber bewusst sein, dass nach einem alpinen Rettungseinsatz immer eine Rechnung kommt und die Frage ist, wer am Ende des Tages zahlt. Eine gute Versicherung für Freizeitunfälle zahlt sich aus, aber auch hier gilt es natürlich, genau zu schauen, was abgedeckt ist und was nicht. Außerdem, das alpine Rettungssystem im Alpenraum ist einzigartig, aber niemand hat das Recht auf Rettung – die Retter riskieren nicht das eigene Leben und nach diesem Fall werden möglicherweise Gerichte und Versicherungen Fragen der Fahrlässigkeit, Selbstverschulden o.ä. klären.
Es ist unverantwortlich von solch3n Leuten die keinerlei Erfahrung haben in d3n Bergen keine Ratschläge von Profis anzunehmen.
Und dann hinterher Hilfe anfordern. Normalerweise sollte denen gesagt werden schaut wie ihr es hinbekommt. Wolltet ja nicht hören. Geht natürlich nicht.
Aber sie sollen auf jeden Fall für den Einsatez der Bergretter und heli bezahlen. Und das nicht wenig.
Wer sämtliche Informationen und Warnungen in den "Wind" schlägt, sollte massiv in die Tasche greifen müssen, denn bei solchen Einsätzen der Bergrettung geht es nicht nur ums Geld, sondern auch um das Leben jedes einzelnen Bergretters!!
Also eine Sache habe ich nicht verstanden; im ersten Absatz ist aufgeführt: ". Zuvor hatten sich die Wanderer ohne passende Ausrüstung und gegen den Rat der Einsatzkräfte für den Aufstieg zur Hütte entschieden." Weiter unten dann: "Während die Einsatzkräfte noch an der Hütte waren, traf eine weitere vierköpfige Schneeschuhwandergruppe dort ein." Kann das berichtigt werden? Weiterhin sehe ich das Verhalten der ersten Gruppe als vernünftig an, sie wollten von Profis wissen, wie das Risiko jetzt ist. 7 verschütteten Berggänger zu suchen hätte einen weitaus größeren Aufwand und Risiko bedeutet. Ohne jetzt verurteilen zu wollen, frage ich die Mitforisten - sehen und erkennen sie die sofort den Unterschied zwischen der Warnstufe 2 und 3? Hier am Comp zu Hause bestimmt... Weiterhin ist der Bedarf nach einer Bergrettung immer einem mehr oder weniger groben Fehler geschuldet. Dann hoffe ich für alle Berggänger, daß sie keine machen, Bruno
Ist eigentlich kaum glauben aber wenn man die Leute so beobachtet im Alltag wundert mich nichts mehr bzw auch auf Bergtouren was ich da schon gesehen habe auf den 3000 mit Flip Flops! Man sollte wirklich Strafen einführen bzw echt wirklich viel Geld zahlen lassen für diese ganzen unnötigen Einsätze. Es ist echt schade und ich wundere mich dass die Bergwacht das alles auf sich nimmt.
Bitte zahlen lassen .
Danke an die Einsatzkräfte !!!
Mind EUR 10'000 für jede Person.
Man kann sich nur allen anschließen solche Einsätze müssen bezahlt werden. Was wenn einem bergretter etwas passiert. Viele sind auch ehrenamtlich dabei..
Das muss richtig Geld kosten. Also bitte in Rechnung stellen.