Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits peilen die nächsten Besteigungen an. Die 8000er-Frau steht vor ihrem zweiten Anlauf am Dhaulagiri . Geht alles gut, soll es zum K2 im Karakorum gehen. Ehemann Ralf ist derweil am 8485 Meter hohen Makalu zu Gange und meldet sich per Newsletter aus dem dortigen Basislager zu Wort. Ein Crash des russischen Transport-Hubschraubers beschert dem Spitzen-Alpinisten derzeit kalte Nächte…

Herrliche Aussicht: Blick vom Renjo La auf das Everest Massiv. Foto: Amical.

Makalu Expedition 2008

"Die letzten 14 Tage konnte ich mich bei herrlichem Wetter im Everest-Gebiet bereits bestens vorakklimatisieren. Der ursprüngliche Plan am unbegangenen Kongde Ri Ost-Pfeiler zumindest ein paar Meter nach oben klettern zu können, musste ich gemeinsam mit meinem Kletterpartner Chuldim Sherpa ziemlich schnell begraben. Hüfthoher Neuschnee an den niedrigeren Bergen vor dem Himalaya Hauptkamm ließen uns noch nicht mal zum Einstieg der Kletterei kommen. Die geplante Akklimatisation wäre hinfällig gewesen und so hatte ich mich schnell zu einem Ausweichtrekking in höhere Lagen des Everest-Gebiets entschieden.

Der schneefreie Weg über den Renjo La, mit knapp über 5300 m, sei renoviert worden - hatte ich gehört. Dieser einsame, aber umso schönere Übergang aus dem Tal südlich des Grenzpasses zu Tibet, dem Nangpa La, ins Gokyo Tal mit seinen gleichnamigen Seen, war die Mühe wirklich wert. Eine herrliche Treppen- und Steiganlage hat den Weg auf beiden Seiten des Passes ziemlich entschärft und bietet nun den Einstieg zu einer lohnenswerten Rundtour. Vor allem die Aussicht von der Passhöhe ist eine der schönsten des gesamten Everest-Gebiets.

Bei den Gokyo-Seen auf 4800 m verbrachte ich zwei geruhsame Nächte, bestieg den Everest-Aussichts-Gipfel Gokjo Ri und stieg dann wieder zum betriebsamen Flughafen-Dorf Lukhla (2850 m) ab, wo ich die anderen Mitglieder meiner ziemlich zusammen gewürfelten, internationalen Mannschaft traf. Es ist mehr eine Interessensgemeinschaft, die sich die Kosten einer Besteigungsgenehmigung und eines Verbindungsoffiziers teilt, - zwei Brasilianer, zwei Kolumbianer, ein Ecuadorianer, zwei Spanier und ich. Inwiefern sich der Aufstieg am Makalu später gemeinsam gestalten wird, muss sich erst noch herausstellen. Sehr unterschiedlich sind die Voraussetzungen.

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MI8 geht in die Knie

Am 18. April wurden wir mit eintägiger Verspätung per russischem MI8-Helikopter ins 4800 m hoch gelegene Hillary Basecamp am unglaublich wuchtigen Makalu geflogen. Da in diese Höhen nur noch 1000 kg geflogen werden dürfen, blieb natürlich das Gros des Gepäcks zurück. Den zweiten Flug ins Hillary Basecamp hatten eine Gruppe Spanier gebucht, in einem dritten Flug sollte danach das gesamte Gepäck nachgebracht werden. Der erste Flug mit den südamerikanischen Kollegen und mir fand also statt, aber schon der zweite Flug mit den Spaniern wurde wegen zu starker Bewölkung abgesagt. Nachgeholt wurde er am nächsten Morgen - mit durchschlagendem Erfolg: Sekunden vor der Landung um 8:30 Uhr muss es wohl zu einem Manövrierfehler gekommen sein und die MI8 schlug ziemlich heftig seitlich im sandigen Boden des Hillary-Basecamps ein. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, die Pilotenkanzel und das Fahrwerk wurden aber stark beschädigt. Die Spanier kamen mit dem Schrecken und ein paar Prellungen davon, die nicht akklimatisierten Piloten wurden kurz darauf durch einen kleineren Helikopter geborgen - und unser gesamtes Expeditionsgepäck steht auch weiterhin in Lukhla.

Unfall ohne Folgen: Der gecrashte MI8-Helikopter im Hillary Basecamp. Foto: Carlos Martinez.

Während dieser Bruchlandung befand ich mich bereits auf dem Weg ins höher gelegene Hauptbasislager. Gemeinsam mit dem Spanier Carlos Soria - wir kennen uns seit 1999 vom Broad Peak - hatten wir uns bereits um kurz nach Sieben auf den langen Weg nach oben gemacht. Sechs Stunden und 800 Höhenmeter später standen wir ziemlich schnaufend auf 5650 m und hörten kurz darauf über Satelliten-Telefon vom flugunfähigen Heli im Hillary-Basecamp.

Seither hat sich nicht mehr viel ereignet: die erste Nacht auf dieser Höhe war eher zäh mit leicht brummendem Kopf, die Sonne erreicht erst um 8:00 Uhr das Lager und als sie endlich das -11°C kalte Innere meines Zeltes erwärmte, war ich froh, aus meinem viel zu dünnen Hochlager-Schlafsack steigen zu können. Der dicke, warme Schlafsack fürs Basislager (und meine gesamte andere Daunenausrüstung) liegt gut verpackt in Lukhla - bin gespannt wann und wie alles hier her kommen wird."

Aus dem Makalu Basislager berichtet

Ralf Dujmovits

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Weitere Informationen auf Alpin.de: Kaltenbrunner wagt es erneut

Ralf Dujmovits: "Ich habe nur noch geheult"