Halbseile- und Zwillingsseile sind zum Klettern von Mehrseillängenrouten oder bei einer Dreier-Seilschaft vorteilhaft. Doch worauf sollte man beim Kauf achten?

Für Laien klingt es banal, wenn man liest, dass ein Seil die Dreifach-Zertifizierung für die Anwendung als Einfach-, Halb- und Zwillingsseil hat. Doch für jeden, der mit dem Thema etwas vertraut ist, wird schnell klar: Wow, das ist gar nicht so einfach. Warum? 

Doppelseile im Test: Worauf kommt es an?

Seile müssen auf der einen Seite eine Mindestbruchlast aushalten, gleichzeitig müssen sie aber auch elastisch sein, damit der Fangstoß auf den Stürzenden nicht zu hoch ist. Der Fangstoß ist die Kraft, die auf den Stürzenden wirkt, wenn der Sturz durch das Seil abgebremst wird. 

Da Einfachseile natürlich im Einfachstrang getestet werden, Zwillingsseile aber im Doppelstrang, ist es gar nicht so einfach, auf beiden Seiten die Anforderungen zu erfüllen. Das ist ja auch der Grund, warum man als Kletterer nie zwei Einfachseile parallel einhängen sollte. Der Fangstoß würde zu hoch werden.

Dagegen ist die Doppelzertifizierung als Zwillings- und Halbseil inzwischen fast Standard. Klar, auch Halbseile werden im Einfachstrang zertifiziert, aber mit 55 kg Sturzgewicht und nicht mit 80 kg wie Einfachseile.

Doppelseile im Test: Wann benutze ich ein Doppelseil?

Zwillingsseile werden immer wie ein Seil benutzt, das heißt, sie laufen immer parallel. Vorteil ist vor allem die Redundanz bei Stürzen und im alpinen Gelände (z.B. bei Steinschlag) und die komplette Abseillänge. 

Halbseile hingegen können separat in einzelnen Zwischensicherungen eingehängt werden. Besonders im alpinen Terrain mit "wackeligen" Zwischensicherungen und beim Eisklettern ist das ein Thema. 

Im deutschen Sprachraum werden Halbseile aber vor allem dafür genutzt, in einer Dreier-Seilschaft unterwegs zu sein. Denn im Gegensatz zum Zwillingsseil kann ich bei einem Halbseil an jedem Strang einen Kletterer nachsichern. 

Doppelseile im Test: Was gilt es zu beachten?

Wer mit Halbseilen vorsteigt, die nicht auch als Zwillingsseil zertifiziert sind, sollte – auch wenn es wegen der Sicherungspunkte nicht notwendig erscheint – die Seile nicht immer komplett parallel einhängen. 

Den kompletten Test findet ihr in ALPIN 9/21.

Denn sonst kann sich auch hier ein (zu) hoher Fangstoß ergeben. Bei der Auswahl eines Seils schauen viele Kletterer vor allem auf den Durchmesser. Aber: Ihr tragt nicht nur den Durchmesser, sondern vor allem das Gewicht. 

Doppelseile im Test: Das ist unser Fazit

Wer ein leichtes Seil haben will, sollte auf das Metergewicht schauen. Hier haben das Edelrid Skimmer Eco Dry 7,1 und das Beal Gully 7,3 Golden Dry die Nase vorne, knapp gefolgt vom Edelweiss 7.8 Elite. Das Edelweiss hat allerdings nur die Halbseilzertifizierung (genauso wie das CT Tour 8.3), das Beal und das Edelrid haben ebenso wie das etwas schwerere Mammut 8.0 Alpine Dry die Halb- und Zwillingsseilzertifizierung.

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Neben dem Gewicht spielt beim Klettern das Handling eine wichtige Rolle. Zu "weiche" Seile sind nicht gut, weil sie mehr Seilreibung haben und oft etwas "matschig" daherkommen. Zu steife Seile sind auch nicht gut, weil das Handling oft recht mühsam ist und sie zum Krangeln neigen. 

Und beim Sichern? Gerade für die dünnen Seile unter acht Millimeter gibt es nur wenige Sicherungsgeräte, die geeignet sind, vor allem für den Vorstieg. Da liegt es nahe, im Vorstieg mittels Halbmastwurf zu sichern, der durchmesserunabhängig ist. Das wiederum geht aber nur, wenn man beide Seile parallel einhängt, da man in der HMS nur schwer ein einzelnes von den beiden Seilen ausgeben kann.

Man sollte sich also gut überlegen, wie man sein Seil nutzen will. Wer sich alle Optionen offenhalten will, tut gut daran, ein Seil mit Doppelzertifizierung zu wählen.

Hier findet ihr unseren Test mit fünf verschiedenen Halb- und Zwillingsseilen. Klickt auf das Produktbild für eine Großansicht:

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