Familientour von Thomas Huber sen. und Alexander Huber

Mit 85 durch die Alte Westwand am kleinen Watzmann

Thomas Huber senior nahm seine Söhne Thomas und Alexander, auch bekannt als die Huberbuam, schon als Kinder mit zum Klettern. Mit 85 Jahren hat er nun mit Sohn Alexander ihre erste gemeinsame Klettertour wiederholt: die Alte Westwand am kleinen Watzmann. Einziger Unterschied: dieses Mal war der Junior im Vorstieg und der Senior im Nachstieg. Der Bayerische Rundfunk hat Vater und Sohne begleitet.

Mit 85 durch die Alte Westwand am kleinen Watzmann
© BR; Georg Bayerle

Thomas Huber sen.: 85 und kein bißchen müde

Mit ruhigen und sicheren Bewegungen klettert der 85-jährige Thomas Huber den Fels hinauf. Diesmal am Seil von Alexander, damals vor über 40 Jahren war es umgekehrt: Die Alte Westwand des Kleinen Watzmann war die erste Klettertour für den zwölfjährigen Alexander und der war richtig aufgeregt: Die Tourenbeschreibung hatte er auswendig gelernt und richtig Angst vor der Schlüsselstelle, die er jetzt als einer der weltbesten Extremkletterer erstmals wieder angeht. 

Er erinnert sich genau: Ein Felswulst drängt den Kletterer hier bei einer Querung frei über den Abgrund hinaus und beim Blick nach unten, um die Zehen gut zu platzieren, schaut man direkt ins Leere. Damals hatte Alexander hier "den Zitterer" gehabt, aber der Vater hat ihm gut zugeredet und die Griffe und Tritte gezeigt.

<p>Pausenplatz in der Westwand</p>

Pausenplatz in der Westwand

© BR; Georg Bayerle

Dieser besonderen Familientour der Familie Huber widmet der BR einen äußerst sehenwerten Film, der in der Sendung "Zwischen Spessart und Karwendel" im BR-Fernsehen zu sehen ist. Das Filmteam durfte Vater und Sohn bei den Vorbereitungen, beim Aufstieg zum Watzmannhaus und auf der Klettertour begleiten. 

Gemeinsame Touren vor der Haustür und in ganz Europa

In den vergangenen Jahren ist Thomas mit seinem Sohn Alexander schwierige und lange Routen geklettert: die Bonatti am Grand Capucin im Montblancgebiet, den Torre Trieste in den Dolomiten und in den Picos de Europa in Spanien. Und er begleitet ihr Leben bis heute, als Fahrer auf den Vortragstouren und am Berg. 

<p>Vater Thomas lässt es sich nicht nehmen, Sohn Thomas zu Vorträgen oder anderen Terminen zu kutschieren.</p>

Vater Thomas lässt es sich nicht nehmen, Sohn Thomas zu Vorträgen oder anderen Terminen zu kutschieren.

© Thomas Huber

So ist auch diese gemeinsame Tour ein intensives und besonderes Erlebnis, wenn er mit einem seiner Kinder unterwegs ist. Man sieht und spürt es ihnen an, wie sie instinktiv und aufmerksam durch die Felswand schleichen. Der Berg ist ihr Freund, sie sind ein Teil davon. Über ein großartiges schräges Band zieht die Klettertour hinauf auf den Grat des 2300 Meter hohen Kleinen Watzmann, der auch auf dem Normalweg ein paar heikle Stellen hat. 

Und dann stehen sie nach 43 Jahren wieder auf dem Gipfel des Kleinen Watzmann: Thomas heute mit 85, Alexander mit 55 Jahren. Heute sagt er: "Es ist auch nie eine Selbstverständlichkeit. Jedes Mal darfst du dich wieder freuen, wenn du da oben stehst." 1500 Meter schimmert der Königssee. Im Süden liegen das Steinerne Meer und die Gipfel vom Hochkönig bis zum Dachstein. "Da hast du das Gefühl, du stehst über allen Dingen. Und ich freue mich da jedes Mal wieder." 

Ein Band mit den Bergen führt durch ihr Leben, über die Generationen hinweg und zu anderen Menschen, die diese Leidenschaft teilen. Auch der Abstieg verlangt dann noch einmal volle Konzentration an diesem Tag, an dem sich ein besonderer Kreis im Leben der Hubers geschlossen hat.

Bergheimat Berchtesgaden

Das Watzmannmassiv im Nationalpark Berchtesgaden war immer ein Fixpunkt, auch wenn die Touren, vor allem der Söhne, bald um die ganze Erde führten. Angst um seine Söhne habe er nie gehabt, sagt Thomas Huber heute. Er hatte großes Vertrauen in ihr Können und ihren Umgang mit Risiko und Gefahr, schließlich hatten sie die Grundbegriffe des Bergsteigens bei ihm selbst gelernt. Am liebsten hätte er selbst so ein Leben gelebt, sagt Thomas Huber, aber er gönne den beiden Söhnen ihr erfülltes Leben mit den Bergen.

Text von Dr. Georg Bayerle

1 Kommentar

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OlliS.

Einfach nur toll. Kann es etwas schöneres geben als so ein Erlebnis.
Ich wünsche jedenfalls noch viele weitere gemeinsame Klettertouren.