Die wenigsten Skitourenziele erreicht man ohne Kick- bzw. Spitzkehre. Leider ist diese Kehre nicht ganz einfach. Mit ein paar Tipps und etwas Übung sollte es klappen, sicher um die Ecke zu kommen. Wir zeigen Euch, wie es geht.

Bei normalen Bedingungen kann man bei einer Skitour die Kurven bis zu einer Hangsteilheit von etwa 28 Grad ausgehen oder austreten. Das ist erstaunlicherweise bei fast allen Leuten gleich, vielleicht mit einer Abweichung von +/- 2 Grad.

Neben der Tatsache, dass man ab dieser Steilheit eine Spitzkehre machen muss, hat diese magische Grenze natürlich noch eine andere, wichtige Bedeutung: Ab dem Moment, an dem man eine Spitzkehre benötigt, wird die Beurteilung der Lawinengefahr entscheidend. Denn bekanntlich ist die 30-Grad-Grenze ein ganz zentraler Faktor beim Thema Lawine.

In steilem Gelände braucht es auf Skitour eine saubere Spitzkehrentechnik

Ohne gute Spitzkehrentechnik kann eine Skitour schnell vom Vergnügen zum Albtraum werden.

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Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Arten, eine Spitzkehre anzugehen. Entweder man "kickt", oder man führt den zweiten Ski nahe des Standbeins herum. Welche dieser beiden Methoden man wählt, hängt stark vom Ski ab. Hat man ein Modell, bei dem die Spitze eher leichter herunterfällt, wenn man seinen Ski anhebt, ist man besser mit der Kickkehre beraten. Kommt die Skispitze beim Anheben jedoch deutlich hoch, ist es meist schneller und einfacher, die Spitze des Skis am Knie vorbeizuführen.

In steilem Gelände notwendig: die Spitzkehre.

In steilem Gelände wird die Kick- oder Spitzkehre notwendig.

Die Art und Weise der Spitzkehre hängt maßgeblich auch von der Griffigkeit und Beschaffenheit des Schnees ab. Bei weichem, griffigem Schnee steht man sicherer und kommt besser um die Ecke.

Kickkehre auf Skitour: So macht ihr sie richtig

Bei der Kickkehre ist vor allem das Timing wichtig. Mit etwas Übung bekommt man das aber nach einiger Zeit flüssig hin.

Davon ausgehend, dass die Spur eine gleichmäßige Steilheit hat, ist es für beide Arten der Kehre leichter, den letzten Schritt vor der Kehre etwas flacher zu setzen. So steht man stabiler. Besonders bei Harsch ist so die Gefahr des Wegrutschens geringer.

Dann wird der erste Ski umgelegt. Das ist meist noch einfach. Wichtig ist dabei, diesen Ski so weit umzulegen, bis er horizontal steht.

Das hat zwei Gründe:

1. Man steht besser und stabiler.

2. Man kann das Bein viel näher an das "Noch-Standbein“ des Talski setzen, ohne mit dem Skiende auf dem anderen Ski zu stehen.

Das Anheben des Talskis bei Spitz- und Kickkehre

Das Anheben des Talskis bei Spitz- und Kickkehre

Jetzt zeigen beide Ski in unterschiedliche Richtungen, die Beine stehen relativ nahe beieinander. Macht man nun eine Kickkehre, verlagert man seinen Körperschwerpunkt auf das Bein, dessen Ski schon in die neue Richtung zeigt (was einfach geht, da die Beine ja nahe beieinander stehen) und hebt den Talski an.

Dabei kickt man noch in der Aufwärtsbewegung mit der Ferse auf den Heckbacken bzw. die Steighilfe. Dadurch hebt sich die Skispitze und man kann den Ski mit einem guten Timing ganz einfach umsetzen.

Entscheidend sind dabei die Kraft bzw. Dynamik, mit der man den "Kick" ausführt, sowie das Timing. Das muss man üben.

Tipps zur Kickkehre zusammengefasst:

  • Letzter Schritt mit dem Talski erfolgt nahezu horizontal

  • Letzter Schritt mit dem Bergski wird unbelastet ausgeführt

  • Gewicht voll auf den Talski

  • Der erste Ski (Bergski) wird gedreht und in der neuen Gehrichtung ebenfalls fast horizontal aufgesetzt

  • Gewichtsverlagerung komplett auf den neuen Talski

  • Richtige Stockposition einnehmen

  • Anheben des alten Talski und "Kick" auf den Fersenteil

  • Ski mit geübtem Timing drehen

Flacher letzter Schritt vor der Spitzkehre auf Skitour

In steilerem Gelände als hier fällt der letzte Schritt vor der Kehre mit dem Talski noch flacher aus.

Besonders bei der Kickkehre ist die Position der Stöcke wichtig, damit sie nicht im Weg sind. Den einen Stock stellt man darum neben den schon umgelegten, ersten Ski, nahe an die Bindung (talseitig). Den zweiten bergseitig so weit nach außen, dass man damit sein Gleichgewicht stabilisiert, er aber nicht im Weg ist.

Spitzkehre auf Skitour: So macht ihr sie richtig

Bei der zweiten Variante der Spitzkehre hebt man den Talski an und führt das Bein etwas nach hinten. In dieser Zeit hat sich die Skispitze schon gehoben, die sich jetzt direkt neben dem Knie des neuen" Standbeins befindet. Nun braucht man nur noch die Richtung des Skis zu ändern. Das ist meist einfacher, weil kein so exaktes Timing nötig ist. Das geht aber wirklich nur dann gut, wenn die Spitze des unbelasteten Skis von alleine hochkommt.

Das Bein weit nach hinten zu führen hilft vor allem bei der Kehre ohne Kick.

Je nach Könnensstufe und Bedingungen kann man den zweiten Ski beim Umlegen schon wieder in die normale Steilheit der Spur setzen. Ist es aber eisig, tut man sich auch hier leichter, den Ski erst weiter horizontal umzulegen und dann beim nächsten Schritt in die normale Steilheit der Spur überzugehen. 

Nach erfolgreicher Kehre geht es in der Spur weiter

Nach erfolgreicher Kehre geht es in der Spur weiter

So oder so: Spitzkehren sind kein Hexenwerk, brauchen aber wie so Vieles einfach etwas Übung.

Tipps zur Spitzkehre zusammengefasst:

  • Letzten Schritt vor der Kehre etwas flacher machen

  • Sicheren Stand suchen

  • Bergski – das ist der, der zuerst umgelegt wird – fast horizontal setzen, Bein nahe an das andere (noch) Standbein

  • Gewichtsverlagerung auf das neue Bein

  • Richtige Stockposition einnehmen

  • Talski anheben und nach hinten führen

  • Gedrehten Ski auch noch nicht in die Spur setzen, sondern etwas flacher positionieren

Spitz- und Kickkehre auf Skitour erklärt euch Berg- und Skiführer Olaf Perwitzschky im Video:

Und hier die Spitzkehre (Kickkehre) Schritt-für-Schritt zum Durchklicken:

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