27-Jähriger startet Extremprojekt

Vom Meer bis auf 8848 Meter: Australier plant Everest-Rekord

Ein ungewöhnliches Ausdauerprojekt nimmt derzeit Kurs auf den höchsten Punkt der Erde: Der Australier Oliver Foran will den Mount Everest nicht auf klassischem Weg angehen, sondern bereits auf Meereshöhe starten – und den gesamten Weg bis zum Gipfel in Rekordzeit zurücklegen.

Vom Meer bis auf 8848 Meter: Australier plant Everest-Rekord
© Instagram / Oliver Foran

Der 27-Jährige begann seine Expedition mit einer rund 1150 Kilometer langen Radetappe durch Indien und Nepal. Nach mehr als zwei Wochen im Sattel führte ihn die Route vom heißen Flachland in zunehmend anspruchsvolles Bergterrain, ehe er den Fuß des Himalaja erreichte und seinen Aufstieg in Richtung Basislager fortsetzte. Ziel ist es, die Strecke vom Meer bis auf 8848 Meter Höhe in deutlich weniger als 67 Tagen zu bewältigen.

Neben der sportlichen Herausforderung verfolgt Foran auch ein persönliches Anliegen. Mit seiner Aktion sammelt er Spenden für die australische Organisation Youturn, die sich für die psychische Gesundheit junger Menschen einsetzt. Der Hintergrund ist biografisch geprägt: Eigene Erfahrungen mit mentalen Belastungen nach einem familiären Verlust gaben den Ausschlag für das Engagement.

Alpinistisch betritt Foran dabei Neuland. Erst vor wenigen Jahren begann er mit dem Höhenbergsteigen, nachdem er zuvor beruflich im Immobilienbereich tätig war. Nach Besteigungen in der Sechstausender- und Siebentausender-Klasse nimmt er nun erstmals einen Achttausender in Angriff – und mit dem Everest gleich den höchsten Berg der Welt.

Das "Sea-to-Summit"-Projekt gilt als seltenes und besonders anspruchsvolles Unterfangen. Erstmals gelang es 1990 einem Landsmann Forans, Tim Macartney-Snape, der vom Golf von Bengalen bis zum Gipfel rund drei Monate benötigte. Den aktuellen Geschwindigkeitsrekord hält der Südkoreaner Kim Chang-ho, der 2013 verschiedene Fortbewegungsarten kombinierte und die Strecke in 67 Tagen absolvierte.

Foran plant, diese Marke deutlich zu unterbieten – und die gesamte Distanz in etwa 60 Tagen zurückzulegen. Ob das ambitionierte Vorhaben gelingt, entscheidet sich in den kommenden Wochen im Hochgebirge.

<p>Der Australier am Gipfel der Ama Dablam.</p>

Der Australier am Gipfel der Ama Dablam.

© Instagram / Oliver Foran

Sea to Summit – der lange Weg zum Everest

Die sogenannte "Sea-to-Summit"-Route gehört zu den konsequentesten Formen des Höhenbergsteigens: Statt erst im Hochgebirge zu starten, beginnt die Expedition auf Meereshöhe – und führt aus eigener Kraft bis auf den Gipfel des Mount Everest.

  • Was steckt dahinter? Die Idee folgt einem einfachen Prinzip: maximale Eigenleistung, minimale externe Hilfe. Wer "Sea to Summit" ernst nimmt, verzichtet auf motorisierte Unterstützung und legt die gesamte Strecke selbst zurück – zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf dem Wasser.

  • Typische Route: Klassisch beginnt die Tour am Golf von Bengalen in Indien. Von dort führt sie durch das Ganges-Tiefland, weiter durch Nepal bis ins Khumbu-Gebiet und schließlich über die Normalroute zum Everest-Gipfel. Insgesamt kommen – je nach Variante – rund 1200 bis 1300 Kilometer zusammen.

  • Die Herausforderungen: Der Reiz liegt in der Kombination völlig unterschiedlicher Belastungen, etwa tropische Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit im Flachland, lange Distanzen mit eigener Ausrüstung, zunehmende Höhe und Sauerstoffmangel im Himalaya sowie logistischer und zeitlicher Druck über Wochen hinweg.

  • Historische Meilensteine: Tim Macartney-Snape gelang 1990 die erste dokumentierte "Sea-to-Summit"-Besteigung. Kim Chang-ho setzte 2013 mit 67 Tagen den bis heute gültigen Geschwindigkeitsmaßstab.

  • Warum so selten? Die Route ist organisatorisch aufwendig, körperlich extrem fordernd und schwer planbar. Wetterfenster am Everest, Grenzübertritte, Transportlogistik und Akklimatisation müssen perfekt zusammenspielen – ein Grund, warum nur wenige Sportler dieses Abenteuer überhaupt wagen.

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Text von Lubika Brechtel

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