2011 hatte sie es geschafft: Mit der Besteigung des K 2 hatte Gerlinde Kaltenbrunner als erste Frau alle Achttausender ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff bestiegen. Anlässlich ihres 50. Geburtstages am 13. Dezember publizieren wir ein ALPIN-Interview mit Gerlinde aus dem Jahr 2014. Hier blickt die erfolgreiche Höhenbergsteigerin noch einmal auf ihre Achttausender-Besteigungen zurück.

Liebe Gerlinde, nun ist es doch schon eine Zeit lang her, dass Du alle 14 Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff hast besteigen können. Wie groß ist die Freude noch heute, dass Dir dies gelungen ist?

Historischer Moment: Gerlinde Kaltenbrunner (Mitte) auf dem Gipfel des K2.

| © Maxut Zhumayev

An die letzte K2 Expedition via Nordpfeiler denke ich immer noch sehr oft. Die Freude über die Besteigung wird sicher für immer in mir sein.

An welche Expedition erinnerst Du Dich am liebsten?

An die K2 Expedition 2011, aber auch an Dhaulagiri 2008 mit David (Göttler, d. Red.) und auch an den Kangchendzönga und Nuptse ...

Und welcher Berg war eher ein Horrorberg für Dich?

Annapurna, zu diesem Berg würde ich nicht mehr zurückkehren...

Du hast auf Deinen Expeditionen miterleben müssen, wie Menschen gestorben sind. Dir selbst ist nie etwas passiert. Hast Du einen Schutzengel? Glaubst Du an höhere Kräfte?

Höchste Ehren: Verleihung des Goldenen Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich durch Bundespräsident Heinz Fischer 2011 in der Wiener Hofburg.

| © picture alliance / Robert Jaeger

Ja, ich hab ganz bestimmt einen Schutzengel! Ich glaube an Kräfte, die nicht sichtbar und greifbar sind, trotzdem wirken sie.

Viele fallen nach einem so großen Projekt in ein Loch und wissen nicht so recht, wohin mit sich. Ist oder war das bei Dir auch so?

Nein. Mit den Bergen werde ich bis an mein Lebensende stark verbunden bleiben. Jetzt hab ich andere bergsteigerische Ziele. Ich machte mir bereits vorher bewusst, dass es nicht auf Dauer so weitergehen konnte. Gerade sind wir im Feuerland, eine ganz andere, wunderschöne Ecke unserer Erde, hier sind die Berge nicht sehr hoch, aber auch sehr kraftvoll und eindrücklich.

Klicken Sie sich durch die Slideshow mit Gerlinde Kaltenbrunners 8000er-Expeditionen von 2006 bis 2011

Wir haben vor Kurzem Edurne getroffen und sie hat erzählt, dass sie oft traurig war, dass andere Familien gründeten und sich einen festen Freundeskreis aufbauen konnten. Ihr war das wegen der Expeditionen schwer möglich. Hast Du das auch vermisst?

Dass ich keine eigenen Kinder bekomme möchte, hatte ich irgendwann bewusst entschieden und fühlt sich für mich richtig an. Ich hab nur wenige, enge Freunde, mit denen bin ich trotz der oft großen Entfernungen immer verbunden.

Klickt euch durch eine Fotogalerie mit Gerlinde Kaltenbrunners Achttausender-Erfolgen:

Du hast Deinen Beruf als Krankenschwester vor längerer Zeit wegen des Bergsteigens aufgegeben. Über die 8.000er-Besteigungen haben auch große Medien berichtet. Nun ist es ruhiger geworden. Kannst Du auch ohne das Interesse großer Medien dauerhaft Profi-Alpinistin bleiben? Willst Du das überhaupt?

Alles hat seine Zeit. Dauerndes Medieninteresse hat Vor- und Nachteile. Es ist gut so wie es ist. Vorträge halte ich sehr gerne und würde mich freuen, wenn das Interesse noch eine Weile andauern würde. Und ich bin überzeugt, dass immer etwas neues, gutes kommt, wenn man offen dafür ist.

Genießt Du es nun auch, dass Du vielleicht mehr Zeit hast für andere Dinge? Gehst Du verstärkt auch nicht-alpinen Interessen nach?

Ja, jetzt nehme ich mir mehr Zeit für Anderes und genieße es sehr. Auch die Freunde zu treffen, mit denen ich sonst oft für lange Zeit nur elektronisch Kontakt hatte. Sprachkurse besuchen, ins Konzert gehen,... Klettern im Süden...

Erste Frau auf dem Nuptse: Gerlinde Kaltenbrunner 

| © David Göttler

Wir haben gelesen, dass Du Dich sehr bewusst und gesund ernährst. Wie kann man sich das vorstellen und war das auf Expeditionen nicht sehr schwierig, da gib es doch meist Tüten-Fertiggerichte?

Zuhause ist es gar kein Problem. Ich esse alles außer tierisches Eiweiß und Fett und verzichte auf denaturierten Zucker und Fette. Den Rohkostanteil versuche ich ganz hoch zu halten. Auf Expedition muss ich schon immer genau planen, was ich von daheim mitbringe. Aber auch das funktioniert gut.

Dein Mann Ralf Dujmovits [Gerlinde war bis 2015 mit dem deutschen Extrembergsteiger verheiratet, Anm. d. Red.] war neulich am Nanga Parbat, ist aber nicht auf den Berg gekommen. Du bist erst gar nicht mit. Warum?

Vom Gefühl her hat es mich überhaupt nicht zum Nanga Parbat hingezogen.

Hast Du Dir ein neues großes Ziel gesetzt? Was sind Deine Pläne in nächster Zeit?

Jetzt bin ich erstmal im Feuerland und freue mich auf den Monte Sarmiento, dann sehe ich weiter.

1 Kommentar

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Oberfranke

Gerlinde und Ralf waren während der Jahre gemeinsamer Expeditionen einfach ein eingespieltes Superteam - beide zeichnete aus, dass sie zwar ehrgeizig, aber niemals vom Ehrgeiz zerfressen waren, und auch umkehren konnten. Gerlinde selbst ist sicher eine Ausnahmebergsteigerin, und wenn Du dann mit jemand wie Ralf zusammenarbeitest, der - für mich zumindest - der geborene Achttausenderbergsteiger ist (körperlich superstark, loyal, analytisch denkend, ehrlich, mental auch unter Druck sehr stark am Berg), ist das natürlich eine Win-Win-Situation. Zwei starke Persönlichkeiten, die auf das Erreichte stolz sein können, und stolz auch darauf sein können, wie friedlich und fair man sich dann wieder getrennt hat: beide äußern sich noch heute nur positiv über den andern. Herzlichen Glückwunsch an Gerlinde, aus Franken