Kletter-Profi Shauna Coxsey (29) klettert in der 39. Schwangerschaftswoche – und ernet viel Kritik in den (Sozialen) Medien. Die Ex-Olympiaatlhetin wehrt sich nun gegen die Vorwürfe.

Auf Instagram teilt Shauna Coxsey (29) ihre Leidenschaft fürs Klettern mit ihren Follower:innen. Nach den Olympischen Spielen in Tokio beendete sie zwar ihre Profi-Karriere, privat klettert die britische Meisterin im Bouldern jedoch weiterhin. Vor wenigen Monaten machte sie zudem auf den Sozialen Medien ihre Schwangerschaft öffentlich.

Klettern in der 39. Schwangerschaftswoche

Aktuell gibt es Aufregung um einen Instagram-Post, in dem sie ihren Fans mitteilt, noch in der 39. Schwangerschaftswoche in der Wand aktiv zu sein. Das sorgt für kontroverse Diskussionen bis hin zu offener Anfeindung und Unverständnis.

Klettern in diesem Stadium der Schwangerschaft sei nach Ansicht einiger zu gefährlich. Einige gingen sogar so weit, Coxsey vorzuwerfen, sie setze das Leben ihres Kindes aufs Spiel. Sorgen, die Coxsey nicht nachvollziehen kann.

"Es ist wahrscheinlicher, dass ich auf einer unebenen Straße stolpere"

"Jeder bewertet Risiko anders und die Leute glauben, dass ich während dem Klettern in Gefahr bin, obwohl ich mich eigentlich in meiner Komfortzone bewege", erklärt sie gegenüber dem britischen Radiosender 5 Live. Sie empfinde in anderen Situationen mehr Angst als beim Bouldern: "Es ist wahrscheinlicher, dass ich auf einer unebenen Straße stolpere, als an einer einfachen Kletterwand abrutsche."

Schon seit ihrem dritten Lebensjahr klettert die zweifache WM-Bronze-Gewinnerin (2019 in Bouldern und Kombination). An Erfahrung und Leidenschaft mangelt es ihr also nicht. Coxsey nahm als erste Britin an Olympia teil und belegte Platz zehn. 

Coxsey 2017 im Halbfinale in Tokio.

Coxsey 2017 im Halbfinale in Tokio.

| © IMAGO / AFLOSPORT

Kommentare zu ihrer vermeintlichen Verantwortungslosigkeit weist sie von sich: "Ich würde mein Kind nie in Gefahr bringen. Leute denken, ich könnte auf meinen Bauch fallen – was mir bisher noch nie passierte und ich auch noch nie gesehen habe."

"Das ist Mobbing"

Es sei unfair, dass eine Frau etwas aufgeben solle, nur weil sie schwanger ist und die Verurteilung durch andere fürchtet. Coxsey kommt zu dem Ergebnis: "Das ist Mobbing." Für sie sei klar, dass sie nie mit dem Klettern aufhören wird, wenn es nicht absolut notwendig ist. Ihre Schwangerschaft verlaufe problemlos und sei deshalb kein Grund.

Auch ihre Aktivität auf den Sozialen Netzwerken wird sie nicht einstellen. "Für mich ist es wichtig, zu zeigen, wie es mir in der Schwangerschaft ergeht und dass man trotzdem weiterhin klettern kann."

Diskussion um Bergsport in der Schwangerschaft

Die Kritik an der Profi-Athletin steht exemplarisch für eine Frage, mit der sich viele Bergsportlerinnen irgendwann konfrontiert sehen: Kann und darf ich meiner Leidenschaft auch noch schwanger nachgehen?

Dr. Walter Treibel, ehemals Leiter der Deutschen Gesellschaft für Berg und Expeditionsmedizin, rät generell: "Bergsport in der Schwangerschaft ist erlaubt, wenn er bereits vorher regelmäßig betrieben wurde und die Schwangerschaft normal verläuft."

Auch Dr. med. Mirjam Schönfeld, Gynäkologin an der LMU Frauenklinik München, äußert sich positiv über Klettern und Bergsport in der Schwangerschaft. Es sei wichtig, dass die Frauen auf den eigenen Körper hören. Wenn man sich also gut fühlt, stehe der Bewegung aus medizinischer Sicht nichts im Wege. Die Entscheidung sollte der Schwangeren überlassen werden, so das Fazit der Medizinerin.

Ob schwanger oder nicht: Kennt ihr euch aus mit Meilensteinen des alpinen Kletterns?

9 Kommentare

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Basti

Wer, wenn nicht die Mutter selbst kann darüber entscheiden, was Ihr gut tut oder sie sich zu traut.

Franziska auf Facebook

Denselben ,Shitstorm' erlebte die berühmte Bergsteigerin Alison Hargreaves schon 1988 (!), als sie im sechsten Monat schwanger (mit Sohn Tom Ballard) die Eiger Nordwand durchstieg. Sind wir heute - 34 Jahre bzw mehr als ein Vierteljahrhundert später - tatsächlich keinen Schritt weiter?

Wolfgang auf Facebook

Dem alpinen Ehrgeiz meiner Mutter habe ich es zu verdanken, dass ich im November 1969 im Alter von minus 3 Monaten über den guten alten Akademikersteig getragen wurde. Mutter und Kind sind 52 Jahre später immer noch wohlauf.

Nicolai auf Facebook

Wenn man schon immer Sport gemacht hat kann man es auch in der Schwangerschaft weitermachen, wird jeder Arzt bestätigen.

Eva auf Facebook

Die Leute sind immer schlauer wenn um jemand anderes geht's als sich selbs. Ich bin Fahrrad gefahren bis 8 Monat mit meinem Sohn...und mit meinem Tochter habe Ski gefahren mit 7 Monate. Frau ist schwanger...na und...Sport tut gut furs Seele.

Jochen auf Facebook

so manche leute sollten sich mehr um ihre eigenen Probleme kümmern. Soweit mir bekannt, gibt es keine Untersuchung welche zeigt das generell Sport in der Schwangerschaft ein Problem für das Kind ist. Es gibt Athleten welche noch sehr nah an ihrer Bestleistung gehoben haben, kurz vor der Entbindung und die Kinder waren alle gesund. Bei Kontaktsport hast du halt das Problem, dass du naütlrich einen Schlag in den Bauch bekommen könntest, weshalb man hier entsprechend anders ran geht (wie du es hier zB gemacht hast). Es ist immer wieder interessant wie schnell Leute bei so etwas aufschreien, aber keiner sich über den generellen Bewegungsmangel und deren Folgen Gedanken macht. Die Leistungsfähigkeit von einem Großteil der Bevölkerung ist erschreckend. Vllt eher der Neid, weil es einzelne gibt die alltägliche Belastungen besser abkönnen und nicht direkt schnaufen müssen weil sie drei Stufen gelaufen sind...

Sarah auf Facebook

wenn sie das schon die ganze Zeit gemacht hat und sich sicher fühlt warum nicht. Ich habe auch Basketball trainiert. Keine spiele gespielt ab dem Zeitpunkt wo ich es wusste. Im Training die spielsituationen immer mehr ausgelassen und mir ging es super. Hab bis 1 Woche vorher mich bewegt im Training…ja und man merkt selber was geht und nicht. Ach ja meine Kinder sind 14 und 10 mittlerweile und gesund und munter. Wenn man auf seinen Körper hört und den Sport schon lange vorher gemacht hat-wieso nicht.Ich sag dann besser mal nicht wann ich wieder das erste Ligaspiel gespielt habe und trainiert habe. Das ging nämlich sehr fix. Kann man gut finden oder nicht. Für uns war es super und mir ging es körperlich immer gut. Die Kinder haben nur den Schaden das sie genauso hinter dem Ball her sind wie ich.

Mari auf Facebook

Definitiv klettern, hat die Mama Freude geht es dem Baby gut

Daniel

Geht es hier darum zu diskutieren, in wie weit Sport in der Schwangerschaft zu vertreten ist, oder darum einen "Shitstorm" herbeizureden, der im Grunde vielleicht gar nicht existiert.
Wenn ich mir zu dem o.g. Beitrag die Kommentare durchlese, dann sehe ich höchstens 4 von 104 Kommentaren in denen sich kritisch oder besorgt geäußert wird. Mehr aber auch nicht.
Zur Sache an sich: Ich halte es für absolut vertretbar, wenn sie weiterhin klettert. Zum einen wird ihre medizinische Betreuung und ihr persönliches Gefühl für ihren Körper vermutlich etwas über dem des Amateursportlers liegen, und zum anderen kann wohl auch davon ausgegangen werden, dass sich ihre aktuelle Kletterei auf einem Niveau befindet, für das sie sich im nicht schwangeren Zustand nicht mal aufwärmt.