52 Jahre nach Tod des Bruders

Nanga Parbat: Offenbar zweiter Schuh von Günther Messner gefunden

"Letzte Woche wurde der zweite Schuh meines Bruders Günther am Fuße des Diamirgletschers von Einheimischen gefunden", schreibt Reinhold Messner auf seinem Instagram-Account. 52 Jahre nach dem Unglück gab der Gletscher wohl ein weiteres Ausrüstungsstück frei.

Nanga Parbat: Offenbar zweiter Schuh von Günther Messner gefunden
© Instagram/Reinhold Messner

Einheimische fanden laut Messner den Schuh und übermittelten ihm ein Foto. Laut eines dpa-Interviews will Messner den Schuh persönlich in Pakistan abholen. 

Offizieller Post von Reinhold Messner bei instagram: 

Ereignisse am Nanga Parbat 1970

Am 27. Juni 1970 brach Reinhold Messner nachts auf, um im Alleingang über die Rupal-Wand den Nanga Parbat (8.125 m) zu besteigen. Günther Messner folgte ihm nach einiger Zeit ohne vorherige Absprache. Es gelang ihm, Reinhold einzuholen und gemeinsam erreichten die Brüder ohne Flaschensauerstoff den Gipfel des neunthöchsten Berges der Erde.

Reinhold Messners Angaben zufolge wäre der Abstieg auf gleichem Weg zu gefährlich gewesen, u.a., weil Günther Symptome der Höhenkrankheit zeigte. Die Brüder wählten deshalb die mutmaßich leichtere Diamirseite, in welcher Günther Messner durch eine Eislawine ums Leben kam. Reinhold Messner hingegen gelang der Abstieg ins Tal, wo er von einheimischen Hirten gefunden wurde.

Jahrzehntelanger Streit um Ereignisse am Nanga Parbat im Juni 1970

Einige der damaligen Expeditionsteilnehmer behaupteten, Reinhold Messner habe von Anfang an die bis dato noch nie realisierte Überschreitung im Sinn gehabt, um sich einen Platz in den alpinen Geschichtsbüchern zu sichern. Dabei habe er den Bruder willentlich geopfert und angebotene Hilfe ignoriert. Messner hingegen war den anderen Expeditionsmitgliedern unterlassene Hilfeleistung und Verleumdung vor. Der Streit wurde in der Öffentlichkeit, in Büchern und vor Gericht ausgetragen.

Reinhold Messner bestieg als erster Mensch alle 14 Achttausender ohne Flaschensauerstoff. In unserer Galerie "Die Achttausender-Besteigungen von Reinhold Messner" könnt ihr alle Infos zu den Besteigungen nachlesen:

Sterbliche Überreste Günther Messners 2005 gefunden

Dass Günther Messner beim Abstieg über die Diamirflanke ums Leben kam, kann seit 2005 als gesichert angesehen werden. Damals wurden auf der Diamirseite die sterblichen Überreste eines Bergsteigers gefunden, die vom gerichtsmedizinischen Institut der Universität Innsbruck mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Günther Messner zugeordnet wurden.

Das Gegenstück zum nun gefundenen (linken) Schuh befindet sich in einem von Messners Museen im Südtirolerischen Schloss Sigmundskron (nahe Bozen). Der rechte Schuh wurde laut Messner 2005 am Auslauf des Diamir-Gletschers gefunden. Neben dem emotionalen Schmerz über den Verlust des Bruders trug Reinhold Messner auch körperliche Schäden davon. Er verlor sieben Zehen wegen Erfrierungen und konnte klettertechnisch nicht wieder an seine Leistungen vor der Nanga-Parbat-Expedition anknüpfen.

Alle Stationen im Leben Reinhold Messners findet ihr in unserer Fotogalerie "Reinhold Messner: Bilder eines Lebens":

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