"Gefahr maßlos unterschätzt"

Seit Freitag 71 Lawinen: Tiroler Bergrettung kritisiert Variantenfahrer scharf

71 gemeldete Lawinen, sieben Tote und Dutzende Verletzte: Nach einem dramatischen Wochenende (20. - 22. Februar 2026) in Tirol spricht der Landesleiter der Bergrettung von "maßlos unterschätzter" Gefahr und "enormer Belastung" für die Einsatzkräfte.

71 Lawinen am vergangenen Wochenende: Tiroler Bergrettung schlägt Alarm (Symbolbild).
© IMAGO / Eibner Europa

71 gemeldete Lawinen, sieben Tote und Dutzende Verletzte: Bergrettung im Dauereinsatz

Nach einem außergewöhnlich Einsatzreichen Lawinenwochenende in Tirol hat der Landesleiter der Bergrettung Tirol, Ekkehard Wimmer, scharfe Kritik am Verhalten mancher Wintersportler geübt. Seit Freitag wurden bei der Leitstelle Tirol 71 Lawinen gemeldet. Sieben Menschen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. 31 Ortsstellen der Bergrettung standen im Einsatz, dazu kamen insgesamt 30 Hubschrauberflüge.

Die meisten Lawinenabgänge ereigneten sich im freien Skiraum, vielfach in unmittelbarer Nähe ausgewiesener Skipisten. Besonders folgenschwer war ein Lawinenabgang in St. Anton am Arlberg, bei dem drei Menschen starben. Wimmer zeigte sich angesichts der Zahlen tief besorgt.

Entgegen aller Warnungen und zweier behördlicher AT-Alerts hätten sich weiterhin Wintersportler in ungesichertes Gelände gewagt. "Mein persönliches Gefühl ist, dass vieles nahe Skigebieten passiert ist. Wenn man in dieser Situation in den freien Skiraum fährt, fehlt einem das Gespür, die Ausbildung und die Erfahrung", sagte er gegenüber ORF Tirol. Die Gefahr sei seit Freitag "maßlos unterschätzt" worden.

Dringender Appell, gesicherte Pisten nicht zu verlassen

Besonders hoch war die Belastung im Bezirk Landeck, wo 13 Ortsstellen – teils mehrfach – ausrücken mussten. "Die Belastung ist enorm, für unsere Mitglieder bedeutet das Dauerstress", so Wimmer. Er appellierte eindringlich, die Warnungen ernst zu nehmen und "auch aus Respekt" gegenüber den Einsatzkräften vorerst auf den Pisten zu bleiben. Neben der physischen Beanspruchung sei auch die psychische Belastung groß.

"Wir versuchen unsere Ortsstellen da bestmöglich zu unterstützen. Für viele ist die psychische Belastung momentan sehr groß", erklärte der Landesleiter mit Blick auf die zahlreichen Todesfälle. Zwar verlief ein Großteil der gemeldeten Lawinen ohne Personenbeteiligung. Dennoch müssten die Bergretter in vielen Fällen ausrücken, um genau das abzuklären.

"Natürlich haben wir in der Ausbildung hohe Standards, unsere Leute sind topfit", betonte Wimmer. Doch eine Einsatzserie dieser Intensität hinterlasse Spuren: "Das merkt man oft erst dann, wenn der Stress vorbei ist und der Druck abfällt."

Sicher auf Skitour: 10 Tipps für Bergfexe
Empfehlungen des Deutschen Alpenvereins
Sicher auf Skitour: 10 Tipps für Bergfexe

Wie Tourengeher Risiken im freien Gelände verringern können, insbesondere die Gefahr, von einer Lawine erfasst zu werden, darüber informieren die 10 Empfehlungen des Alpenvereins.

zur Galerie

Text von Lubika Brechtel

9 Kommentare

Kommentar schreiben
Ini

Respekt und Wertschätzung gegenüber seinem eigenen Leben, gegenüber der Bergrettung und der Natur sind unerlässlich!
Jeder, der das missachtet sollte zur Kasse gebeten werden. Konsequent und möglichst mit sehr hohen Bußgeldern.
Die Berge sind doch kein Kinderspielplatz.

Bergfex010

Hmmm. Ein Wirtschaftunternehmen namens Skigebiet transportiert tausende von Touristen auf den Berge, verdient damit gutes Geld und greift dann auf Ehrenamtliche für Sondierketten zurück, falls die eigene Absicherung unzureichend war oder ein Kunde im Einzugsbereich etwas lostritt. Oder wie ist das organisiert?

Bernd Schneider

Alle Abtrünnigen sollten Strafe bezahlen und abkassiert werden. In Frankreich geht es doch auch in den Naturschutz Gebieten. Da zahlst du keine unerhebliche Strafe wenn du eine Kippe weg schmeißt. Da müssten, wenn es die Personaldecke zulässt, auch in den Skigebieten die außerhalb der Pisten fahrenden abkassiert werden..

Berni

So ein Stuss. Einfach alle Lifte sperren und schon sind nur noch Tourengeher unterwegs. Die sind schon aus Eigenschutz informiert ( am Besten sogar: ausgebildet). So werden Unglücke auf Ausnahmen reduziert, die Natur geschont und man hat im Gebirge mehr Muße und Genuss.

thomas

Es ist heute einfach mode und schick nur an sich selber zu denken, Hauptsache ist der Spass und Selbstdarstellung!!
Mir tun nur die Helfer leid, die volles Risiko gehen müssen um dumme Menschen zu helfen oder im schlimmsten Fall zu bergen....

Urs

Karin S. Ich bin einverstanden mit deinem ersten Satz, nicht aber mit dem zweiten: Als erfahrener Skitourengänger weiss ich, dass man trotz sorgfältiger Tourenplanung und der Grösse eine Tour auch abzubrechen, wenn es heikel ist - dass man trotzdem in eine Notsituation geraten kann. Für so einen Fall bin ich dankbar, dass es die Bergrettung gibt und ich dafür versichert bin.

Karin S.

Es ist unverantwortlich, wie sich einige Menschen verhalten. Jeder, der sich abseits der gezeichneten Pisten aufhält,
sollte im Unglücksfall für den Rettungseinsatz bezahlen.

Ammerguide

Traurig aber wahr. Sollte man es Unerfahrenheit oder einfach nur Dummheit nennen.
Warum zieht es gerade jetzt bei erheblicher Lawinengefahr so zahlreich die Menschen ins Gebirge. Bei hohen Warnstufen , bei den Massen an Schnee kommt es einer Glückslotterie gleich wieder gesund nach Hause zu kommen.
Weil sich das Verhalten der Menschen im Gebirge anscheinend bei vielen extrem in eine unsoziale Richtungen verändert hat. Es wird sich dabei selbst und auch das Leben fer Retter gefährdet, würde ich bei hohen Lawinen Warnstufen einfach die entsprechenden Gebiete Sperren. Im Straßenverkehr werden ja auch Lawinenstriche gesperrt. Da sollte dich eigentlich kein Problem sein.

S. R.

Richtig.
Diesen Leuten fehlt der Respekt und die Wertschätzung. Alle Skifahrer die meinen, dass sie neben den Pisten fahren müssen, dürfen gerne eine Zeit bei der Bergrettung mitlaufen und zuschauen. Sobald sie das Kennenlernen achten sie hoffentlich die großartige Arbeit dieser verantwortungsvollen Menschen.