Sturz in Doline

Warum ist man im Karst nicht angeseilt wie auf Gletschern?

Ein Skitourengeher ist in eine Doline gestürzt – ein äußerst seltener Unfall, der dennoch Fragen zur Sicherheit aufwirft. Warum ist das Anseilen im Karstgelände unüblich, während es auf Gletschern als Standard gilt? Ein Blick auf Risiko, Schneelage und Praxis. Bergführer und ALPIN-Experte Olaf Perwitzschky erklärt, wie man sich im Karstgelände am besten verhält.

Sturz in Doline: Zum Glück ein sehr seltener Alpin-Unfall. 
© Bergrettung Leogang

Frage: Warum ist man im Karst nicht angeseilt wie auf Gletschern?

Frage von Rostislav, per E-Mail: Auf Gletschern geht man angeseilt. Warum nicht auch im Karstgelände? Ich denke dabei an die vielen Unfälle, die schon passiert sind.

Antwort: Dolinen sind selten – Anseilen ist möglich, aber unüblich

Dass Skifahrer bzw. Skitourengeher in Dolinen stürzen, ist äußerst selten. Auch auf Gletschern geht man im Winter (mit Ski) häufig nicht am Seil, weil durch die größere Auflagefläche der Ski und die Schneemenge Spaltenstürze viel unwahrscheinlicher werden als im Sommer.

Lediglich in sehr spaltenreichen Bereichen oder wenn der Schnee extrem weich ist (später am Tag), seilt man sich mit Ski am Gletscher an. Dolinen kommen noch viel seltener vor als Spalten auf einem Gletscher. Von daher ist es nicht üblich, sich in Bereichen, in denen es Dolinen gibt, anzuseilen. Wenn es aber eine Gruppe für angemessen erachtet, spricht nichts dagegen, auch ein Karstgelände am Seil zu überqueren.

Mehr Fragen von Lesern und Usern sowie die Antworten von Olaf findet Ihr unter: alpin.de/olaf

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Olaf Perwitzschky ist ALPIN-Testredakteur und staatlich geprüfter Bergführer. Berge sind seine Leidenschaft - und Eure Fragen sind ihm Herausforderung! Jeden Monat beantwortet er Eure Anliegen im ALPIN-Heft unter der allseits bekannten Rubrik "Olaf klärt das schon!".

Text von Olaf Perwitzschky

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