In Tirol nimmt die Zahl der Anzeigen wegen Verstößen gegen die Ausgangsbeschränkungen zu.

Wie kein anderes Bundesland in Österreich ist Tirol von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Alle 279 Gemeinden des Bundeslandes stehen unter Quarantäne, für die Tiroler gelten seit Tagen verschärfte Ausgangsbeschränkungen - auch hinsichtlich sportlicher Aktivitäten in der Freizeit; Skitouren wie Bergwanderungen sind beispielsweise untersagt.

Das Verbot schien aber eine Gruppe von Skitourengehern nicht weiter zu stören. Die vier Personen waren am Montag, den 16. März, von der Polizei bei einer Tour im Bezirk Innsbrucker Land angetroffen worden. Nachdem sie von den Beamten auf die geltende Regelung hingewiesen worden waren, versprachen die Tourengeher, sich daran halten zu wollen. Keine 24 Stunden später wurde die Gruppe erneut von Beamten "auf Tour" erwischt. 

Gegen die uneinsichtigen Wintersportler wurde daraufhin Anzeige erstattet. Sie müssen mit einem Bußgeld von bis zu 3600 Euro pro Person rechnen. 

Nach übereinstimmenden Medienberichten hat sich die Zahl der in Tirol zur Anzeige gebrachten Verstöße innerhalb von fünf Tagen von 91 auf 216 Fälle erhöht.

Tegernseer Bürgermeister schreiben Brandbrief

Etwas diffuser ist die Lage in Bayern. Zwar gelten seit vergangenen Samstag auch in Bayern weitreichende Ausgangsbeschränkungen. Was die Frage der Freizeitaktivitäten anbelangt, sind diese aber nicht klar formuliert.

Denn grundsätzlich ist es weiter erlaubt, alleine oder in Begleitung enger Familienangehöriger Sport zu treiben oder in die Natur zu gehen, die Frage nach dem Ort - ob nur vor der eigenen Haustüre oder auch weiter entfernt - ist nicht eindeutig geklärt.

Am Wochende machten sich offensichtlich viele Menschen aus dem Großraum München auf zum Tegernsee und die umliegenden Berge. Sehr zum Ärger der dortigen Gemeinden. Deren Bürgermeister schlagen nun Alarm. In einem öffentlichen Brief an die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner, wird darum gebeten, "dass die Allgemeinverfügung dahingehend erweitert wird, dass sich Leute nur in ihren Landkreisen aufhalten dürfen. Insbesondere was Spazierengehen und Sport betrifft".

Aigners Büro reagierte umgehend. Die Menschen in Bayern sollen natürlich weiterhin "vor die Türe gehen können", heißt es in dem Schreiben. Dies dürfe aber nicht so verstanden werden, "mit dem Auto Ausflüge in andere Landkreise zu unternehmen und den gleichen Bewegungsradius wie vorher zu haben. Damit würden die Maßnahmen konterkariert".

Florian Hermann stellte bereits eine entsprechende Regelung, wie von den Bürgermeistern angemahnt, in Aussicht. Denn offenbar können "wir uns auf die Vernunft der Menschen nicht verlassen", so der Chef der Bayerischen Staatskanzlei.

Suche nach Vermissten beschäftigt Bergwacht

Trotz flammender Appelle von Alpenvereinen und Bergrettungsdiensten, derzeit auf Touren zu verzichten, sind weiterhin viele Bergsportler im Alpenraum unterwegs

Durch einen Einsatz werden Kräfte gebunden, die im Kampf gegen Corona an anderer Stelle dringender gebraucht würden. Das dies nicht nur abstrakte Theorie ist, verdeutlicht ein Fall aus dem Allgäu.

Am vergangenen Sonntag mussten insgesamt 50 Angehörige der Bergwachten Sonthofen und Bad Hindelang sowie sechs Beamte der Alpinen Einsatzgruppe stundenlang nach einem vermissten Wanderer suchen, ehe sie den 43-Jährigen wohlbehalten im Bereich Oberjoch ausfindig machen konnten. Der Allgäuer hatte dort offensichtlich planmäßig biwakiert, ohne aber vorher jemanden darüber zu informieren.

18 Kommentare

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aircontroller

- eine hochtechnisierte Gesellschaft, aber "manchem Kopf fehlt nichts als das Gehirn"

lemueck

setzt doch mal ein Zeichen! Wenn die erste Verwarnung nicht gezogen hat mal Höchststrafsatz auspacken! Nur so scheint es eine Person zu treffen, wenns um den Geldbeutel geht.

Ansonsten wird es Nachmacher geben wenn man erkennt nicht wirklich bestraft zu werden!! Ich würd aucv lieber Touren gehen ... geht halt nicht

Lothar Hubert auf Facebook

Könnt ihr nicht einfach mit eurem Arxxx daheim bleiben wie wir alle es tun? Müssen sich immer welche über gesetzliche Regeln stellen, und den „wilden Anarchisten „ spielen? Nur weil sie es nicht verstehen wollen? In Krisenzeiten müssen Regeln erstellt werden, ob es jeder versteht bzw. Akzeptiert oder nicht. Ich würde für solche „Freigeister“ Bußgelder im Existenzbedrohenden Bereich ausloben.Vielleicht hilft das dann dem Verständnis!

Jörg Ohlhoff auf Facebook

..schade, dass manche Kommentare hier nur dazu dienen, den Andersdenkenden niederzumachen. Man mag verschiedener Meinung sein über die Auslegung einer Ausgangsbeschränkung in Bayern - in Tirol selbst gibt es keinen Handlungsspielraum - , aber derzeit sind Bergaktivitäten möglich und erlaubt , auch wenn es nicht jedem gefällt .. mit einem vernünftigen Risikobewusstsein und fernab jeder Leistungsgrenze. Wenn die Politik es anders haben möchte, soll sie das machen. Aber in der derzeitigen Lage darf man in die Berge gehen .. und das ist gut so. Und so mache ich es auch.

Josef Wild auf Facebook

Ich versteh hald nicht wieso man die ganzen Leute nicht einfach auf Eigenverantwortung ihren stuss machen lässt, dann haben Polizisten, Tourengeher und Krankenhäuser etc. Ihre Ruhe.

Mi Zi auf Facebook

Man benötigt für jede op (und sei es nur ein unterschenkelbruch) Anästhesie und Beatmungsmaschinen. Diese werden gerade zusammengesucht zur Beatmung von covid Patienten, welche dann für mehrer Tage diese benötigen um zu überleben. Geht also bitte in die Berge, aber verlangt nicht dass ihr gerettet werdet und ggf operiert werden könnt wie sonst!
Unmöglich dieses Verhalten! Und ja gegen einen Spaziergang ohne Risiko hat niemand was. Aber gegen Bergtouren die immer ein gewisses Restrisiko bergen.

Michaela Blazek auf Facebook

@Martin Woodmann Nicht kapiert, Sportsfreund? Wenn Dir was passiert bei Deiner unnötigen Tour, beanspruchst Du die Leistung derer, die sich verdammt nochmal derzeit um was anderes kümmern müssen, als solche Leute, wie Du einer bist ?? Kapierst Du das noch immer nicht? Hast Du Opa und Oma oder Personen um Dich, die "Risikopatienten" sind? Ich schon und ich habe Angst, dass so jemand wie Du wegen Deines unüberlegten und egoistischen Verhaltens solchen Personen einen Stein in den Weg legen, weil man sich um Dich auch noch kümmern muss...
Bin stinkesauer. Was meinst, wie gerne ich auf den Berg möchte? Aber ich schalte mein Hirnkastl ein, verdammt nochmal.

Barbara Jaescke auf Facebook

@Martin Woodmann Was auch sie nicht begreifen, ist, dass zufälle unfälle machen, besonders in den bergen. und keine zeit für das ausstellen von experienced persilscheinen ist.
und es hilft nichts, auf tiroler landeshauptmänner zu zeigen, die haben formal, wenn auch aus ökonomischen motiven, genauso egoistisch (& herablassend arrogant) gehandelt und argumentiert wie sie.

im grunde entspricht ihre häme ungefähr dem abstraktionsvermögen eines jugendlichen. zeit, hier mal symbolisch das ende der pubertät zu akzeptieren. und b ü r g e r dieses ihres staates/landes zu werden

alpin.de auf Facebook

@Martin Woodman Wenn alle großen Alpenvereine in Verbund mit den Bergrettungsdiensten dazu aufrufen, derzeit auf Bergtouren zu verzichten, wird das schon seinen Grund haben! Aber hey, sollen sich doch die ganzen Spießbürger und Kleingeister an die Appelle der alten weißen Männer aus den Vereinen haltenl?!

Martin Woodman auf Facebook

Diese Empörungskultur nervt. Ja, der Wald und Wiesen-Wanderer sollte sich vielleicht derzeit nicht in die Grandes jorasses Nordwand verirren, aber es spricht außer einer Tiroler Notstand Verordnung (wobei die Politik einen großen Anteil der Schuld trägt, dass es überhaupt soweit gekommen ist) überhaupt nichts dagegen, wenn gute Bergsteiger einfache Touren mit überschaubaren Risiko angehen. Da wird keine Bergrettung gebraucht und es werden keine medizinischen Kapazitäten gebunden.

Aber klar, dass das spießbürger- und Denunziantentum empört aufschreit.

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