Der "Königsjodler“: 1700 sportliche Klettersteigmeter

Bergportrait: Der Hochkönig (2.941 m)

Der Hochkönig ist eine Burg von einem Berg, ein mächtiges Massiv mit Dutzenden von Zacken und Zinnen. Sein Hauptgipfel überragt den bayerischen König Watzmann um Haupteslänge und ist der höchste Berg der Berchtesgadener Alpen. Im Süden stürzen bis zu 1000 Meter hohe Felswände auf die bucklige Welt der Dientner Schieferberge hinab. Nach Norden erstreckt sich eine 12 Quadratkilometer große Hochfläche, wo einst der Plateaugletscher der Übergossenen Alm lag.

Der "Königsjodler“: 1700 sportliche Klettersteigmeter.
© Herbert Raffalt

Der Hochkönig: Lage

Der Sage nach soll hier oben einst eine fruchtbare Almenlandschaft gewesen sein, die den Sennerinnen Reichtum und Überfluss bescherte: "Die übermütigen Dirnen wollten zarte feine Gesichter und Arme haben, da badeten sie sich in der Milch und schütteten dann das köstliche Labsal schafflweise weg. Die Wege zwischen ihren Hütten wurden mit runden Käslaiben gepflastert, die Fugen dazwischen mit frischer Butter ausgefüllt, damit, wie sie sagten, der Teufel etwas zu fressen habe …“

Da Hochmut vor dem Fall kommt, konnte die Sache nicht gut ausgehen: Ein Schneesturm von biblischen Ausmaßen zog heran und begrub die zuvor blühende Landschaft samt den sündigen Sennerinnen und ihrem Vieh unter ewigem Eis.

Als Valentin Stanig Anfang des 19. Jahrhunderts erstmals den Hohen Göll bestieg, schwärmte er von der Übergossenen Alm in den höchsten Tönen: "Aber keinen der Berge betrachtete ich so lange und mit so feyerlichem Ernste, als den sogenannten ewigen Schnee oder die vergossene Alpe. Eine Reihe von sehr spitzigen Felspyramiden macht den Anfang von Ost nach West, und dann beginnt das ausserordentlich grosse Gletscherfeld. Wie eine ruhige Wolke bedeckt es den sehr langen und breiten Rücken dieses Riesen der Berge.“

Der Hochkönig: Historisches

Die touristische Erstbesteigung des Hochkönigs unternahm der Salzburger Theologieprofessor Peter Carl Thurwieser am 5. September 1826, er wählte den heutigen Normalweg von der Mitterfeldalm herauf. Auf der Übergossenen Alm scheint heute das Ende der Ewigkeit in Sicht, denn von dem "außerordentlich großem Gletscherfeld“ ist mittlerweile nur noch ein kleiner Rest übrig.

Dafür haben sich die Alpinisten den von Stanig beobachteten "spitzigen Felspyramiden“ ausgiebig gewidmet: Griffiger Fels in allen Schwierigkeitsgraden wartet hier auf den Kletterer – und das in rauen Mengen. Neben den Anstiegen aus dem Blühnbachtal über den Floßkogel und von Hinterthal durch die Teufelslöcher erfreut sich der "Königsjodler“ allergrößter Beliebtheit. Mit Recht, denn der 2002 eröffnete Klettersteig bietet wirklich alles, was Ferratisten lieben – und rechtfertigt sogar für eingefleischte Alpinisten einen Seitensprung.

Der Königsjodler

Türmereich ist er, der Anstieg über den "Königsjodler“ auf den Hochkönig. Über acht ausgesetzte Zacken führt der komplett verdrahtete Klettersteig auf den Hohen Kopf. Die Abstiege durch das Birgkar und auf dem Schartensteig sind dann noch lang.

<p>Beim Blick auf den Hochkönig kommt man ins Schwärmen.</p>

Beim Blick auf den Hochkönig kommt man ins Schwärmen.

© Herbert Raffalt

Eine Übernachtung in der Erichhütte verkürzt den Zustieg zum Königsjodler um etwa 40 Minuten. Genug Zeit, um bei frühzeitigem Aufbruch als einer der Ersten die Karabiner in den Klettersteig zu klinken. Rechts und rechte Seite: Almenidyll beim Abstieg über den Schartensteig zum Arthurhaus und zurück zum Dientner Sattel.

Toureninfo: Königsjodler Klettersteig am Hochkönig

  • Schwierigkeit: Insgesamt 1750 Hm (davon 700 Hm am Klettersteig), 7–9 Std. bis zum Ausstieg am Hohen Kopf, von dort noch 1/2 Std. bis zum Matrashaus, 3–4 Std. Abstieg.

  • Ausrüstung: Bergausrüstung und komplette Klettersteigausrüstung mit Helm, Klettersteigset und Handschuhen. Auch Leichtsteigeisen können in dieser Höhe nie schaden.

  • Talort: Dienten, 1071 m.

  • Ausgangspunkt: Parkplatz am Dientner Sattel, 1342 m.

  • Hütte: Matrashaus, 2941 m, ÖTK, am Gipfel des Hochkönig. Ende März bis Ende Mai und Mitte Juni bis Anfang Oktober (und darüber hinaus je nach Witterung) bewirtschaftet, sonst offener Winterraum mit Lagern und Decken, aber ohne Koch- und Heizmöglichkeit, matrashaus.at

  • Route: Vom Dientner Sattel erreicht man in 21/2 Std. über die Erichhütte und den Weg 432 den Einstieg in der Hochscharte. Danach folgt man ohne Orientierungsprobleme dem Drahtseil bis zum Ausstieg am Hohen Kopf, 2875 m, 51/2–61/2 Std. Der Flying Fox über den Stallerriss kann auch umgangen werden. Vom Ausstieg nach Osten zum Matrashaus.

  • Abstieg: Der Abstieg durch das Birgkar führt gleich rechts des Ausstiegs auf direktem Weg zum Birgkarhaus am Dientner Sattel, 3–4 Std., sollte aber nur von versierten Alpinisten erwogen werden …

  • Tipp: … sehr viel entspannter ist eine Übernachtung im Matrashaus (fantastische Sonnenunter- und -aufgänge), um anderntags nach Osten zum Arthurhaus abzusteigen, 3–4 Std. Von dort mit Bus oder Taxi zurück zum Dientner Sattel.

<p>Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs</p>

Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs

© Tyrolia Verlag

Mit freundlicher Genehmigung aus:

Austria Alpin - Große Gipfel Österreichs

Autor: Robert Demmel mit Fotografien von Herbert Raffalt und Bernd Ritschel

Preis: 29.95 EUR

Details: 240 Seiten mit 300 farb. Abbildungen und 52 Kartenskizzen

Text von Robert Demmel

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