Erst wer vorsteigt, darf sich wirklich "Kletterer" nennen. Aber der Vorstieg sollte Spaß machen, sicher und souverän ablaufen und kein "Kampf gegen den Sturz" sein.

Es heißt nicht umsonst "das scharfe Ende des Seils". Kann man im Nachstieg oder Toprope noch "rumspielen", wird es in dem Moment ernst, wo der Vorstieg beginnt. Man sollte sich an den Vorstieg langsam herantasten. Denn auch wenn die Hakenabstände heute oft sehr gering sind und die Sturzhöhen damit nicht allzu groß werden, kann man beim Vorsteigen doch viel falsch machen.

Außerdem sollte die Kletterei ja auch Freude vermitteln und Spaß machen und kein ständiger Kampf oder ein endloses Gewürge sein. Folgende Aspekte helfen Ihnen auf dem Weg zum sicheren Vorsteiger:

Klettern im Vorstieg: Der Sicherungspartner

Sicherer und Kletterer sollten aufeinander eingespielt sein. Beim Vorsteigen ist die Psyche extrem wichtig. Ich muss mich ohne Wenn und Aber darauf verlassen, dass mein Sicherer einen möglichen Sturz hält. Bin ich mir da nicht sicher, werde ich nie "frei" klettern und dementsprechend immer unsicher und verkrampft sein und demzufolge nicht entspannt klettern können. Der Sicherer muss vertrauenswürdig und erfahren sein.

Tipps für Vorsteiger:innen. Klickt auf das Bild für eine Großansicht:

Klettern im Vorstieg: Vorbereitung ist wichtig

Im Toprope funktioniert ein "Einbinden – Losklettern" vielleicht noch. Beim Vorsteigen ist das etwas anderes. Man sollte gut "eingeklettert2 sein und nicht gleich in eine schwere Route einsteigen. Am Beginn eines Klettertages ein paar Routen deutlich unter dem Leistungslimit bringen Körper und Geist in Fahrt.

Regeln für naturverträgliches Klettern. Klickt auf das Bild für eine Großansicht:

Die Koordination ist besser als in kaltem Zustand und man klettert nach der Aufwärmphase einfach sicherer. Vor dem Losklettern hilft ein kurzes Verweilen, auch ein Visualisieren der Grundtechniken sorgt für innere Ruhe.

Klettern im Vorstieg: Richtig Clippen

Es ist besonders in wackligen Positionen beruhigend, wenn man einen Haken erreicht hat und clippen kann. Also ordentlich strecken und die Exe einhängen. Aber genau das ist falsch. Überwinden Sie sich und klettern Sie noch einen oder zwei Züge weiter und clippen Sie den Haken, wenn er sich etwa auf Höhe des Bauchnabels (also des Anseilpunktes) befindet.

Wer vorsteigt, soll schon ein erfahrener Kletterer sein.

Wer vorsteigt, soll schon ein erfahrener Kletterer sein.

| © Birgit Gelder

Das hat mehrere Vorteile: Sie müssen das Seil nicht hochziehen und sparen so Zeit (und Kraft). Das Handling ist einfacher und vor allem verringert sich die potentielle Sturzhöhe. Denn wenn Sie beim überstreckten Clippen in dem Moment stürzen, wo sie das Seil einhängen wollen, haben Sie etwa zwei Meter mehr Seil hochgezogen, als wenn Sie auf Hüfthöhe clippen. Dadurch verlängert sich die Sturzdistanz deutlich. Vielleicht um den einen Meter zu viel (Band oder Grounder).

Klettern im Vorstieg: Exen richtig einhängen

Bei einer gerade verlaufenden Route können Sie die Expressen einhängen, wie sie möchten. Schnapper nach rechts oder Schnapper nach links, egal. Hat eine Route aber einen leicht diagonalen Verlauf, gehört der Schnapper des Seilkarabiners (das ist der untere Karabiner einer Exe) auf die Seite, von der man sich wegbewegt. Sonst kann es im ungünstigen Fall zu einem Aushängen des Karabiners kommen, weil sich das Seil über den Schnapper legt.

Klettern im Vorstieg: Auf Seilverlauf achten

Der häufigste Grund für unkontrollierte Stürze ist ein falscher Seilverlauf. Klettert man gerade hinauf und die Hakenreihe ist wie auf eine Perlenschnur gefädelt (nur in der Halle der Fall), ist es egal, wo das Seil verläuft. In dem Moment, wo man sich aber seitlich bewegt, gehört das Seil zwischen Kletterer und Wand.

7 Tipps für das Klettern von Mehrseillängenrouten. Klickt auf das Bild für eine Großansicht:

Das klingt logisch, ist in der Praxis aber oft gar nicht so einfach. Durch die Linie zwischen letztem Haken und Anseilpunkt verläuft das Seil oft hinter der Ferse. Man muss dann aktiv das Seil nach vorne holen (drüber steigen). Im Fall eines Sturzes kann es sonst passieren, dass das Seil am Bein hängen bleibt und man umgedreht wird und somit komplett unkontrolliert stürzt.

Klettern im Vorstieg: Sturzübungen

Wir haben fast alle panische Angst vor dem Stürzen. Unser Unterbewusstsein sagt uns: Wenn du jetzt loslässt, fällst du bis auf den Boden. Aber wir haben ja das Seil zur Sicherung. Um sich dessen aber bewusst zu werden, muss man hin und wieder stürzen.

Jemand, der noch nie gestürzt ist, wird nicht entspannt an seinem Leistungslimit klettern. Sturzübungen sind daher ein gutes Mittel, um Vertrauen aufzubauen. Vertrauen zum Sichernden, zum Material, zur Sicherungsmethode.

Diese Ausrüstung benötigt ihr zum Klettern. Klickt auf das Bild für eine Großansicht:


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Text von Olaf Perwitzschky

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