Wer auf Bergtour oder im Urlaub ist, sollte ein Schmerzmittel dabei haben. Am besten eines, bei dem man weiß, wie es wirkt, bzw. eines, das man nicht zum ersten Mal nimmt.

"Der zentrale Aspekt vieler bekannter, frei erhältlicher Präparate ist die Hemmung eines bestimmten Enzyms der Entzündungsreaktion", beginnt die Hamburger Anästhesistin Britta Schreiber das Wirkprinzip von Schmerzmitteln wie Ibuprofen (Ibu), Paracetamol (PCM), Diclofenac (Diclo) und Acetylsalicylsäure (ASS) zu erklären. 

Schmerzmittel: Große Auswahl, große Unterschiede.

Schmerzmittel: Große Auswahl, große Unterschiede.

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Wir verwenden absichtlich gängige Abkürzungen, da sie im ärztlichen Alltag den Patienten gegenüber oft verwendet werden.

Das genannte Enzym, die Cyclooxygenase (COX), spielt eine wichtige Rolle in der Entzündungsreaktion. Wir konzentrieren uns auf die zwei relevanten COX-Varianten, die COX-1 und -2. Die COX-1 ist beteiligt an der Synthese eines in der Blutverdünnung wichtigen Moleküls, dem Thromboxan.

Ratgeber Schmerzmittel: Die Fakten

  • Der Großteil der Schmerzmittel wirkt über eine unspezifische Hemmung der COX.

  • Die Wirktrias setzt sich aus Analgesie, Antipyrese und Antiphlogistik zusammen.

  • Häufige Nebenwirkungen sind Magenbeschwerden.

  • Vorsicht bei ASS-Anwendung im Kindesalter – Reye-Syndrom!

  • Im Akutfall lieber 1 x 600 Ibu als 3 x 200!

Die COX-2 dagegen verarbeitet Prostaglandin in Richtung Entzündungsvermittlung durch Fieber und Schmerz weiter. Somit können die Wirkungen der Medikamente allgemein entzündungshemmend (antiphlogistisch), schmerzstillend (analgetisch), fiebersenkend, aber eben auch blutverdünnend sein.

Ratgeber Schmerzmittel: Vorsicht mit dem Magen!

Unsere Expertin Britta Schreiber: Anästhesistin und Spezialistin für Schmerzmittel.

Unsere Expertin Britta Schreiber: Anästhesistin und Spezialistin für Schmerzmittel.

Ibu und Diclo sind typische unspezifische COX-Hemmer. Es wird also COX-1 und -2 gehemmt. Vornehmlich führt das zur oben beschriebenen Wirkung. Gerade bei Schmerzen der Muskeln und des Bewegungsapparates, bei rheumatoider Arthritis, bei akutem Gichtanfall und Kopfschmerzen können sie durchaus Abhilfe schaffen.

"Jedoch darf man vor und nach Operationen die blutverdünnende Wirkung nicht außer Acht lassen", betont Schreiber, "deshalb muss die Einnahme in einer solchen Situation immer mit dem Arzt abgestimmt sein."

Beide Medikamente können zu Magenproblemen führen, da die COX-1 bei der Aufrechterhaltung des Magenschleimhautmilieus beteiligt ist.

"Diclo ist hier bei vielen noch etwas aggressiver als Ibu", stellt die Anästhesistin fest. Nach Rücksprache mit dem Arzt wird bei längerer Einnahme oft ein Säureblocker für den Magen dazu genommen.

Ratgeber Schmerzmittel: Höchstdosis beachten!

Vorsichtig sollten auch Asthmatiker bei der Einnahme von Ibu und Diclo sein. Des Weiteren ist bei Diclo zu beachten, dass die Dosis deutlich geringer ist. Es ist, im Vergleich zu Ibu (400 - 600 - 800 mg), in 25, 50 und 75 mg erhältlich. "Die Wirkung wird bei Diclo mit deutlich weniger Wirkstoff erzielt. Vorsicht vor Überdosierung!", warnt Schreiber.

Der Wirkmechanismus des PCM ist nicht vollends geklärt. Es wird eine etwas spezifischere Hemmung der COX-2 angenommen. Hierdurch fällt allerdings die entzündungshemmende Komponente weg und es kommt zur Abnahme der Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt.

Bei PCM ist entscheidend, unbedingt die Höchstdosis einzuhalten, da es sonst zu irreversiblen Leberschäden führen kann! Es wirkt oft gut bei Kopfschmerzen und Fieber, zählt aber zu den schwach wirksamen Präparaten.

ASS wird hauptsächlich zum Beginn einer blutverdünnenden Therapie eingesetzt, da es in niedrigen Dosen (30 bis 50 mg pro Tag) eher die COX-1 hemmt. Bei Dosen von einem halben bis zwei Gramm pro Tag kommt dann die COX-2-Hemmung hinzu. Bei ASS fallen ebenso Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt auf, vor allem bei höherer Dosierung.

Bei Kindern ist nach ASS-Gabe das Reye- Syndrom gefürchtet. "Nach einer durchmachten Virusinfektion kann ASS bei Kindern zu einer Gehirn- und Leberschädigung führen, die tödlich enden kann."

Ratgeber Schmerzmittel: Alternativen

Eine Art Geheimtipp von Schreiber ist Tramadol. Es ist ein stark wirksames, sehr effizientes Schmerzmittel. Seine Wirkung wird an den Opioidrezeptoren des Nervengewebes entfaltet. Es eignet sich zum Beispiel für stärkste Schmerzen nach einem Sturz.

Ähnlich gut wirkt das Novaminsulfon. Hier ist der Wirkmechanismus aber noch nicht vollends geklärt. Am wahrscheinlichsten ist eine COX-Hemmung und eine Wirkung im Gehirn. Es ist das Mittel der Wahl bei kolikartigen Schmerzen.

"Das Nebenwirkungsprofil ist bei beiden Medikamenten sehr günstig", ergänzt die Schmerzexpertin. Sowohl Tramadol als auch Novaminsulfon sind aber verschreibungspflichtig und daher nicht einfach in der Apotheke erhältlich.

Ratgeber Schmerzmittel: Fazit der Expertin

Als Fazit stellt Schreiber fest, dass Ibu das bewährte Standardschmerzmittel sei. Schreibers Tipp: "Wenn man eine echte Wirkung erzielen möchte, ist es wichtig, eine sinnvolle Dosierung zu wählen. Bei akuten Schmerzen hilft es eher eine 600-mg-Tablette zu nehmen, als drei mal 200 mg.* So wirkt das Medikament besser und hilft schon nach 20 Minuten effektiv."

* In diesem Falle ist die Dosierung für Ibu gemeint. Es gilt aber, dass man sich vor der Einnahme jeglicher Schmerzmedikamente gut über Kontraindikationen, also mögliche Gegenanzeichen einer Einnahme, und ebenso über mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten informieren sollte.