Der Deutsche Alpenverein blickt auf eine sehr ungewöhnliche Sommer-Bergsaison zurück.

Der Herbst ist traditionell eine beliebte Wandersaison. Für Alpenvereinshütten sind die Monate von September bis Oktober deswegen auch eine wichtige Zeit. Trotzdem blieben zuletzt viele Tische und Betten leer - insbesondere auf den Hütten in Österreich. 

Abstand halten: In manchen Stuben, wie hier im Hallerangerhaus, gestaltet sich dies als äußerst schwierig.

| © DAV / Stefan Wolf

Der Grund war neben dem anhaltend schlechten Wetter auch die Corona-Lage. Teile Österreichs, darunter Tirol, wurden vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft. Entsprechende Reiswarnungen durch das Auswärtige Amt waren die Folge.

Vorgezogene Hüttenschließungen

Wirtsleute von den Alpenvereinshütten in Österreich berichten deshalb, dass nahezu alle Übernachtungen storniert wurden. Tagesgäste kamen ebenfalls nicht in nennenswerter Zahl. Nach einem schwierigen Start im Frühjahr und einem turbulenten Sommer, endet die Saison für zahlreiche Hütten also unbefriedigend. 

Einige von ihnen schließen deshalb auch früher als ursprünglich geplant. Denn auch ohne Gäste fallen Fixkosten an. "Seit September haben wir praktisch kaum mehr Betrieb, über 95 Prozent der Buchungen wurden storniert", sagt Raimund Pranger, Wirt der Erfurter Hütte in Tirol. 

Saison war besser als befürchtet

Für zahlreiche Hütten mit vielen Tagesgästen ist die Saison hingegen gut gelaufen. Die anfänglichen Befürchtungen von verwaisten Tischen und kalten Küchen haben sich zumeist nicht bewahrheitet. Vielmehr sorgte der Run auf die Berge für volle Terrassen. Die Restriktionen in der Gastronomie wurden im Laufe des Sommers immer weiter gelockert. Jedoch blieben die Regelungen in Österreich und Deutschland unterschiedlich. 

Während in Österreich die Maskenpflicht erst aufgehoben und dann wieder eingeführt wurde, waren Gäste in deutschen Hütten immer verpflichtet, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen. Nicht nur die Gäste verloren dabei regelmäßig den Überblick, welche Regeln wo galten. Für das Verständnis war das nicht förderlich.Im Außenbereich dagegen war bei gutem Wetter ein beinahe regulärer Betrieb möglich. Doch das galt nicht für alle Hütten. Einige von ihnen haben in diesem Sommer überhaupt nicht geöffnet. 

Entweder weil die Lage nicht attraktiv für Tagesausflügler ist oder weil die Raumstruktur kein Hygienekonzept zulässt. In einigen Fällen kam auch beides zusammen. Für sie war 2020 eine vollkommen verlorene Saison.In den Unterkünften, die geöffnet hatten, hat sich das Geschehen oft nach draußen verlagert. Die Gasträume haben dieses Jahr eine geringere Rolle gespielt. Das wurde dann auch einigen Hüttenpächterinnen und Hüttenpächtern zum Verhängnis. Denn ab September spielte das Wetter nicht mehr mit: viel Regen und ein ungewöhnlich früher Wintereinbruch vermiesten die Bilanz. 

"Schlechtes Wetter bedeutet meist auch ein schlechtes Geschäft", fasst Tobias Bachmann vom Spitzsteinhaus in den Chiemgauer Alpen die Situation zusammen. Einige Wirtsleute sind deshalb auch froh, wenn diese ungewöhnliche Saison, die viele als sehr anstrengend empfanden, zu Ende geht.

Gemütlichkeit wird zu Infektionsrisiko

Generell hat dieser Sommer den Wirtsleuten einiges abverlangt: Zuerst der verspätete Saisonstart wegen der Ausgangsbeschränkungen im März und April. Dann die Eröffnung mit Hygiene- und Abstandskonzepten, die in den meist engen Hütten nicht ohne Weiteres umzusetzen waren. An einen regulären Übernachtungsbetrieb in den nicht selten 40 Plätze und mehr bietenden Schlaflagern war nicht zu denken. 

Und dann die Gasträume: Bislang galten die niedrigen Deckenhöhen der oftmals hundert und mehr Jahre alten Hütten als gemütlich. Jetzt gelten sie als ein Infektionsrisiko. Im Laufe des Sommers wurden die Reisebeschränkungen gelockert und Urlaub in Deutschland und seinen Nachbarländern war beliebt wie lange nicht. 

Doch der Andrang auf die Alpen traf auf massiv reduzierte Beherbergungskapazitäten. Einige Hütten durften ihre Schlaflager und Zimmer von behördlicher Seite mit kaum mehr als 25 Prozent belegen.

"Unsere Alpenvereinshütten haben eine wichtige Schutz- und Lenkungsfunktion, die wir unbedingt aufrechterhalten müssen", sagt Roland Stierle, DAV-Vizepräsident. Doch wenn drei von vier Betten leer bleiben müssen, wird der Erhalt der Hütten auf Dauer nicht möglich sein. 

Ausblick auf den Winter: Winterräume nur für Notfälle

Eine Entspannung der Situation ist bislang nicht in Sicht. Die Infektionszahlen steigen seit Oktober stetig, nahezu ganz Europa gilt mittlerweile als Risikogebiet. Allerdings ist auch nur ein kleiner Teil der 67 bayerischen und 183 österreichischen Hütten des DAV im Winter geöffnet.

Und auch die DAV-Winterräume stehen den Bergsportlerinnen und -sportlern nicht wie gewohnt zur Verfügung: Sie sind ausschließlich für Notfallsituationen offen. Touristische Übernachtungen in Winterräumen von DAV-Hütten sind dagegen weder in Deutschland noch in Österreich möglich. Für Winterräume des Österreichischen Alpenvereins gelten eigene Regeln.

Was Hüttenpächter*innen zum Corona-Sommer sagen, lest ihr hier.

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