Drei Rettungseinsätze der Bergwacht Hinterstein

"Wir sind schockiert, wie viele untaugliche Leute derzeit in den Allgäuer Bergen unterwegs sind"

Am vergangenen Samstag (11. Mai 2024) war die Bergwacht Hinterstein gleich drei Mal in den Allgäuer Alpen gefordert. Die Einsatzkräfte zeigten sich schockiert über Ausrüstung und Erfahrung der Geretteten und warnen vor der Schneelage in höheren Lagen!

Aktuelles Bild vom Schrecksee in den Allgäuer Alpen.
© Bergwacht Hinterstein/Facebook

Unzureichende Ausrüstung und Erfahrung: Drei Rettungseinsätze in den Allgäuer Alpen

Der ereignisreiche Tag begann für die Bergwacht mit einem Notruf am frühen Vormittag. Ein Wanderer hatte drei Personen beobachtet, die im vereisten Steilgelände unweit der Vorderen Schafwanne unterwegs waren. Nach längerer Beobachtung der zum Teil sehr unsicheren Wanderer und wegen wahrgenommener akuter Absturzgefahr eines der Dreien wählte der Beobachter den Notruf. Umgehend machte sich ein Rettungshubschrauber auf den Weg zu den Wanderern. Währenddessen hatte der unbeteiligte Zeuge Rufkontakt zu dem Trio herstellen können. Dieses verweigerte die angebotene Hilfe und stiegen eigenständig wieder ab. Der erste Einsatz wurde infolge abgebrochen.

Nur eine Stunde später ging erneut ein Anruf bei der Bergwacht ein – von derselben Stelle. Ein Wanderer hatte wegen seines blockierten Tourenpartners den Notruf gewählt. Dieser traute sich aufgrund der Steilheit und der Schneeverhältnisse keinen eigenständigen Abstieg mehr zu. Erneut wurde ein Hubschrauber angefordert, der einen Bergretter bei dem Blockierten absetzte. Dieser konnte den Mann sichern, im Anschluss wurden beide per Bergetau aufgenommen und nach Hinterstein geflogen. Später stellte sich heraus, dass es sich um die unsicheren Wanderer vom ersten Notruf gehandelt hatte. 

Unfreiwillige Nacht am Rauhhorn

Zudem stellte sich heraus, dass das Trio bereits am Tag zuvor zum Rauhhorn aufgebrochen war. Obwohl sie über "kein bergsteigerisches Können" verfügten und "völlig unzureichende Ausrüstung" bei sich trugen, schaffte die Gruppe es zum Gipfel. Da es bereits dunkel wurde und der zuvor weiche Schnee gefror, verbrachten die Personen die Nacht am Gipfel. Als sie am Samstag mit dem Abstieg begannen, blockierte schließlich einer der Wanderer. Auf die Frage, wie sie sich auf die Tour vorbereitet hatten, antwortete die Gruppe: "Wir haben Videos geschaut, das hat nicht schlimm ausgesehen".

Am Nachmittag desselben Tages traf der dritte Notruf des Tages bei der Bergwacht Hinterstein ein. Erneut beobachtete ein Wanderer zwei Personen, die oberhalb des Schrecksees im steilen, felsdurchsetzten Gelände auf allen Vieren den Berg hinabkrochen. Zum Teil robbten die Personen wohl auch am Boden. Erneut eilte die Besatzung des Rettungshubschraubers zum Schrecksee. Als die Einsatzkräfte bei den Wanderer eintrafen, hatten sich diese jedoch bereits aus dem gefährlichen Gelände retten können. Der Anrufer schickte der Bergwacht später ein Video der "hanebüchenen Kletteraktion". "Wir sind echt schockiert, wie viele absolut untaugliche Leute derzeit in den Hochlagen der Allgäuer Berge unterwegs sind!", teilten die Einsatzkräfte auf Facebook mit.

"Zu tödlichen Abstürzen hat nicht viel gefehlt"

Die Bergwacht Hinterstein warnt vor Wanderungen im Gebiet um den Schrecksee:

"Ab ca. 1.600 m Höhe liegen derzeit noch ausgedehnte Schneefelder, vor allem im Bereich Jubiläumsweg und Schrecksee. Vielerorts ist die Schneedecke noch komplett geschlossen. Diese Bedingungen können für normale Wanderer ohne alpine Erfahrung und entsprechender Ausrüstung schnell zur Todesfalle werden. In beiden der genannten Fälle hat vermutlich zu einem tödlichen Absturz nicht viel gefehlt! 

1 Kommentar

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Frank

Ich bin letzte Woche mit dem MTB von Bad Hindelang zur Schwarzenberghütte gefahren. Bei der Abzweigung zum Schrecksee stand ein Schild, dass der Steig gesperrt sei. Das hat nicht alle interessiert! Wozu meinen die, wurde das Schild aufgestellt?
Da ich noch eine Wanderung anschließen wollte, wurde mir auf der Schwarzenberghütte die Tour zum Engeratsgrundsee empfohlen. Die Tour war allerdings alles andere als einfach. Erst war es ziemlich rutschig, weil das Schmelzwasser den Wanderweg runterlief. Bei der letzten Stufe vor dem Engeratsgrundsee war dann ein großes Schneefeld. Das hätte ich noch überwinden können. Auf den letzten Anstieg zum See hatte ich dann aber keine Lust. Ich hatte nur normale Wanderschuhe im MTB-Rucksack. Dafür hätte ich aber hohe Wanderschuhe, Gamaschen und Grödel benötigt. Zudem war außer mir keine andere Person mehr am Berg. Allein ist immer ungünstig. Deshalb bin ich umgedreht. Da komme ich im Sommer wieder, wenn der Weg zum Engeratsgrundsee kein Problem darstellt.
Ich verfahre nach dem Motto: Wenn ich mir nicht 100%ig sicher bin, drehe ich um. Ich will Spaß haben und der Bergwacht keine unnötige Arbeit machen. Und das InReach muss auch nicht unbedingt zum Einsatz kommen.
Vielleicht bin ich übervorsichtig und drehe zu oft oder zu früh um, aber besser als andersrum. Und eines ist sicher: Ich habe viel Spaß!