Sicher auf herbstlichen Bergtouren

Planung von Herbsttouren: Darauf müsst ihr achten!

Touren im Herbst haben ihren besonderen Reiz. Die Luft ist klar, die Sicht unendlich und im Tal hängt der Nebel. Aber es sind auch Besonderheiten zu beachten, um sicher im Herbst unterwegs zu sein.

Touren im Herbst haben ihren besonderen Reiz. Daruf müsst ihr achten!
© Pexels.com / Flo Maderebner

Tourenplanung: Essentieller Bestandteil der Bergtour

Tourenplanung ist nicht jedermanns Sache. Sich Tage vor der Tour hinsetzen, Karte und Führer rauskramen, im Internet nachschauen, Infos sammeln und den Wetterbericht anhören – es gibt einiges zu tun. Ganz so ausführlich muss es auch nicht immer sein. Aber aufgrund einer mangelhaften Tourenplanung entstehen die meisten brenzligen Situationen und passieren viele Unfälle. Das gilt insbesondere für das Ende der Berg-Saison.

Im Herbst sind die Berge wunderschön. Solange kein früher Schnee fällt, kann man selbst 4000er noch gut im Oktober begehen. Aber man muss sich der "neuen" Situation anpassen. Vom Sommer ist man lange Tage gewohnt, die Tage im Herbst werden – auch vor der Umstellung zur Winterzeit – schnell kürzer. Plant man also eine längere Tour, muss man beachten, dass es schon früh dunkel wird.

<p>Noch ist die Randkluft am Höllentalferner passierbar, aber mit fortschreitender Jahreszeit wird der Spalt immer breiter.</p>

Noch ist die Randkluft am Höllentalferner passierbar, aber mit fortschreitender Jahreszeit wird der Spalt immer breiter.

Dann sollte man die schwierigen Passagen im Abstieg hinter sich und die Stirnlampe dabei haben. Einmal abgesehen von den kürzeren Tagen, sind gerade längere Touren aber für den Herbst oft günstig, weil die Gewitterneigung viel geringer ist als im Sommer. Gewitter im Herbst sind selten und werden vom Wetterdienst garantiert vorhergesagt.

Große Temperaturunterschiede: Frost im Schatten, T-Shirt-Wetter in der Sonne

Allerdings birgt der Herbst auch Schwierigkeiten, die es im Sommer nicht gibt: Wasserstellen oder Quellen, die früher im Jahr vielleicht noch sprudeln, können im Herbst versiegt sein. Zudem ist im Herbst der Temperaturunterschied zwischen Sonne und Schatten deutlich größer als im Sommer. Im Schatten kann es noch Frost haben, während man in der Sonne im T-Shirt klettert. Gerade bei längeren Touren ist daher die Exposition der Route ein wichtiges Thema: Denn wenn die Sonne mittags aus der Tour verschwindet, kann es schnell unangenehm kalt werden.

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Will man Gletscher begehen, sind diese oft aper – also ohne Schneeauflage. Das hat den Vorteil, dass man die Spalten gut sieht, aber den Nachteil, dass das Begehen zumindest von steileren Passagen wesentlich schwieriger sein kann als mit Schneeauflage. Gleiches gilt für steile Flanken. Sie sind ohne Schneeauflage ungleich schwerer und anstrengender.

Auch Bergschründe und Randklüfte können nach einem heißen Sommer nahezu unpassierbar sein. Prominentes Beispiel ist der Übergang vom Höllentalferner auf den Klettersteig an der Zugspitze. Diese Passage bietet im Frühsommer meist keine Schwierigkeit, kann im Herbst aber das Ende der Tour bedeuten. Hier heißt es im Vorfeld Informationen sammeln.

<p>Eine Eisauflage auf Steinen am Morgen ist im Herbst üblich. Kein Problem – wenn man es weiß.</p>

Eine Eisauflage auf Steinen am Morgen ist im Herbst üblich. Kein Problem – wenn man es weiß.

Altschneefelder: Ohne Steigeisen oder Grödel ein Hindernis

Auch Altschneefelder, die schon so verfestigt sind, dass sie eher aus Eis als aus Schnee bestehen, können bei einer einfachen Wanderung ein unüberwindbares oder zumindest heikles Hindernis darstellen. Steigeisen oder zumindest Grödel schaffen hier ein hohes Plus an Sicherheit. In der Nacht fallen die Temperaturen im Herbst fast immer unter den Gefrierpunkt. An Bächen oder Übergängen bilden sich dann dünne Eisglasuren. Rechnet man nicht damit, kann man recht schnell auf der Nase liegen, wenn man versucht einen Bach oer auch nur ein Rinnsal zu queren. 

Hüttencheck: Ist meine WunschHütte überhaupt noch offen?

Ganz wichtig ist natürlich auch ein Hüttencheck. Hat die für die Übernachtung ausgewählte Hütte wirklich noch auf? Ein kurzer Anruf beim Wirt ist sinnvoll, denn es gibt Hütten, die stark von der Wassersituation vor Ort abhängig sind und eventuell früher schließen müssen, als es in Führern oder Internetübersichten angegeben ist.

Bekommt man keine Auskunft, sollte man zumindest klären, ob es einen Winterraum gibt und ob der offen ist oder ob man einen Schlüssel braucht. Mit der richtigen Planung gehören Touren im Herbst zu den schönsten des Jahres. Deshalb sollte man etwas Zeit in die Vorbereitung stecken und kann dafür das Erlebnis in vollen Zügen genießen.