Innenminister Hermann stellt gemeinsam mit Vertretern der Bergrettung am Sudelfeld neue Möglichkeiten für die Bergrettung in Bayern vor: eine alpine Notruf-App, eine neue Flotte Polizeihubschrauber & Detektoren zur Vermisstensuche aus der Luft.

Zur Unterstützung der Kampagne "Mehr Schutz vor Lawinen“ war Innen- und Sportminister Joachim Herrmann jüngst im Skigebiet Sudelfeld bei Bayrischzell. Gemeinsam mit alpinen Experten wies er auf mögliche Gefahren beim Wintersport in den Bergen hin, vor allem im Bereich Lawinenschutz und -rettung.

Vorgestellt wurden neben einem Faltblatt mit lebenswichtigen Tipps, eine alpine Notruf-App sowie Detektoren zur Vermisstensuche aus der Luft. Auch die Hubschrauber-Flotte wird 2023 vergrößert. 

Lawineneinsätze: jede Minute zählt

Ein vor Ort durchgeführter Übungseinsatz der Lawinenhundestaffel Hochland demonstrierte anschaulich, dass es bei einem Lawineneinsatz auf jede Minute ankommt. Vor allem weniger Bergerfahrene würden drohende Gefahren im freien Gelände oft unterschätzen, erklärte Herrmann beim Pressegespräch. "Diese richtig einzuschätzen und wesentliche Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten, ist deshalb lebenswichtig.“

Enge Zusammenarbeit von Polizei, Bergwacht & Kuratorium für alpine Sicherheit

Neben dem alpinen Skifahren auf präparierten Pisten sind in den letzten Jahren immer mehr Skitourengeher:innen und Schneeschuhwanderer unterwegs. Abseits der Pisten herrscht mitunter jedoch große Lawinengefahr.

In der Saison 2021/22 kam es, wohl Witterungs- und Corona-bedingt, noch zu keinen Lawinentoten in den Bayerischen Alpen. Ebenso wenig in der Saison 2019/2020, laut Hermann eine erfreuliche Bilanz.

Zur weiteren Verbesserung der alpinen Rettung arbeitet der Freistaat eng mit Polizei, Bergwacht und dem Kuratorium für alpine Sicherheit zusammen. Das Bayerische Staatsministerium unterstützt die Arbeit des Kuratoriums alpine Sicherheit jährlich mit bis zu 100.000 Euro.

Notruf-App "SOS-EU-Alp"

Empfohlen für eine schnelle Ortung von Verschütteten wird die "SOS-EU-Alp"-App. Entwickelt wurde die App vom Kuratorium für alpine Sicherheit zusammen mit der Leitstelle Tirol sowie der Agentur für Bevölkerungsschutz in Bozen.

"Beim Absetzen eines Notrufs werden automatisch die genauen Positionsdaten des Unglücksortes an die zuständige Leitstelle in Bayern, Tirol oder Südtirol übermittelt und eine Sprachverbindung aufgebaut“, erklärte der Kuratoriumsvorsitzende Klaus Stöttner.

© Screenshot Google Playstore

Wenn kein Netz vorhanden ist, bekommen Verunglückte wichtige Hinweise für das richtige Verhalten.

Die Rettungs-App, die bereits 300.000 Mal heruntergeladen wurde, soll für den gesamten Alpenraum ausgebaut werden. Allein in Bayern wurden 2021 mehr als 210 Notrufe auf diesem Weg abgesetzt.

Als nächstes Update sind in Planung, dass Nutzer:innen relevante persönliche Informationen, wie Krankenversicherungsnummer oder Notfallkontakte, hinterlegen können.

Neue Hubschrauber-Detektoren bei Vermisstensuche

Die Bergwacht arbeitet bei der Vermisstensuchen eng mit der Polizei zusammen. Vor diesem Hintergrund wurden zwei "Recco-SAR-Detektoren" (SAR = "Search and Rescue") zur Vermisstensuche aus der Luft angeschafft.

Die Detektoren werden unten am Heli befestigt. Das Sender-Empfänger-System gibt ein akustisches Signal und zeigt durch die Lautstärke Richtung und Entfernung zur vermissten Person an.

Dies ermögliche innerhalb von sechs Minuten eine Fläche von einem Quadratkilometer abzusuchen.

Vermisstensuche aus der Luft: so hängt der Detektor am Hubschrauber.

Vermisstensuche aus der Luft: so hängt der Detektor am Hubschrauber.

| © Recco

Voraussetzung ist jedoch, dass Verunglückte einen Reflektor bei sich tragen. Die kleinen Metallplättchen seien bereits in rund 25 Prozent der Bergsportartikel integriert, können aber auch separat gekauft werden.

Die Technologie wird weltweit als Methode zur Lawinenverschüttetensuche eingesetzt – auch in Bayern, wo Bergretter seit langem am Boden mit Recco-Detektoren arbeiten.

Über einen solchen Detektor verfügt seit neuestem die Bergwachtregion Chiemgau. Zehn Bergretter wurden zuletzt bei der Bergwacht Bayern in Bad Tölz zu Operatoren ausgebildet.

Stationiert sind die beiden Detektoren in Sonthofen und Bad Reichenhall. 

Einen ersten Versuch der Luftortung gab es bereits einmal im letzten Jahr bei der Suche nach dem am Watzmann vermissten Trailrunner.

Damals war ein österreichischer Hubschrauber mit dem Detektor im Einsatz, allerdings konnte der junge Mann erst im Frühjahr durch Zufall gefunden werden.

Die beiden Recco-Detektoren wurden bei Sonthofen und Bad Reichenhall stationiert.

Die beiden Recco-Detektoren wurden bei Sonthofen und Bad Reichenhall stationiert.

| © Bergwacht Bayern

Acht neue Polizeihubschrauber angeschafft

In die neue Flotte leistungsfähiger Polizeihubschrauber investiert der Freistaat Bayern rund 145 Millionen Euro, so der Innenminister.

"Die acht neuen Maschinen vom Typ Airbus H145 können mit bis zu sechs Personen doppelt so viele Rettungskräfte oder Patienten transportieren als bisher."

Verunglückte können außerdem ohne Zwischenlandung per Rettungswinde an Bord geholt werden. Die Auslieferung der ersten Hubschrauber ist für Anfang 2023 geplant.

Faltblatt "Achtung Lawinen!“

Das neue Faltblatt "Achtung Lawinen!" wurde von den Alpinverbänden entwickelt. Mittels international verständlicher Symbole und Begriffe wird erläutert, wie Schnee- und Geländeverhältnisse sowie der täglich aktualisierte Lawinenlagebericht gelesen und beurteilt werden müssen.

Hier findet ihr die fünf Lawinenprobleme auf einen Blick:

"Eine sichere Tourenplanung sollte immer zu Hause, vor Ort und am Hang stattfinden“, ergänzte der Polizei-Alpinbeauftragte Helmut Weidel.

"Stets sollte man auch sein eigenes Gefühl hinterfragen und im Zweifelsfall lieber umdrehen", so Weidel weiter.

Die Broschüre steht online auf www.alpinesicherheit.bayern zum Download bereit.

Appell, Lawinengefahr ernst zu nehmen

"Egal ob diese Reflektoren oder klassische Lawinenverschüttetensuchgeräte eingesetzt werden: Wintersportler sollten abseits der Pisten immer auch eine Lawinennotfallausrüstung mitführen", machte Herrmann deutlich.

Er dankte dem Kuratorium für alpine Sicherheit, der Bergwacht sowie allen weiteren beteiligten Alpinverbänden für das ungebrochene Engagement, das für deutlich mehr Sicherheit in den Bergen sorge.

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